Betreuung und Pflege: Chancen für Quereinsteiger

Immer mehr Senioren brauchen Pflege und Versorgung. Gleichzeitig fehlt es an Betreuung für die Kleinsten. Mit einer kurzen Qualifizierung können auch Ältere hier beruflich noch Fuß fassen.

„Pflegekräfte haben Zukunft“ oder „Bedarf an Pflegern steigt“ lauten die Schlagzeilen, wenn es um die Frage geht, welche Berufe noch als krisenfest gelten können. Keine Frage, der Arbeitsmarkt rund um Pflege und Betreuung rangiert dabei ganz vorn und wird dies in einer alternden Gesellschaft auch künftig tun. Denn während heute 23,4 Prozent der Bevölkerung mindestens 60 Jahre alt sind, werden es im Jahr 2020 etwa 30 Prozent und im Jahr 2050 knapp 36,5 Prozent sein.

250 000 neue Arbeitsplätze

Zwei Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit. Noch wird knapp die Hälfte von ihnen ausschließlich von Angehörigen zu Hause versorgt. Doch laut der Pflegestatistik 2003 ist diese Zahl rückläufig, der Trend geht hin zur professionellen Pflege im Heim oder durch ambulante Dienste. Bei immer mehr und immer älteren Menschen, die möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben wollen und sollen, haben Dienstleistungen in Pflege und Haushalt Konjunktur.

Schon in den vergangenen zehn Jahren sind auf dem Pflege- und Betreuungsmarkt 250 000 neue Arbeitsplätze entstanden. Rund 1,2 Millionen Fachkräfte arbeiten hier. Angesichts von voraussichtlich mehr als 2,6 Millionen Pflegebedürftigen im Jahr 2020 wird ihre Zahl weiter steigen.

In der Altenhilfe fehlen schon heute 40 000 Kräfte, auch weil die Arbeit körperlich besonders hart und die Anerkennung gering ist. Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 zusätzlich 380  000 Personen bei Pflegediensten und -heimen eine Beschäftigung finden können. Doch ob es genug Interessenten gibt, ist fraglich, auch weil seit Jahren die Ausbildungszahlen zurückgehen.

Erfolgsmodell Weiterbildung

Wie wichtig und sinnvoll im Pflegebereich die Förderung von Weiterbildung ist – gerade angesichts der demographischen Prognosen –, zeigt eine neue Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Von den 50 000 Personen, die zwischen 2000 und 2003 eine geförderte Weiterbildung im Pflegebereich erhielten, hatten danach etwa 60 Prozent einen dauerhaften Job, die meisten im Pflegebereich. Im Durchschnitt aller Fördermaßnahmen trifft das nur auf 39 Prozent zu.

Das von der Bundesagentur für Arbeit am stärksten geförderte Berufsfeld überhaupt war in den letzten Jahren die Altenpflege. So hat sie sich in der Bundesrepublik zum typischen Umschulungsberuf für Wiedereinsteigerinnen nach der Erziehungspause entwickelt. Gerade ältere Frauen, die überwiegende Mehrheit der Umschüler, haben von der Förderung profitiert. Doch ab 2006 wird die BA nur noch zwei der drei Jahre dauernden Umschulung finanzieren.

Hilfskräfte gesucht

Auch unterhalb der dreijährigen Pflegeausbildungen kann man in der Branche Fuß fassen. Ein Weg ist die meist einjährige landesrechtlich geregelte Berufsausbildung in der Altenpflegehilfe, die es in 13 Bundesländern gibt. Mit diesem Abschluss qualifiziert man sich nicht zur Fach-, sondern zur Hilfskraft.

Ebenfalls einen Job als Hilfskraft kann finden, wer eine meist 100 bis 300 Stunden dauernde Grundqualifizierung mitbringt. Unter Stichworten wie „Schwesternhelferin“, „Pflegehelfer“ oder „Pflegeassistent“ stößt man in den Internet-Suchmaschinen auf zahlreiche Stellenangebote. Diese Helfer übernehmen all jene Tätigkeiten, die Kranke und Alte nicht mehr selbst bewerkstelligen können. Dazu gehören Waschen oder Frisieren, Begleitung zu Ärzten oder Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.

All dies tun sie zur Entlastung und unter Aufsicht der Fachkräfte. In vielen der mehr als 10  000 ambulanten Pflegedienste sind schätzungsweise bereits zwei Drittel Hilfskräfte. Auch in den 9  000 Pflegeheimen werden gering qualifizierte Kräfte gebraucht, wobei laut Heimpersonalverordnung mindestens die Hälfte der Pflegenden Fachkräfte sein müssen. Hilfskräfte können sich aber auch selbstständig machen und ihre Betreuungsdienste zum Beispiel Privathaushalten anbieten.

Arbeitsfeld Dienstleistungen

Weniger in der Pflege, als vielmehr in patientenfernen Tätigkeiten sieht Christa F. Schrader vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ein geeignetes Einsatzgebiet für Hilfskräfte. Dazu gehören zum Beispiel Hol- und Bringedienste oder das Annehmen von Telefonaten. „Gerade bei der ständig wachsenden Zahl älterer Menschen wächst auch der Bedarf an Helfern, um die Versorgung zu sichern“, betont Schrader.

Während in anderen Branchen immer mehr Jobs abgebaut werden, können in den haushalts- und personenbezogenen Dienstleistungen für 50- bis 79-Jährige 650 000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das gibt das Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen bekannt. Dafür qualifiziert wird schon heute. So schult zum Beispiel die private Berufsbildungs-Akademie Universum in Leipzig Arbeitslose jeden Alters und aus den unterschiedlichsten Berufen in sechs Monaten in „Hauswirtschaft/Familien-und Seniorenbetreuung“.

Immer mehr Qualifizierungen

Immer differenzierter wird auch der Qualifizierungsmarkt unterhalb der Berufsausbildungen. Ein Beispiel dafür ist die berufsbegleitende Weiterbildung zum „Präsenzmitarbeiter (IHK)“, eingeführt 2004 für Mitarbeiter einer stationären Hausgemeinschaft von Pflegebedürftigen in Fulda. Zugangsvoraussetzung war hier ein Schwesternhelferin-Kurs. Zum Kurs gehören unter anderem Praktika in Pflege, Großküche, Beschäftigungs- und Physiotherapie sowie 160 Stunden Theorie.

Ebenfalls neu ist die Qualifizierung „Fachkraft für Gesundheits- und Sozialdienstleistungen (IHK)“, die Schwesternhelferinnen mit Berufserfahrung vom Herbst an bei den Industrie- und Handelskammern erwerben können. „Wir rechnen damit, dass jährlich rund tausend Berufsrückkehrerinnen und -umsteigerinnen diesen Lehrgang besuchen“, prognostiziert Tobias Immenroth vom Malteser Hilfsdienst, der die Fortbildung mitentwickelt hat. Keine Frage, die Pflege bietet künftig viele Chancen.

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