Wellness und Beauty: Warten auf die Wellnessjobs

Immer mehr Menschen setzen auf Erholung und Entspannung durch Massage, Moorbad & Co. Der Trend geht zu Medical Wellness. Mittelfristig werden auch mehr Arbeitskräfte gebraucht.

Die Summe kann sich sehen lassen: 68,8 Milliarden Euro gaben die Deutschen im Jahr 2004 für Wellness aus – 14,5 Milliarden Euro mehr als noch 1999. Beim Ausprobieren stehen Massagen, Saunen und Moorbäder besonders hoch im Kurs. Doch auch aktuelle Trends wie Ayurveda, Thalasso oder asiatische Wohlfühlmassagen finden großes Interesse.

So unterschiedlich wie die Anwendungen sind auch die Assoziationen zum Begriff Wellness. Einer Emnid-Umfrage zufolge denken dabei 62 Prozent der Bundesbürger an Wohlfühlen, 59 Prozent an Entspannung, 49 Prozent an Erholung und 45 Prozent an Gesundheit. Mehr als die Hälfte der Befragten war bereit, dafür bis zu 25 Euro im Monat auszugeben.

Vor allem besser gebildete und verdienende Frauen investieren in Wellness, um sich körperlich und seelisch widerstandsfähig für Beruf und Alltag zu machen. Dem Durchschnittsmann reichen meist Sauna und Whirlpool. Daneben gibt es die wachsende Zielgruppe der älteren Menschen, die besonderen Wert auf die Erhaltung ihrer Gesundheit legen und dafür in die eigene Tasche greifen.

Medical Wellness mit Zukunft

Kaum ein großes Hotel ohne Day Spa, fast kein Reiseveranstalter ohne Wellnessangebot. In Zeiten, in denen Krankenkassen Kuraufenthalte kürzen, setzen ganze Regionen auf Gesundheitstourismus, planen Wellnesscenter mit Thermalbädern oder bauen Erlebnisparks für Nordic Walker. Die neuen Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind also offensichtlich.

Doch noch reagiert der Markt verhalten: „Bislang sind relativ wenige zusätzliche Jobs entstanden, aber mittelfristig rechnen wir mit einem Stellenzuwachs. Insbesondere bei medizinisch fundierten Angeboten, der so genannten Medical Wellness, ist Wachstumspotenzial“, so Lutz Hertel, Vorsitzender des Deutschen Wellness Verbandes (DWV).

Die Entwicklung hin zur Medical Wellness bietet mehr Einsatzchancen vor allem für viele bereits bestehende Berufe: Für Ärzte, die Medizin kombiniert mit alternativen Heilmethoden in Wellnessanlagen anbieten. Oder für Kosmetikerinnen, die nach Schönheitsoperationen in Privatkliniken behandeln.

Die BBE-Studie „Zukunftsmarkt Wellness – Entwicklungen bis 2010“ sagt einen Marktzuwachs von 70 Prozent für solche Gesundheitsprodukte und Dienstleistungen voraus, die nicht oder nur anteilig von den Krankenkassen bezahlt werden. Getoppt wird dieses Wellness-Segment nur noch von Ernährungsprodukten mit gesundheitlichem Zusatznutzen. Diesem „Health Food“ wird laut Studie eine Umsatzsteigerung von 110 Prozent prognostiziert. Weniger wachsen werden die Märkte für Kosmetik, Sportbekleidung und private Kuren.

Beschäftigte unter Bildungsdruck

Ständig neue Produkte und Dienstleistungen, das heißt für die Beschäftigten, dass sie ihr Wissen laufend aktualisieren müssen. Hertel betont: „In der Branche herrscht ein sehr hoher Weiterbildungsdruck.“ Neben Kosmetikern betrifft das in erster Linie Physiotherapeuten, Masseure und bewegungsorientierte Berufe, also diejenigen, die in der Wellnessbranche am stärksten vertreten sind.

