Chancen in Gesundheit und Pflege: Rundum gesund

Fachkräfte in der Gesundheitswirtschaft haben gute Aussichten. Pfleger werden sogar dringend gesucht. Immer mehr ältere Menschen und ein zunehmendes Gesundheitsbewusstsein in der Gesamtbevölkerung sorgen für mehr Jobs und neue Berufe.

Kaum eine Branche ist derzeit so beständig in den Schlagzeilen wie das Gesundheitswesen. Ob Ärztemangel, Praxisge­bühr oder Pflegenotstand – die Palette der Diskussionspunkte lässt keine Zweifel daran, dass hier ein ganzer Sektor im Umbruch ist. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Auch im bislang öffentlich geförderten Gesundheitsbereich haben Privatisierung, Outsourcing und Kostenreduktion Einzug gehalten. Aus städtischen Kliniken werden Konkurrenzbe­triebe, die Marketingstrategien entwi­ckeln und um Kunden werben müssen. Und ist die Verweildauer in Krankenhäusern erst kürzer, wird die ambulante Versorgung wichtiger.

Die Professionalisierung der Branche wird schon heute vielerorts deutlich. Josef Hilbert, Forschungsdirektor am Institut für Arbeit und Technik (IAT), betont: „In den Krankenhäusern hat die Zahl der examinierten Pflegekräfte in den letzten zehn Jahren um 16 Prozent zugelegt, die der Pflegehilfskräfte um 30 Prozent abgenommen.“ Mehr Personal als früher arbeite außerdem im medizinisch-technischen Dienst und in Funktionsdiensten wie Labor oder Operation. Neue Schnittstellen und Berufsfelder tun sich auf, Arbeitskräfte mit anderen Ausbildungen werden gebraucht. Auch das seit 2004 gültige Gesundheits- und Krankenpflegegesetz belegt den Trend zur Professionalisierung: Demnach dürfen künftig nur noch akademisch ausgebildete Kräfte Berufsfachschulen leiten. Außerdem soll die Anzahl von Lehrern mit Hochschulstudium steigen.

Gleichzeitig sind die Vorboten der demografischen Entwicklung sichtbar: Der Anteil älterer Menschen steigt rapide an und damit auch der Bedarf an Gesundheitsdienstleistungen in Pflege und Rehabilitation. Nach dem Sozialbericht der Arbeiterwohlfahrt wird es 2020 etwa 2,6 Millionen Pflegebedürftige geben – das sind 40 Prozent mehr als heute. Auf diesen Zuwachs sind vor allem die ambulante Pflege und die Hauspflege noch nicht genügend vorbereitet. Hier steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften und nach anderen Qualifikationen.

Im Trend: Fitness und Wellness

Auch in den Randbereichen des Gesundheitssektors vollziehen sich neue Entwicklungen. Die Gesundheitswirtschaft umfasst auch kapital- und technologieintensive Vorleistungs- und Zulieferin­dustrien. Dazu gehören die pharmazeutische Industrie, Medizintechnik, Bio- und Gentechnologie. Und auch Nachbarbranchen wie Fitness, Wellness und Ernährung.

Letztere boomen besonders und zeugen von einem steigenden Körper- und Gesundheitsbewusstsein in immer größeren Teilen der Bevölkerung. Neue Aufgabenfelder entwickeln sich auch hier: Sie reichen von der Aquagymnastik für Senioren über Wellness-Reisen für Singles bis zur Anti-Aging-Behandlung. Hier bieten sich Chancen in ganz neuen Berufen, die man sich oft – wie beim Ernährungs- und Wellness-Be­rater – über eine Weiterbildung erschließen kann.

Schon jetzt arbeiten in diesem Sektor nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 4,1 Millionen Menschen. Darunter sind mit 72 Prozent überdurchschnittlich viele Frauen.

Dringend gesucht: Pfleger

Die Jobprognosen für die Gesundheitsbranche sind durchweg positiv. Schon jetzt arbeiten in diesem Sektor nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 4,1 Millionen Menschen. Darunter sind mit 72 Prozent überdurchschnittlich viele Frauen.

