Beratung zur Abgeltungsteuer Special

„Lassen Sie sich beraten“, heißt es in den Banken. Wir haben die Einladung angenommen. Doch ein halbes Jahr vor dem Start der neuen Steuer sind einige Berater noch nicht so weit.

Anruf in der Filiale Wildflecken der Sparkasse Kissingen. Der Berater am Telefon nimmt sich 25 Minuten Zeit. Die Abgeltungsteuer erklärt er gut und spickt seine Ausführungen mit vielen Beispielen.

Schnell weiß die Anruferin, dass die Steuer ab 2009 ein Viertel ihrer Zinserträge und Dividenden auffrisst. Neu sei, so erklärt ihr der Bankmitarbeiter, dass der Finanzminister künftig auch bei Kursgewinnen von Aktien und Aktienfonds die Hand aufhalte.

Der Sparkassenmann empfiehlt der Kundin die Deka Bonus Rente, einen staatlich geförderten Riester-Fondssparplan. Solche Sparpläne bleiben von der Abgeltungsteuer verschont, argumentiert er richtig.

Plane die Frau eine Einmalanlage, solle sie noch 2008 handeln. Kursgewinn, Aktien und Fonds, die sie noch in diesem Jahr kaufe, blieben auf Dauer steuerfrei.

So weit, so gut. Doch dann kommt er auf Dachfonds zu sprechen. „Einzelfonds müssen Sie versteuern. Bei Dachfonds spüren Sie als Kunde nichts davon“, sagt er.

Hier liegt der Mann falsch. Auch die Kursgewinne von Dachfonds, die das Geld der Anleger in andere Fonds investieren, unterliegen der Abgeltungsteuer.

Der Berater empfiehlt Deka-Produkte von der Fondsgesellschaft der Sparkassen. Die seien führend. Sein Kollege bei der Sparkasse Frankfurt 1822direkt, wo unsere Kundin als Nächstes anruft, sieht das anders. Er empfehle Deka-Produkte nicht so gerne, „weil sie nicht so gut sind“.

Stattdessen wirbt er für den Schroders Diversified Growth Fund, einen Dachfonds, der Mitte 2007 wohl nur wegen der Abgeltungsteuer aufgelegt worden ist.

80 Millionen Euro haben Anleger seither einbezahlt. Noch ist der Fonds aber viel zu jung, um seine Qualität zu beurteilen. Aber „er ist von der Steuer befreit“, sagt der Berater. Die Kundin hört zum zweiten Mal den falschen Ratschlag zu Dachfonds (siehe auch Dachfonds).

Die Beratung kann nur besser werden

Beratung zur Abgeltungsteuer Special

Ob Vermögensberater wie MLP, ob Banken oder die ihnen angeschlossenen Fondsgesellschaften: Sie alle laden zur Abgeltungsteuer-Beratung ein. Noch ist viel Zeit, alle Angebote in Ruhe zu vergleichen.

Acht Frauen und Männer haben für uns 19 Filialen aufgesucht oder dort angerufen. Sie wandten sich an Banken und Sparkassen, bei denen sie Kunde sind oder Kunde werden wollen. Sie fragten, was die Abgeltungsteuer sei und wie ihre Geldanlagen davon betroffen seien. Außerdem erkundigten sie sich nach Möglichkeiten, die Abgeltungsteuer zu vermeiden.

Auf Experten in Sachen Abgeltungsteuer trafen unsere Tester selten. Die Mehrheit der Berater blieb blass in dem Bemühen, die Steuer und ihre Auswirkungen auf die vor ihnen sitzenden Menschen zu erklären.

Fünf Punkte sind uns aufgefallen:

  • Neue Geldanlagen. Die Berater empfehlen, das Aktien- und Fondsvermögen in diesem Jahr umzuschichten. Sie raten stark zu konzerneigenen Produkten wie Dachfonds und privaten Rentenversicherungen.
    Sinnvoll ist von diesen Ratschlägen sicher die Überprüfung des Depots. Ein Wechsel der Fonds lohnt sich jedoch nur, wenn die bisherigen schlecht sind.
    Private Rentenversicherungen sind als Alternative zu Fonds ungeeignet. Sie fallen zwar nicht unter die Abgeltungsteuer, binden den Sparer aber für die ganze Laufzeit. Er kann Zahlungen nicht einfach aussetzen und auch nicht einfach etwas abheben.
  • Kleinkunden. Kunden mit kleinem Vermögen bekamen sinngemäß zu hören, die Abgeltungsteuer betreffe sie nicht. Ihre Erträge fielen unter den Freistellungsauftrag.
    Diese Auskunft ist falsch, sobald der Kunde zusammen mit Geldanlagen bei anderen Banken den Sparerpauschbetrag überschreitet. Selten kam der Rat, die Freistellungsaufträge bei allen infrage kommenden Geldinstituten zu überprüfen.
  • Nichtveranlagungsbescheinigung. Die Bankberater geben keine Auskunft zur Nichtveranlagungsbescheinigung. Mit diesem Papier vom Finanzamt können vor allem Rentner Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag steuerfrei bekommen, wenn ihre Einkünfte sonst niedrig sind. Die Banken verweisen ihre Kunden an Steuerberater und Finanzämter (siehe Abgeltungsteuer).
  • Fremdkunden. Wer in der Filiale noch nicht Kunde war, hörte schon einmal: „Gehen Sie doch dahin, wo Sie Ihr Geld haben.“
  • Riester-Rente. Um die Riester-Rente schlagen die meisten Berater einen Bogen. Sinnvoll wäre der Hinweis, dass die Verträge nicht unter die Abgeltungsteuer fallen.

