Checkliste: Ruhe bewahren: Ihr Geld hat noch Zeit

Bevor Sie aus lauter Angst vor der Abgeltungsteuer in neue, wenig erprobte Produkte investieren, sollten Sie tief durchatmen. Bis zur Einführung der Abgeltungsteuer sind es ab dem Erscheinen dieser Finanztest-Ausgabe am 18. Juni noch 197 Tage.

Das gibt Ihnen genug Zeit, um Ihr Vermögen zu sichten und sich auf eine Beratung bei der Bank vorzubereiten. Sogar die in der ersten Panik began­genen Fehler können Sie jetzt noch korrigieren.

Im Laufe des Jahres 2008 sollten Sie dann in Ruhe die Weichen für die ­Zukunft Ihrer Geldanlagen stellen. Ab dem Jahreswechsel wird die Abgeltungsteuer auf alle laufenden Zinserträge und Dividenden sowie auf die Kursgewinne von Aktien und Fondsanteilen fällig.
Nur Fondsanteile und Aktien, die Sie vor dem 1. Januar 2009 erwerben, bleiben auf Dauer von der Steuer auf Kursgewinne verschont.

  • Bestandsaufnahme. Bei welchen Banken und Fondsgesellschaften führen Sie Konten? Denken Sie auch an die Banken an früheren Wohnsitzen, an Ihre bei Onlinebanken schlummernden Konten und Depots, an Geld, das Sie für Kinder oder andere Angehörige angelegt haben, und an Mitgliedschaften bei genossenschaftlichen Banken (Volksbanken, Raiffeisenbanken).
  • Allgemeincheck. Prüfen Sie, ob Ihre Anlagen noch zu Ihrer Lebenssitua­tion passen. Fragen Sie sich zum Beispiel, welches Risiko Sie mit ­Ihren Geldanlagen eingehen wollen – oder können. Je älter Sie sind, desto weniger Aktien und Aktienfonds sollten Sie im Depot haben.
    Kontrollieren Sie die Qualität Ihrer Fonds. Wertvolle Hinweise bietet der Finanztest-Dauertest von 7 500 Fonds unter www.test.de/fonds. Schlechte Fonds werfen Sie aus dem Depot und stecken Ihr Geld in gute. Vorsicht ist bei neuen Fonds, vor allem Dachfonds, geboten. Da diese Produkte alle zeitgleich auf den Markt kommen, ist es nicht ausge­schlossen, dass einige bald mangels Masse wieder schließen.
    Bei Zinsanlagen müssen Sie nicht handeln. Liegt Ihr Grenzsteuersatz über 25 Prozent, schneiden Sie mit der Abgeltungsteuer sowieso besser ab als bisher.
  • Sparpläne. Banksparpläne lassen Sie weiterlaufen. Handeln müssen Sie bei Fondssparplänen: Lassen Sie alte Fondssparpläne zum Jahresende auslaufen. Dann wissen Sie genau, welche Ihrer Fondsanteile steuerfrei bleiben.
    Die Sparpläne, mit denen Sie zufrieden sind, können Sie dann in einem zweiten Depot neu eröffnen. Oder Sie wählen einen neuen Fonds aus. Fragen Sie die Berater, was ein Zweitdepot kostet.
  • Aktien. Für reine Aktienanlagen ist das zweite Depot ebenfalls praktisch. Damit haben Sie es zum Beispiel leichter, wenn Sie ab 2009 Aktiengewinne und -verluste gegeneinander aufrechnen wollen.
  • Freistellungsaufträge. Suchen Sie zu jeder Bank und zu jeder Geldanlage den dazugehörigen Freistellungsauftrag heraus. Zählen Sie die Summen zusammen. Bei Aufträgen in Mark teilen Sie die angegebene Summe durch 1,95583. Das Ergebnis dürfen Sie auf zwei Stellen runden.
  • Aufträge anpassen. Prüfen Sie, ob Ihre Freistellungsaufträge noch sinnvoll verteilt sind. Falls nicht, passen Sie sie an. Dazu genügt ein formloses Schreiben an die Bank. Diese Erbsenzählerei zahlt sich für Sie aus. Haben Sie Ihre Aufträge sinnvoll verteilt und bleiben Sie als Alleinstehender unter 801 Euro und als Ehepaar unter 1 602 Euro Zinsen und Dividenden im Jahr, ersparen Sie sich das lästige Zurückholen von Kleinbeträgen mit der Einkommensteuer.
  • Weitere Tipps für Anleger lesen Sie im Thema Abgeltungsteuer.

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