Eine Umfrage der Tüv-Akademie Rheinland unter Arbeitgebern aus der Wellnessbranche bestätigt, dass Weiterbildung ein wichtiges Thema ist. Aber obwohl die meisten Chefs Bedarf an Weiterbildung bei ihren Angestellten sehen, ist nur ein Drittel auch bereit, ihnen diese vollständig zu finanzieren. Bezahlten Urlaub dafür würden hingegen immerhin zwei Drittel gewähren.

Bezüglich des Fachwissens sehen die Arbeitgeber erhöhten Qualifikationsbedarf bei Fitness, Ernährung und Entspannungstechniken. Und sie wünschen sich bessere Fremdsprachen- und Marketing-Kenntnisse. Ganz wichtig sind bei den Wohlfühl-Jobs aber auch soziale Kompetenzen wie Team- und Konfliktfähigkeit, Ausdrucksvermögen und Kommunikation – schließlich sollen die Angestellten eine Art Gastgeberrolle übernehmen, damit die Kunden sich wohl fühlen. Gerade an diesem Berufsverständnis hapert es den Arbeitgebern zufolge am meisten.

Starke Zweifel kommen laut Studie allerdings auf, wenn es um die Qualität der Weiterbildung geht: Nur die Hälfte der befragten Arbeitgeber schätzt diese als gut ein. Deshalb ist es ihnen wichtig, dass es einen anerkannten Abschluss, wie zum Beispiel eine IHK-Prüfung, gibt.

Neue Prüfungen und Zertifikate

Doch anerkannte Abschlüsse sind noch selten in der Branche, ein einheitliches Berufsbild ist nicht in Sicht. Die IHK etwa bietet eine etwa 90-stündige Weiterbildung zum Wellnessberater an. Neben dem Wellnessberater, der über Wellnessprodukte und Dienstleistungen informiert, gibt es den Wellnesstrainer, der Behandlungen praktisch anwendet. Der Wellnesstrainer ist im Gegensatz zum Berater nicht geregelt.

Dem Wildwuchs an ungeregelten Inhalten und Zertifikaten will die Kommission Wellnessberufe des Deutschen Wellness Verbandes entgegenwirken, in dem sie Rahmenlehrpläne und Prüfungsordnungen erarbeitet: Für den „Wellness-Assistenten (DWV)“ mit 500 Unterrichtsstunden, der beratend arbeitet, und den „Wellness-Professional (DWV)“ mit 1 800 Stunden für Training, Behandlung oder Management bieten erste Bildungsträger bereits Kurse an.

Keine Fortbildung ohne Ausbildung

Wer auf Jobsuche ist und seine Chancen mit einer Wellness-Weiterbildung verbessern will, sollte auf jeden Fall schon über eine Ausbildung im Bereich Kosmetik, Fitness, Gesundheit oder Tourismus verfügen. Bei entsprechenden Jobchancen hilft die Agentur für Arbeit auch mit Zuschüssen zur Weiterbildung. Wer in die Wellnessbranche startet, kann allein aufgrund des Kursbesuchs kaum mit einer Stelle rechnen. Ähnlich sieht es auch in der Beauty-Branche aus: Im Trend liegen Weiterbildungen zum Farb-, Stil- oder Image-Berater. Wer nicht bereits als Kosmetiker, Friseur oder – im Bereich Firmenkundschaft – als PR-Berater tätig ist und diese Art von Beratung zusätzlich anbietet, hat kaum eine Chance, allein damit seinen Unterhalt zu verdienen.

Einen Aspekt sollten angehende Dienstleister in der Wellnessbranche im Blick behalten: Nicht nur die Fachkenntnisse zählen! Ob Massage, Rasulbad, Fangopackung oder Beratung am Empfang – jeder muss seine Leistung mit einem Lächeln bringen. Auch an Wochenenden und dann, wenn andere Urlaub oder Feierabend haben.

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