Checkliste Berufsberatung

So ziehen Sie mehr Nutzen aus der Berufsberatung.

Erstmals hat die Stiftung Warentest die Angebote zur Berufsberatung der Arbeitsagenturen getestet. Ergänzend wurden auch die Berufs- bzw. Ausbildungsberatung der Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern, der Studienberatungsstellen, der kommunalen Beratungsstellen und einiger privater Anbieter unter die Lupe genommen.

Die mehr als 60 Testpersonen – Schülerinnen und Schüler von Gymnasien, Realschulen, Berufsvorbereitenden Schulen, Hauptschulen und Auszubildende – gingen zunächst zur Beratung der Arbeitsagenturen. Ernüchterndes Ergebnis: Nur knapp die Hälfte der jungen Menschen hat die Beratung weitergebracht.

Besser abgeschnitten haben die kommunalen Beratungsstellen und die privaten Anbieter von Beratungsleistungen. Die folgende Checkliste soll jungen Menschen helfen, sich so gut wie möglich auf die Berufsberatung vorzubereiten.

Eines muss allen Interessenten klar sein. Die Berufsberater können ihnen die Entscheidung nicht abnehmen.

Vielmehr müssen die Beratungskunden aktiv mitarbeiten, sich dem Berater öffnen und zulassen, dass sich die Vorstellungen von einem Wunschberuf im Verlauf des Beratungsgesprächs ändern können.

Oder dass das Gespräch das Interesse an einer ganz anderen beruflichen Karriere weckt, die der junge Mensch ursprünglich überhaupt nicht ins Auge gefasst hatte.

Auf der anderen Seite sollten alle, die in ein Beratungsgespräch gehen, so wach und aufmerksam sein, dass sie sich nicht alles zu eigen machen, was der Berater sagt. Der erste Schritt sollte zur Arbeitsagentur führen. Die Agenturen haben den gesetzlichen Auftrag zur Berufsberatung.

Schritt 1: Termin vereinbaren

Lassen Sie sich nicht abwimmeln. Sie haben einen Rechtsanspruch auf die Beratung. Es kann mehrere Wochen dauern, bis Sie einen Termin bei der Arbeitsagentur bekommen. Rechnen Sie nicht damit, von heute auf morgen vorgelassen zu werden. Bei vielen Arbeitsagenturen ist vorab ein Fragebogen auszufüllen und vor dem Beratungsgespräch einzureichen.
Tipp: Haben Sie über Freunde oder Bekannte von einem guten Berater gehört oder kennen einen Berater in einer Arbeitsagentur persönlich, können Sie einen Termin bei ihm verlangen. Auch das ist Ihr gutes Recht.

Schritt 2: Beratungsgespräch vorbereiten

Prüfen Sie anhand der folgenden drei Aussagen, auf welchem Stand Ihre Berufsorientierung ist.

  • Ich habe keine Ahnung, wie es nach der Schule weitergehen soll.
  • Ich schwanke zwischen zwei Möglichkeiten, kann mich aber einfach nicht entscheiden.
  • Ich weiß genau, was ich machen will, könnte aber ein paar gute Tipps und Hilfestellung gebrauchen.

Je mehr Sie über Ihre Neigungen und Fähigkeiten wissen, desto klarer können Sie im Beratungsgespräch argumentieren. Ein guter Berater kann dann besser auf Ihre Anliegen eingehen und Sie mit konkreteren Hinweisen versorgen, als wenn er Ihnen zunächst jede Information aus der Nase ziehen muss.

Bevor Sie anfangen, legen Sie sich Papier und Stift bereit. Notieren Sie sich während Ihrer Recherche alle Fragen, die Sie klären möchten. Die können Sie später im Beratungsgespräch dem Berater stellen.

So können Sie etwas über sich erfahren:

Wie schätzen Ihre Eltern, Freunde und Lehrer Sie ein? Fragen Sie doch einfach einmal nach.

Nutzen Sie das Internet, um mehr über sich zu erfahren.

Selbsteinschätzungstests im Internet helfen weiter. Die Stiftung Warentest hat diese Angebote auch schon unter die Lupe genommen. Beim jüngsten Test im März 2007 erhielt das kostenlose Programm „Mein Berufsweg“ der Ruhruniversität Bochum, www.borakel.de, für angehende Studierende die Note „sehr gut“. Für alle Jugendlichen vor der Berufswahl geeignet ist der Test des Geva-Instituts, www.geva-institut.de, der ebenfalls „sehr gut“ abschnitt. Der Geva-Test kostet 38 Euro.

