Fitness und Sport: Gesundheitsprofis für Alt und Jung

Bewegung und Sport sind angesagter denn je. Davon profitiert die Fitnessbranche. Sie setzt auf professionelles Personal in Büro und Trainingsbereich – und wartet auf die neuen Zielgruppen.

Schon im 18. Jahrhundert trainierte das europäische Bürgertum an „Bewegungsmaschinen“, um gesundheitliche Probleme vorbeugend und therapeutisch in den Griff zu bekommen. „Mit Prävention und Rehabilitation fing alles an“, sagt Dr. Manuela Trillitzsch vom Institut für Sportwissenschaft der Technischen Universität Chemnitz. „Nach über 200 Jahren kommen wir zu den ursprünglichen Motiven zurück. Der Kreis schließt sich.“

Das lädierte Knie, der schmerzende Rücken – die eigene Gesundheit ist heute das Hauptmotiv für den Gang in das Fitnessstudio oder den Sportverein.

Die „Muckibuden“ der 70er und 80er Jahre haben ausgedient und sich zu gesundheitsorientierten Studios gewandelt, die neben Geräte- und Kurstraining immer öfter Wellnessanwendungen anbieten und in der Prävention inzwischen mit Krankenkassen kooperieren.

Die Branche konsolidiert sich

Von diesem Trend profitiert auch die in den 90er Jahren erfolgsverwöhnte Fitnessbranche, der der wirtschaftliche Einbruch zu Beginn dieses Jahrtausends noch in den Knochen steckt. So stieg im Jahr 2004 der Netto-Umsatz der 5 600 Studios auf 2,35 Milliarden Euro, immerhin zwölf Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Nach einer Studie des Deutschen Sportstudio Verbands (DSSV) zählten die Studios im letzten Jahr 4,6 Millionen Fitnesstreibende, sechs Prozent mehr als noch 2003. Der DSSV spricht von einer Trendwende. Dabei ist Fitness längst nicht mehr nur ein Thema der 20- bis 30-Jährigen. Viele Mitglieder sind ihrem Studio über Jahre treu geblieben und mit ihm gealtert. Der Altersdurchschnitt liegt heute bei 38 Jahren.

Chancen nur für Profis

Wer Fitness zum Beruf machen will, hat ohne eine professionelle Ausbildung kaum Chancen. Auch das hat der DSSV-Report gezeigt. Denn Studiobetreiber beschäftigen zunehmend qualifiziertes Personal. Das gilt für Trainer genauso wie für medizinisches und kaufmännisches Personal.

Doch aufgepasst: Auf dem Arbeitsmarkt der Branche sind Festanstellungen nicht die Regel. Studios setzen verstärkt auf Frei- und Nebenberufler. So sind zum Beispiel nur knapp fünf Prozent der rund 11 000 Aerobictrainer in Deutschland hauptberuflich tätig. Wer nicht auf eine Festanstellung pocht, hat jedoch gute Aussichten auf Beschäftigung. Die Zahl der Freiberufler stieg im vergangenen Jahr um 4 500 auf 29 000. Gleichzeitig sank die Zahl der Festangestellten leicht auf 16 100. Arbeitsmöglichkeiten gibt es in Studios, Vereinen und verstärkt auch in Unternehmen. Immer mehr Firmen eröffnen hauseigene Studios für ihre Mitarbeiter.

Wer im Fitnessbereich arbeiten möchte, muss dennoch nicht gleich ein Sportstudium mitbringen. Auch Physiotherapeuten oder Gymnastiklehrer können sich beispielsweise als Quereinsteiger bei Verbänden und Ausbildungsinstituten der Branche aus- und weiterbilden. Geschützte Berufsbezeichnungen und -abschlüsse sind allerdings selten.

Trainergrundausbildung ein Muss

Wer eine Karriere im sportlichen Bereich anstrebt, kommt an den Trainergrundausbildungen, bei vielen Instituten als C-, B- und A-Lizenzen bezeichnet mit der A-Lizenz als höchster Qualifikationsstufe, nicht vorbei. „Das sind die absoluten Grundlagen“, sagt Thomas Niewöhner, Geschäftsstellenleiter der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung (dflv). Als Eintrittskarte gilt vielerorts die Trainingsleiter- bzw. die Aerobictrainer-B-Lizenz. Danach heißt es „spezialisieren“ – auf Zielgruppen wie auf Kurse. „Das Kursangebot im Gruppentraining reicht heute bis hin zu komplexen Pilates- und Yoga-Stunden“, sagt Edeltraud Gran, Geschäftsstellenleiterin des Deutschen Fitness und Aerobic Verbands (DFAV). „Aerobictrainer müssen sich künftig spezialisieren, das ist unumgänglich.“ Weiteres Wachstum verspricht sich die Branche von bislang vernachlässigten Zielgruppen: Senioren und übergewichtige Kinder und Erwachsene.

Kids und Senioren als Zielgruppen

Auf der Fibo, der weltweit größten Messe für Fitness, Wellness und Gesundheit, wurden in diesem Jahr erstmals spezielle Fitnessgeräte für Kinder vorgestellt. Ob die Studios auf diesen Zug aufspringen, ist wegen des enormen finanziellen Aufwandes jedoch fraglich. Eher denkbar sind hier Kursprogramme; Nordic-Walking-Kurse für den Nachwuchs gibt es schon. Einige Institute bilden bereits den Kinderfitnesstrainer aus. DSSV-Geschäftsführer Refit Kamberovic hält jedoch eine Trainergrundausbildung für völlig ausreichend: „Natürlich ist in verstärktem Maß pädagogisches Geschick gefragt, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit Gewichtsproblemen.“

Adäquates Personal fehlt noch

Die Zukunft der Branche sehen Experten vor allem bei den Senioren. „ Sie werden ein Training für ihre individuellen Probleme einfordern“, ist sich Niewöhner vom dflv sicher. „Vielen Studios fehlt adäquates Personal, das sich mit den entsprechenden Krankheitsbildern und Risikofaktoren auskennt.“ Eine Grundausbildung zum Fitnesstrainer reiche hier nicht aus. „Das spezielle Wissen muss sich ein Trainer dann über Zusatzqualifikationen aneignen.“ Das kann etwa der Rücken-, Ernährungs- oder Osteoporosetrainer sein.

Einige Weiterbilder bieten das Fachwissen auch schon im Paket an: Die Bezeichnungen variieren vom BestAge-Trainer für die Generation 50+, über den Health Coach bis zum Fachsportlehrer Fitness und Gesundheit.

Gute Chancen auch für Kaufleute

Gute Berufsaussichten prophezeien Branchenkenner jenen, die sich für die kaufmännische Seite der Fitness interessieren. Die Studios haben begriffen, dass ein professionelles Management entscheidend zum Erfolg beiträgt. Und die DSSV-Studie belegt: Anlagen mit mindestens einem Angestellten oder Studioleiter mit kaufmännischer Qualifikation arbeiten erfolgreicher.

Diesem Bedarf sind auch die Industrie- und Handelskammern (IHK) nachgekommen und haben eine entsprechende Berufsausbildung und eine Aufstiegsfortbildung entwickelt. So gibt es seit 2001 die dreijährige Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann, die bei Schulabgängern und Studiochefs gleichermaßen beliebt ist. Die Zahl der Ausbildungsplätze stieg von 517 im Jahr 2001 auf 2 779 im Jahr 2004. Solides Wissen für das Management bietet die Aufstiegsfortbildung zum Fitnessfachwirt, die sich auch für diejenigen eignet, die ein eigenes Studio eröffnen wollen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2333 Nutzer finden das hilfreich.