Ernährung und Anti Aging: Appetit auf Ernährungstipps

Die Deutschen werden immer dicker, die Themen Ernährung und bewusste Lebensführung dringlicher denn je. Das schafft Chancen für Fachkräfte, die den Weg zum gesünderen Leben weisen.

Früher zitterten Schüler vor blauen Briefen, demnächst könnten ihnen „Fettbriefe“ Angst einjagen. Die sind nicht etwa glitschig, sondern unterrichten Eltern über das Gewicht ihrer Kinder. Und dann heißt es für viele Naschkatzen: Süßigkeiten ade! Utopie? Nein: Im US-Bundesstaat Arkansas versenden Schulen Briefe, in denen sie Eltern über den Body Mass Index – einen Richtwert für das Idealgewicht – ihrer Kinder unterrichten.

Volkskrankheit Adipositas

Nicht nur in den USA sind viele Kinder zu dick: Auch 20 Prozent der deutschen Kinder sind übergewichtig, 8 Prozent fettleibig (adipös). Insgesamt ist jeder zweite Deutsche übergewichtig, jeder fünfte gar adipös. Die durch Adipositas verursachten Krankheitskosten liegen jährlich bei rund 5 Milliarden Euro.

Doch nicht nur durch grassierendes Übergewicht ist Ernährung in aller Munde. Gesundes Essen hat auch viel mit Fitness und Wellness zu tun. Das Thema Ernährung ist ein zentraler Aspekt zum Beispiel von Anti-Aging-Angeboten. Es wird auch genutzt, um neue Produkte auf den Markt zu bringen, Kunden zu gewinnen oder Ernährungsratschläge zu vermarkten.

Gesund essen wollen laut einer Umfrage des Allenbacher Instituts für Demoskopie zwar die meisten Bundesbürger. Doch an der Umsetzung im Alltag hapert es meist.

Am Wissen über Ernährung kann dies eigentlich nicht liegen. Denn laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wissen die Menschen mehr über Speis und Trank als je zuvor. Zahlreiche Lebensmittelempfehlungen kursieren in der Öffentlichkeit.

Möglicherweise ist es jedoch gerade die Fülle und die Widersprüchlichkeit der diversen Ernährungsinformationen, die den Verbraucher ratlos machen. Es ist deshalb sinnvoll, sich die international anerkannten zehn Regeln der DGE zum vollwertigen Ess- und Trinkgenuss vor Augen zu halten – optisch sinnfällig aufbereitet als Ernährungspyramide oder -kreis.

Essverhalten kaum verändert

Auch Ernährungsberatungen haben sich etabliert: Seitdem 1953 die DGE aus der Taufe gehoben wurde, um in Zeiten schlechter Versorgung die Menschen zu beraten, hat sich ein dichtes Netz von Beratungseinrichtungen über das Land gelegt. Das Essverhalten der Bevölkerung verändert hat die Aufklärungsarbeit aber nur wenig. Eine Erklärung dafür: Essen dient der Befriedigung der Sinne; Ernährungsberatung aber plädiert eher an den Verstand. Und wer will schon lieb gewordene Essgewohnheiten ändern?

Um das zu erreichen, müssen Berater deshalb die Vorlieben, Gewohnheiten, Kenntnisse, Einstellungen und finanziellen Möglichkeiten ihrer Klientel berücksichtigen. Dies ist nicht zu leisten ohne persönlichen Kontakt zum Ratsuchenden – der Trend geht also zur individuellen Beratung.

Chancen für Fachkräfte

An dieser Stelle sind Chancen für Fachkräfte entstanden, die Verbraucher aufklären und beraten. Immer mehr Berufsgruppen drängen auf den Markt. Das ist möglich, weil die Berufsbezeichnung Ernährungsberater rechtlich nicht geschützt ist und jeder als solcher auftreten darf.

Dementsprechend viele Berufsgruppen bieten Ernährungsberatung an: Auf der einen Seite gibt es an Universitäten ausgebildete Fachkräfte wie Ernährungswissenschaftler und Ökotrophologen (Ernährungswissenschaftler mit interdisziplinärer Ausrichtung) sowie die staatlich anerkannten Diätassistenten, sofern sie eine zusätzliche Weiterbildung zur Ernährungsberatung nachweisen können. Hinzu kommen Ärzte, die eine Zusatzqualifikation zum Ernährungsmediziner in der Tasche haben.

Auf der anderen Seite stehen Quereinsteiger, die entweder keine ernährungsbezogene Berufsausbildung gemacht haben oder keine Kenntnisse zum Körperbau und zum Organismus des Menschen vorweisen können. Auf diesem Feld tummeln sich zum Beispiel Fitnesstrainer, Arzthelferinnen, Hauswirtschafterinnen, Köche, Heilpraktiker, Apotheker und Beschäftigte im Wellness- und Gesundheitsbereich.

Wie viele Ernährungsberater es insgesamt gibt, ist nicht überschaubar. Allein aufseiten der staatlich ausgebildeten Fachkräfte gibt es zum Beispiel 2 500 Ernährungsberater, die von der DGE weitergebildet worden sind. Und beim Verband der Ökotrophologen (VDOE) haben 270 Ökotrophologen eine entsprechende Zusatzqualifikation erworben.

Ein Mangel an Ernährungsberatern herrscht also nicht gerade. Gleichwohl wächst der Markt stetig und er bietet auch Perspektiven. Ernährung ist nach Meinung von Arbeitsmarkt-Experten in Zusammenhang mit Themen wie Gesundheit, Freizeit und der Suche nach mehr Lebensqualität zu sehen. Und dafür sind die Menschen bereit, ins Portmonee zu greifen.

Beratungen ab 60 Euro

Bei den Krankenkassen sitzt das Geld dagegen nicht so locker: Sie bezuschussen nur die Leistungen der Fachkräfte in der Ernährungsberatung. Dabei beziehen sie sich auf einen eigens entwickelten Leistungskatalog und werden so ihrer im Sozialgesetzbuch V fixierten Aufgabe gerecht, wonach sie Leistungen zur Gesundheitsprävention zu erbringen ha­ben. Wie viele Beratungen in welcher Höhe bezuschusst werden, hängt vom konkreten Einzelfall ab; in der Regel ist eine Beratungssitzung bei einer Fachkraft nicht unter 60 Euro zu haben.

Diese Grenze, die die Kassen aus Gründen der Qualitätssicherung gezogen haben, verdeutlicht auch die unterschiedlichen beruflichen Perspektiven von Fachkräften und Quereinsteigern. Für letztere ist es schwieriger, sich auf dem Markt zu behaupten – ihre Fachkenntnisse und Einsatzmöglichkeiten in der beruflichen Praxis reichen meist nicht an die der Fachkräfte heran.

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