Trotzdem gibt es auch im Gesundheitswesen Gewinner und Verlierer. Bei den Gesundheitshandwerkern – dazu zählen zum Beispiel Augenoptiker und Orthopädiemeister – sowie in ambulanten Einrichtungen, etwa in Arzt- und Zahnarztpraxen, gingen in jüngster Zeit Jobs verloren. In den stationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen dagegen stieg die Zahl der Arbeitsplätze im Jahr 1997 im Vergleich zu 2001 um 94 000. Hier fehlen schon heute 20 000 Kräfte. Das ist kein Wunder. Harte Arbeitsbedingungen bei geringer Bezahlung scheinen gerade jungen Menschen nicht erstrebenswert und führen dazu, dass viele Pflegekräfte früh aus diesem Beruf aussteigen. Deshalb ist der Anteil der Hilfskräfte in der Gesundheitsbranche auch so hoch. In der Altenpflege liegt er sogar bei 65 Prozent. Nur ein Teil der Hilfskräfte hat zumindest eine Basisqualifikation wie zum Beispiel einen Einführungskurs in die Pflege absolviert.

Nimmt zu: Studium in der Pflege

Im Gesundheitswesen war Weiterbildung schon immer an der Tagesordnung, egal, ob vom Betrieb oder aus eigener Tasche finanziert. Regelmäßige Fortbildungen sind seit Einführung der Gesundheitsreform 2004 für Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten sogar Pflicht. Auch um in der Pflege aufsteigen zu können, waren Weiterbildungen lange Zeit die einzige Möglichkeit. So ist das Angebot zwar breit, aber auch unübersichtlich. „Für das mittlere Management – zum Beispiel Stations- und Heimleitung oder die Führung eines ambulanten Pflegedienstes – werden auch künftig klassische Weiterbildungen maßgeblich sein“, betont Andreas Westerfellhaus, Vize-Präsident des Deutschen Pflegerats, dem viele Pflegeorganisationen angehören.

Doch mit der Entwicklung eines Studienangebots für Pflegende hat sich in jüngster Zeit ein zweiter Weg der beruflichen Qualifizierung eröffnet. Er wird vor allem in Managementpositionen wichtiger werden. „Künftig werden Positionen wie Pflegedienstleitung, Lehrer für Pflege und die Leitung einer Krankenpflege­schule von Universitäts- und Fachhochschulabsolventen besetzt, im besten Fall bringen sie auch noch eine Berufsausbildung auf dem Gebiet mit“, sagt Westerfellhaus. Wer im Bereich der Pflegeforschung und -wissenschaft arbeiten möchte, komme um ein Studium ohnehin nicht herum.

Auch gefragt: IT, BWL, Service

In Zeiten der elektronischen Patientenakte werden aber auch IT-Kenntnisse immer wichtiger. Das Institut für Arbeit und Technik betont: IT-Anwenderkenntnisse liegen vor allem für Pflege- und Pflegelehrkräfte, Hebammen, Arzthelferinnen und Pharmareferenten ganz weit vorn auf der Wunschliste der Arbeitgeber. Betriebswirtschaftliches Know-how wird bei Pflegekräften, auch denen im Operationsbereich, sowie bei Pharmareferenten ebenfalls sehr geschätzt. Englischkenntnisse dagegen erwarten Arbeitgeber eher selten.

Neben der fachlichen Fortbildung werden also auch andere Qualifikationen immer wichtiger. In Gesundheits- und Wellnessberufen zum Beispiel messen viele Arbeitgeber auch Soft Skills, also den „weichen Qualifikationen“, hohe Bedeutung bei. Gefragt sind hier vor allem Team-, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit.

Im Kommen: Neue Berufe

Durch den technologischen Fortschritt und die gesellschaftlichen Veränderungen entsteht demnach eine Vielzahl neuer Aufgaben und erweiterter Tätigkeitsfelder. Dieser Bedarf kann oft nur über Weiterbildung gedeckt werden. Bestes Beispiel im Führungsbereich ist der Technische Leiter: Er muss sich zu einem technischen Versorgungsmanager weiterentwickeln, der sowohl im Management als auch in der technischen Entwicklung kompetent ist.

Eine umfassende Weiterbildung mit dem Ziel Technisches Versorgungsmanagement existiert nach Angaben des Hallenser ISW-Institut allerdings noch nicht. Bisher bieten einige Industrie- und Handelskammern Weiterbildungen in Teilbereichen an, zum Beispiel „Fachkaufmann/-frau für Einkauf/Materialwirtschaft bzw. Vorratswirtschaft“. Egal, ob Pflege, Technik oder Randbereiche wie Fitness, Wellness und Ernährung: Weiterbildung wird also nicht nur in Bezug auf die Fachkenntnisse immer wichtiger.

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