Ein Rechts­anwalt darf sich als „Spezialist für Familien­recht“ bezeichnen, wenn er so erfahren ist wie ein Rechts­anwalt mit dem geprüften Titel „Fach­anwalt für Familien­recht“. Die Bezeichnung „Fach­anwalt“ wird von der örtlichen Rechts­anwalts­kammern an Anwälte verliehen, die Kennt­nisse und Erfahrungen in einem Rechts­gebiet nach­weisen. Der Titel „Spezialist“ existiert offiziell nicht. In einem Fall, der nun bis zum Bundes­gerichts­hof (BGH) ging, warb ein Rechts­anwalt aus dem Bezirk der Rechts­anwalts­kammer Freiburg mit der Bezeichnung „Spezialist für Familien­recht“, obwohl er keinen Fach­anwalts­titel besaß. Nach eigener Einschät­zung hielt er sich dennoch für einen „Spezialisten“.

Die Rechts­anwalts­kammer Freiburg ging gegen den Juristen gericht­lich vor. Es bestehe die Gefahr, dass Verbraucher die Bezeichnung „Spezialist für Familien­recht“ mit dem geprüften „Fach­anwalt für Familien­recht“ verwechselten, so die Kammer. Der Bundes­gerichts­hof entschied: zwar könnten die beiden Begriffe verwechselt werden. Das sei aber recht­lich unpro­blematisch, solange der selbst­ernannte „Spezialist“ die Erfahrungen und Kennt­nisse eines geprüften Fach­anwalts habe. Die Beweis­pflicht dafür trägt der „Spezialist“ (Az. I ZR 53/13). Ob der Anwalt aus dem Bezirk Freiburg tatsäch­lich so viel Erfahrungen hat wie ein Fach­anwalt, ist in dem Gerichts­verfahren noch nicht geprüft worden. Der BGH gab den Fall daher an die Vorinstanz zurück. Dort muss nun geprüft werden, ob der „Spezialist“ tatsäch­lich so erfahren ist wie ein Fach­anwalt.

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