Berliner Testament Meldung

Eheleute setzen sich oft gegen­seitig als Allein­erben ein. Dieses sogenannte Berliner Testament ist eine naheliegende Lösung der Erbfragen. Doch es hat auch seine Tücken. test.de erklärt, worauf zu achten ist, wenn das Berliner Testament wirk­sam sein soll.

Eine Formulierung mit Tücken

„Meine Erbschaft soll gemäß Berliner Testament erfolgen“ – wer das allein für sich notiert, braucht gar nicht erst ein Testament zu schreiben. Das zeigt der Fall der Witwe eines 89-Jährigen aus Münster. Er hatte seinen Willen auf diese Weise formuliert – seine Frau bekam darauf­hin aber trotzdem nur das halbe Erbe. Die andere Hälfte ging an die Kinder aus seiner ersten Ehe. Die Verfügung ihres Mannes war unwirk­sam, urteilte das Ober­landes­gericht Hamm. Ein Berliner Testament schreiben Eheleute gemein­sam, nicht einer allein. Das Gericht vermutete, dass der 89-Jährige nicht wusste, welche Rege­lungen gelten (Az. 15 W 98/14). Damit lag keine wirk­same Verfügung vor. Es griff die gesetzliche Erbfolge.

Keine Änderungen nach dem Tod eines Partner

Mit dem Berliner Testament setzen sich Eheleute gegen­seitig als Allein­erben ein. So behält der eine nach dem Tod des anderen das volle Vermögen. Kinder können höchs­tens ihren Pflicht­teil einfordern. Das größte Risiko besteht darin, dass spätere Änderungen nur möglich sind, wenn beide Eheleute zustimmen. Sobald einer stirbt, geht in der Regel nichts mehr – so im Fall einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes die Tochter aus dessen erster Ehe ausschließen wollte. Das gemein­same Testament sah sie als Miterbin vor. Das war nicht mehr zu ändern, entschied das Amts­gericht Brandenburg (Az. 49 VI 335/12).

Hier hat die Klausel Grenzen

Ein Ehepaar schrieb eine Klausel ins Testament: „Der Über­lebende darf frei über das Erbe verfügen.“ Letzte Erbin sollte nur die Tochter sein. Als die Ehefrau starb, setzte der Witwer weitere Erben ein. Doch die gingen leer aus. Die Tochter bekam alles. Das Ober­landes­gericht Köln urteilte: Die Klausel berechtigte den Vater, das Erbe zu Lebzeiten zu nutzen, nicht aber, neue Verfügungen für die Zeit nach seinem Tod zu treffen (Az. I-2 Wx 198/13).

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