Fragen Sie den Finanzminister

Die DKB-Bank, eine Internettochter der Bayerischen Landesbank, lässt sich bitten. Dabei spricht die „leistungsfähige Multispezialbank“ laut Werbung im Internet doch die Sprache der Kunden.

Eine Anfrage per Telefon bleibt erfolglos. Auf eine Mail kommt eine automatisch erzeugte Antwortmail mit der Ankündigung, dass man sich so schnell wie möglich melde. Bei einem weiteren Versuch am nächsten Tag heißt es, die DKB könne in der Regel erst nach drei bis vier Tagen zurückrufen.

Der Einwand, ob man als guter Kunde nicht sofort eine Beratung erhalten könne, führt in eine zehnminütige telefonische Warteschleife. Danach kommt die Auskunft: „Wir sind eine Internetbank und beraten nicht. Machen Sie sich auf der Internetseite des Finanzministeriums schlau.“

Eine Beraterin der Direktbank ING-Diba ist auskunftsfreudiger. Kompetent erläutert sie die Abgeltungsteuer. Der Anrufer wird in 45 Gesprächsminuten nicht bedrängt: „Wir geben generell keine Empfehlungen ab. Sie entscheiden ganz alleine.“

Gleichwohl unterstützt die ING-Diba-Mitarbeiterin die Überlegungen des Kunden, den einen oder anderen Vermögensbestandteil in Fonds umzuschichten. Sie begleitet ihn ins Internet, wo sie ihm als Beispiel den auch von Finanztest gut bewerteten Cominvest Fondak-Fonds zeigt.

Bei Consors benötigt unser Anrufer vier Anläufe, um einen Berater an die Strippe zu bekommen. Der rät dem Kunden, seine Anteile am M & G Global Basics A und am DWS Vermögensbildungsfonds I abzustoßen, beides weltweit anlegende Aktienfonds. Die Begründung des Consors-Mannes ist skurril: Die Fonds seien zu groß, hohe Gewinne also nicht mehr zu erwarten.

Dieser Hinweis ist grober Unfug. Offenbar soll der Kunde neue Geldanlagen abschließen, damit die Bank verdient.

Kunden bevorzugt

Bei der Postbank am Karlsruher Europaplatz hat unser Tester den Eindruck, dass er nur eine Beratung bekommt, weil er ein Festgeldkonto bei der Bank unterhält. Zufrieden ist er nicht: „Die Beraterin weiß, um was es bei der Abgeltungsteuer geht, aber sie versteht nicht, wie dies den Kunden betreffen könnte. “ Er fühlt sich nicht ernst genommen, auch deshalb nicht, weil sie sein Festgeldkonto für „unbedeutend“ hält.

Als er erwähnt, dass er Aktien besitzt, und fragt, wie sich die Abgeltungsteuer darauf auswirke, verweist sie ihn zur Beratung an seine Depotbank. Als er sich nach Fondsprodukten erkundigt, sagt sie, er sei ja noch gar kein Fondskunde bei der Postbank. Aber wenn er beraten werden wolle, mache sie das gerne. Das Informationsmaterial beschränkt sich allerdings auf eine Ausgabe der Kundenzeitschrift „Anlagewelt“.

Pech hat der Mann auch bei der BBBank in der Karlsruher Herrenstraße. Als er sagt, dass nur seine minderjährige Tochter Kundin sei, hört er: „Warum fragen Sie dann uns und nicht Ihre eigene Bank?“

Es geht auch anders, zeigt eine Beraterin in der Commerzbank-Filiale am Mehringdamm in Berlin. Sie wird von einem Selbstständigen um eine Beratung zur Abgeltungsteuer gebeten. Er ist bisher nicht Kunde der Commerzbank, überlegt aber, es zu werden. Obwohl die Mitarbeiterin für Selbstständige nicht zuständig ist, nimmt sie sich mehr als eine halbe Stunde Zeit.

Sie weist auf die Möglichkeit hin, Fondssparpläne und Aktien bis zum Jahresende im bisherigen Depot weiterzuführen, auch wenn das Geld nicht in Commerzbank-Produkte fließe. Ab 2009 könne der Kunde dann ein zweites Depot bei der Commerzbank eröffnen.

Das zweite Depot habe den Vorteil, dass der Kunde bei einem Verkauf nachweisen könne, welche Aktien und Fondsanteile er noch 2008 gekauft habe, sodass Kursgewinne steuerfrei bleiben. Ein guter Rat.

Werbung wird zunehmen

Millionen von Werbebriefen hat die Branche verschickt, um ihren Kunden „abgeltungsteuersichere“ Produkte schmackhaft zu machen. Doch noch hält sich die Aufregung in Grenzen.

In einem Land, in dem laut einer Umfrage des Forsa-Instituts für den Finanzdienstleister AWD mehr Menschen Angst vor Steuern als vor Terrorismus haben, bleiben die Menschen von der Werbeflut zur Abgeltungsteuer erstaunlich unberührt.

Erst 4 Prozent der Deutschen haben ein Beratungsgespräch gesucht, meldet die Versicherungskammer Bayern. Sie gehört zur Sparkassengruppe, die das Marktforschungsinstitut Psychonomics mit der Studie „Altersvorsorge und Abgeltungsteuer“ betraut hat. All das lässt vermuten, dass die Geldbranche ihre Anstrengungen in der zweiten Jahreshälfte massiv verstärken wird.

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