Berufliche Weiterbildung Special

Die Gesundheitswirtschaft gilt als Wachstumsmotor des 21. Jahrhunderts mit guten Karrieremöglichkeiten. Über vier Millionen Menschen arbeiten heute schon in diesem Bereich, bis zu 700 000 neue Arbeitsplätze sollen in den nächsten Jahren dazukommen. Insbesondere die Bereiche Wellness, Fitness, Ernährung und Pflege bieten gute Jobchancen – auch für Quereinsteiger, die sich entsprechend weitergebildet haben. Grund genug für die Stiftung Warentest, sich diese Boombranche mit ihren Qualifikationen, Trends und Perspektiven genauer anzuschauen.

Für das neue test Spezial Weiterbildung „Jobs in Wellness, Fitness und Pflege“, aus dem die Infos entnommen sind, wurden rund 100 Weiterbildungen untersucht, Märkte analysiert und Berufschancen hinterfragt. Gerade in der Wellness- und Fitnessbranche klingen zwar viele Weiterbildungen viel versprechend, doch längst nicht hinter jedem wohlklingenden Titel steht auch ein neuer Beruf. Dazu kommt: Häufig zahlen sich die mitunter kostspieligen Kurse nur für denjenigen aus, der ganz bestimmte Vorkenntnisse mitbringt. Die Stiftung Warentest sagt, für wen sich welche Kurse tatsächlich lohnen und zwar jeweils in den vier Branchen Ernährung und Anti Aging, Wellness und Beauty, Fitness und Sport sowie Pflege und Betreuung.

Ernährung und Anti-Aging: Appetit auf Esstipps?

Jeder zweite Deutsche ist übergewichtig. Die Themen Ernährung und bewusste Lebensführung werden immer wichtiger. Eine Chance für Ernährungsberater, den Verbrauchern den Weg zu einer ausgewogenen Ernährung und einem gesünderen Leben zu weisen. Ernährungsberatung ist zum einen etwas für Fachleute wie Diätassistenten, die sich entsprechend weitergebildet haben. Zum anderen tut sich in punkto Information und Aufklärung rund um die gesunde Ernährung aber auch ein Arbeitsfeld für Quereinsteiger auf, dazu zählen zum Beispiel Köche, Fitnesstrainer und Heilpraktiker.

Wellness und Beauty: Auf die Vorbildung kommt es an

Sich erholen und entspannen bei Massage, Moorbad oder Qi Gong liegt im Trend. 68,8 Milliarden Euro gaben die Deutschen im Jahr 2004 für Wellness aus – 14,5 Milliarden Euro mehr als noch vor fünf Jahren. Das wirkt sich positiv auf den Jobmarkt aus. Mittelfristig werden insbesondere bei medizinisch fundierten Angeboten, der so genannten Medical Wellness, Arbeitskräfte gebraucht. Einsatzchancen also für Physiotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister oder Kosmetikerinnen, die sich entsprechend weitergebildet haben. Doch angesichts eines breiten, unübersichtlichen Angebotes etwa für den Wellnesstrainer ist es gar nicht leicht, einen passenden Kurs zu finden. Grundsätzlich gilt: Wer seine Berufschancen mit einer Wellness-Weiterbildung verbessern will, sollte eine Ausbildung aus den Bereichen Kosmetik, Fitness, Gesundheit oder Tourismus mitbringen. Quereinsteiger ohne entsprechende Vorbildung haben auch nach der Weiterbildung wenig Aussichten auf einen Job.

Fitness und Sport: Gesundheitsprofis für Alt und Jung

Das Gesundheitsbewusstsein der Deutschen steigt und damit auch das Interesse an Fitness und Sport. Längst sind es nicht mehr nur die 20- bis 30-Jährigen, die sich durch Bewegung fit halten wollen. Immer mehr Senioren strömen in Studios und Vereine. Auch in übergewichtigen Kindern und Jugendlichen sieht die Branche ihre künftige Klientel. Neue Zielgruppen lassen die Ansprüche an Fitnessstudios und ihr Personal steigen. Ohne professionelle Ausbildung läuft da nichts. Studiobetreiber setzen zunehmend auf Profis – ob im Büro- oder Trainingsbereich. Wer eine Karriere im sportlichen Bereich anstrebt, braucht zwar kein Sportstudium, kommt aber an den Trainergrundausbildungen zum Aerobictrainer oder Trainingsleiter nicht vorbei. Diese können Quereinsteiger in Form von Weiterbildungen bei Verbänden und Ausbildungsinstituten der Branche erwerben. Die Aussichten, damit in einem Studio arbeiten zu können, sind gut, vorausgesetzt man ist nicht auf eine Festanstellung aus.

Auch im Büro- und Managementbereich sind Profis gefragt, die zum Beispiel eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann oder eine Weiterbildung zum Fitnessfachwirt vorweisen können. Letztere bietet sich auch für diejenigen an, die von einem eigenen Studio träumen.

Betreuung und Pflege: Chancen für Quereinsteiger

Berufe rund um Pflege und Betreuung gelten als krisenfest. Kein Wunder in einer alternden Gesellschaft. Im Jahr 2050 werden knapp 37 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein, heute sind es erst 23 Prozent. Zwei Millionen Pflegebedürftige gibt es zurzeit, Tendenz steigend. Da ist professionelle Pflege im Heim oder durch ambulante Dienste gefragt. Schon in den vergangenen zehn Jahren sind auf dem Pflege- und Betreuungsmarkt 250.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Gesucht werden sowohl examinierte Altenpfleger – dieser Abschluss wird über eine dreijährige Ausbildung oder Umschulung erworben – als auch Hilfskräfte wie Schwesternhelferinnen oder Altenpflegehilfskräfte. Dazu qualifizieren kürzere Weiterbildungen, mit denen meist schnell ein Einstieg in die Branche gelingt. Selbst ältere Frauen, die zuvor einen ganz anderen Beruf gelernt oder wegen der Familie länger pausiert haben, können mit diesen Qualifizierungen noch in der Pflegebranche Fuß fassen: Ihre Lebenserfahrung ist ein großes Plus bei der Jobsuche. Das gilt auch für diejenigen, die sich lieber um den Nachwuchs kümmern: Als Tagesmutter soll man künftig zumindest einen Einführungskurs nachweisen.

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