Nur jeder vierte Kunde erhält bei einer Geld­anlage- oder Versicherungs­beratung über­haupt ein Protokoll vom Verkäufer ausgehändigt. Dazu sind Geld- und Versicherungs­häuser aber verpflichtet. Diese Verstöße deckt das „Institut für Trans­parenz“ in einer Studie auf, die das Bundes­justiz- und Verbraucher­schutz­ministerium in Auftrag gegeben hat.

Nur jeder vierte Kunde erhält ein Protokoll

Bank- und Versicherungs­berater müssen nach jedem Beratungs­gespräch Kunden ein Protokoll darüber aushändigen. Doch nur jeder vierte Kunde erhält vom Verkäufer über­haupt dieses Dokument, stellt die aktuelle Studie fest. Im Beratungs­protokoll sollen unter anderem folgende Punkte enthalten sein:

  • die persönliche und finanzielle Situation des Kunden,
  • seine Anlagewünsche,
  • die empfohlenen Finanz­produkte des Beraters und
  • die Bereitschaft des Kunden, Verlustrisiken einzugehen.

Doch das klappt in den meisten Fällen bis heute nicht. Die Protokolle würden den Verbrauchern keine Grund­lage geben, um ein Beratungs­gespräch richtig nach­zuvoll­ziehen, fassen die Wissenschaftler des Berliner „Instituts für Trans­parenz“ das Ergebnis zusammen. Im Auftrag des Justiz- und Verbraucher­schutz­ministeriums hatten sie Kunden befragt und Testkäufer in Banken und Versicherungen geschickt, die sich zu Anla­gepro­dukten beraten ließen. Finanztest hatte auf die Mängel bereits im Jahr 2010 in zwei Unter­suchungen aufmerk­sam gemacht. Banken im Test: Die Blamage geht weiter und Beratungsprotokoll: Die neuen Protokolle im Praxistest.

Tipp. Schließen Sie keine Geld­anlage ab, ehe Sie nicht das Beratungs­protokoll bekommen und durch­gelesen haben.

Fehler­hafte Beratungs­protokolle

Die Beratungs­protokolle sollen Anleger vor falscher Beratung schützen und die Risiken der empfohlenen Produkte fest­halten. Hat der Kunde über­haupt ein Beratungs­protokoll erhalten, sei dies aber in den meisten Fällen mangelhaft gewesen, stellt die Studie fest. Wesentliche Inhalte des Gesprächs, etwa die Empfehlung eines Produkts und die Begründung dafür, seien oftmals nicht erwähnt worden.

Tipp. Prüfen Sie besonders, ob das Verlustrisiko des Produkts mit Ihrer persönlichem Sicher­heits­bedürfnis über­einstimmt. Stehen im Protokoll Phrasen, dann bestehen Sie auf konkreten und verständlichen Angaben.

Vorsicht bei der Unter­schrift

Die Studie kritisiert, dass drei von vier Dokumentationen – obwohl sie nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprächen – die Unter­schrift des Kunden vorsähen. Das ist ein unfairer Zwang. Denn damit kann der Verbraucher in eine ungüns­tige Position geraten. Im Gesetz vorgesehen ist nur die Unter­schrift des Beraters. Der Kunde muss nichts unterzeichnen und er sollte es auch nicht tun. Eine Unter­schrift spielt immer eine Rolle. Gebe es Streit, ob der Inhalt des Beratungs­gesprächs im Protokoll korrekt wiederge­geben ist, könnte die Unter­schrift des Kunden von einem Richter als Zustimmung gedeutet werden.

Tipp. Sie müssen das Protokoll nicht unter­schreiben und Sie sollten es auch nicht tun. Die Unter­schrift kann vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Auch Empfangs­bestätigungen sollten Sie nicht unter­schreiben.

Beweis­kraft des Protokolls ungewiss

Wie ein fehlendes Beratungs­protokoll im Streitfall von Richtern zivilrecht­lich bewertet wird, ist völlig offen. Bisher gibt es zu dokumentierten Beratungen kaum Urteile. „Es ist denk­bar, das Gerichte ein fehlendes Protokoll als Indiz in die Beweisführung aufnehmen“, sagt Rechts­anwalt Bernd Jochem von der Münchner Kanzlei Rotter. Der Anleger müsse in Deutsch­land nach wir vor den Beweis erbringen, dass ihn der Bank- oder Versicherungs­berater falsch beraten hat.

Dieser Artikel ist hilfreich. 21 Nutzer finden das hilfreich.