Für einen solchen Test werden Sie Zeit und Geduld aufbieten müssen. Es dauert bis zu drei Stunden, sich durch die Fragen zu klicken. Die vollständigen Testergebnisse finden Sie auf www.test.de

Nutzen Sie das Internet und Handbücher auch, um mehr über die Berufswelt, Arbeitsbedingungen, Chancen und Risiken zu erfahren.

Die Arbeitsagenturen bieten an:

  • „Beruf aktuell“. Das Taschenbuch enthält Kurzbeschreibungen der anerkannten Ausbildungsberufe und der Berufe mit geregelten Bildungsgängen an beruflichen Schulen, in Betrieben und Verwaltungen sowie der Berufe, die nach einem Studium ausgeübt werden können. „Beruf aktuell“ gibt es zum Beispiel an der Schule und im Berufsinformationszentrum BIZ. Dort dürfen Sie während der Öffnungszeiten jederzeit reinschauen.
  • Berufenet“. Dort finden Sie zahlreiche Berufe von A bis Z beschrieben.
  • Kursnet“. Dort finden Sie zahlreiche Angebote zur Ausbildung, auch in Ihrer Region.

Sind Sie die vorgeschlagenen Schritte gegangen, haben Sie jetzt sicher jede Menge Fragen auf dem Block stehen.

Stellen Sie die wichtigsten in einer Liste zusammen, die Sie im Beratungsgespräch unbedingt beantwortet haben wollen.

  • Hier einige Beispiele, welche Fragen für Sie wichtig sein könnten:
  • Wie geht es nach der Berufswahl weiter?
  • Welche Vor- und Nachteile haben die Berufe, für die ich mich interessiere?
  • Wie kann ich meine Berufswahl verwirklichen?
  • Welche Chancen am Arbeitsmarkt habe ich, wenn ich meinen Traumberuf ergattern sollte?
  • Was erwartet ein Betrieb eigentlich von mir? Welche Eigenschaften, Kenntnisse, Fähigkeiten muss ich mitbringen? Wo kann ich die erwerben, wenn ich sie noch nicht habe?
  • Was verdiene ich eigentlich? In der Ausbildung? Wie viel danach?

Schritt 3: Beratungsgespräch bewältigen.

Jetzt wird es ernst. Sie sitzen mit Ihrem Fragenkatalog im Gespräch.

Bei einem guten Berater sind Sie gelandet,

  • wenn er zu Beginn Ihr Beratungsanliegen klärt.
  • wenn er mit Ihnen das Beratungsziel festlegt.
  • wenn er Schritt für Schritt vorgeht und jeden Schritt Ihnen gegenüber auch inhaltlich begründet.
  • wenn er auf Nachfragen Ihrerseits eingeht und Ihnen wiederum erklärt, warum er nach diesem oder jenem fragt.
  • wenn er Ihnen einen weiteren Termin anbietet, wenn Fragen offen geblieben sind.
  • wenn er die Ergebnisse der Beratung mündlich zusammenfasst; besser ist allerdings schriftlich.
  • wenn er mit Ihnen verabredet, was Sie tun sollten (zum Beispiel Bewerbungstraining, Sprachkurse etc.), um Ihrem Ausbildungsziel näherzukommen.
  • wenn Sie die Beratung motiviert und mit gestärkter Eigeninitiative verlassen.

Einen schlechten Berater haben Sie erwischt,

  • wenn Ihre Fragen nicht geklärt werden und kein weiterer Termin geplant ist.
  • er Sie beeinflussen und manipulieren will.
  • wenn Sie sich in einem lauten offenen Raum wiederfinden, in dem ständig das Telefon klingelt.
  • wenn Sie das Ergebnis der Beratung ratlos zurücklässt.
  • wenn Sie völlig demotiviert aus dem Gespräch gehen. 

Tipp: Holen Sie eine zweite Meinung ein.

Öffentliche und gemeinnützige Träger sind gute Alternativen zu den Arbeitsagenturen, bieten aber leider nicht überall ihre Dienste an oder nicht jeder darf zu ihnen kommen.

Einen privaten Anbieter aufzusuchen, kann trotz der Kosten eine lohnende Investition sein, wenn am Ende ein Ausbildungsplatz herausspringt.

Wir haben Preise zwischen 150 und 1 000 Euro festgestellt; sie können durchaus auch höher liegen. Private Berater mit einem Qualitätsanspruch finden Sie unter www.bbregister.de.

Schritt 4: Beratungsgespräch aufarbeiten.

Jetzt schließt sich der Kreis. Besprechen Sie die im Beratungsgespräch gewonnenen Erfahrungen wiederum mit Ihren Eltern, Freunden und Lehrern. Arbeiten Sie ab, was Sie mit dem Berufsberater verabredet haben.

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