Beratung vor der Alten­pflege-Ausbildung Enttäuschend

Beratung vor der Alten­pflege-Ausbildung - Enttäuschend
© iStockphoto

Die Berufs­fach­schulen für Alten­pflege im Test der Stiftung Warentest weigerten sich häufig, Interes­sierte an einer Ausbildung zu beraten. 11 von 16 nord­rhein-west­fälischen Schulen erhielten deshalb ein Mangelhaft.

Beratung vor der Alten­pflege-Ausbildung Alle Testergebnisse für Beratung an 16 Berufsfachschulen für Altenpflege

Inhalt

Fach­kräfte­mangel in der Pflege

Alten­pfleger werden dringend gesucht. Rund 10 000 Stellen sind laut Bundes­agentur für Arbeit zurzeit unbe­setzt. Prognosen zufolge wird der Bedarf weiter steigen. Bis zu einer halben Million Voll­zeitkräfte könnten laut einer Studie der Bertels­mann Stiftung im Jahr 2030 fehlen.

Mit zahlreichen Kampagnen versucht die Politik, das Image von Pflegeberufen aufzuwerten und mehr Bewerber für Ausbildungen zu gewinnen. Dabei setzt sie nicht nur auf Schul­abgänger, sondern auch auf Frauen nach der Familien­zeit, Arbeits­lose, Ältere und Migranten, die quer­einsteigen wollen. Gerade erst ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, das die berufliche Aus- und Weiterbildung in der Alten­pflege stärken soll.

Der beste Weg in die Pflege

Wer in die Branche einsteigen möchte, hat die Wahl zwischen verwirrend vielen Qualifizierungen. Etliche bereiten allerdings lediglich auf Helfer­tätig­keiten vor, führen also nicht zu einem Berufs­abschluss. Das zeigt eine Unter­suchung der Stiftung Warentest (siehe Wildwuchs beim Kursangebot).

Der beste Weg in die Pflege ist der über eine Berufs­ausbildung oder Umschulung zur Fach­kraft Alten­pflege. Diese bundes­weit einheitlich geregelte Qualifizierung dauert drei Jahre. Die Gesamt­ver­antwortung tragen die mehr als 650 Berufs­fach­schulen für Alten­pflege in Deutsch­land, darunter private, gemeinnützige und konfessionell gebundene Bildungs­institute, aber auch Anbieter der Wohl­fahrts­pflege. In den Berufs­fach­schulen findet die theoretische Ausbildung statt, in Einrichtungen der Alten­pflege die praktische (siehe Fachkraft Altenpflege: Die Ausbildung).

Beratung im Fokus

Im Fokus dieses Tests stand nicht die Ausbildung an sich, sondern die Beratung zuvor. Die Stiftung Warentest wollte angesichts des eklatanten Fach­kräfte­mangels in der Pflege wissen: Wie gut beraten die Berufs­fach­schulen für Alten­pflege Personen, die sich für einen Quer­einstieg in die Branche interes­sieren? Denn wer einen beruflichen Neustart in der Pflege vorhat, braucht Unterstüt­zung, um sich ein realistisches Bild von Ausbildung und Beruf zu machen. Nicht jeder ist für die körperlich und emotional anstrengende Arbeit mit älteren pflegebedürftigen Menschen geeignet.

Zur Beratung verpflichten sich die Berufs­fach­schulen in der Regel selbst: „Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie flexibel, individuell und kompetent!“ heißt es da zum Beispiel auf den Webseiten.

16 Berufs­fach­schulen im Test

Im Auftrag der Stiftung Warentest baten geschulte Test­personen die 16 für diesen Test ausgewählten Schulen in Nord­rhein-West­falen um einen Beratungs­termin – natürlich inkognito. Das Gespräch sollte möglichst vor Ort beim Anbieter statt­finden. War das nicht möglich, durfte es auch eine Beratung am Telefon sein.

Unsere Tester entsprachen der Zielgruppe Quer­einsteiger: Männer und Frauen zwischen 20 und 50 Jahren, darunter auch Migranten. Alle gaben vor, einen beruflichen Neustart in der Pflege zu erwägen und sich insbesondere für die Ausbildung zur Fach­kraft Alten­pflege zu interes­sieren.

Häufig wurde gar nicht beraten

Auf jede Schule setzten wir sieben Test­personen an und erwarteten, dass mindestens fünf von ihnen beraten werden. Das Ergebnis ist enttäuschend: Elf von 16 Schulen im Test scheiterten an dieser nicht sonderlich hohen Hürde. Wieder und wieder wurden unsere Tester abge­wiesen. Die SBK Sozial-Betriebe-Köln und das Fachseminar für Alten­pflege Am Mergelteich in Dort­mund verweigerten Beratungs­gespräche ganz und gar. Weitere neun Schulen lehnten so häufig ab, dass jeweils nur maximal drei Tester Beratungen bekamen. Zu wenige für die Stiftung Warentest. Sie bewertete den Prüf­punkt „Beratungs­bereitschaft“ mit Mangelhaft. Das schlug auch auf das Gesamt­urteil durch.

Ein Interes­sent ist kein Bewerber

Es scheint, als sei vielen Schulen gar nicht bewusst, wie wichtig Beratung ist. „Melden Sie sich wieder, wenn Sie ein Praktikum gemacht haben“, „Schi­cken Sie uns eine Bewerbung, dann machen wir einen Termin“ oder „Gehen Sie erst­mal zur Arbeits­agentur“ – so und ähnlich erteilten viele Anbieter unseren Testern eine Abfuhr. Akzeptabel ist das aus folgenden Gründen nicht:

  1. Ein Praktikum in einer Alten­pfle­geeinrichtung mag Orientierung geben, ist aber sehr zeit­aufwändig und ersetzt keine Beratung.
  2. Interes­sierte an einer Ausbildung sind keine Bewerber. Während Bewerber bereits eine Entscheidung getroffen haben, stehen Interes­sierte, insbesondere wenn es Quer­einsteiger sind, noch vor jeder Menge Fragen, zum Beispiel: Welche Voraus­setzungen muss ich mitbringen? Oder: Eigne ich mich für diese Arbeit?
  3. Quer­einsteiger, die arbeitslos oder von Arbeits­losig­keit bedroht sind, benötigen für die Umschulung zur Alten­pflegefach­kraft zwar das Okay ihrer örtlichen Arbeits­agentur. Die Agenturen stellen dann den so genannten Bildungs­gutschein aus. Das bedeutet, dass sie die Finanzierung über­nehmen (siehe Fördermöglichkeiten der Arbeitsagenturen). Aus Sicht der Stiftung Warentest ist der Gang zur Arbeits­agentur jedoch erst dann sinn­voll, wenn der Interes­sierte nach einem Beratungs­gespräch bei der Berufs­fach­schule entschieden hat, dass die Ausbildung für ihn infrage kommt.

Übrigens: Berufs­fach­schulen, die Arbeits­lose qualifizieren und den Bildungs­gutschein der Arbeits­agenturen einlösen, sind zur Beratung verpflichtet.

Beratung vor der Alten­pflege-Ausbildung Alle Testergebnisse für Beratung an 16 Berufsfachschulen für Altenpflege

Gute Beratung eher selten

Was die Qualität der statt­gefundenen Beratungen betrifft: Auch hier gab es wenig Anlass zu jubeln. Die meisten Schulen schnitten in diesem Prüf­punkt befriedigend ab. Die Haupt­kritik: Die Ansprech­partner in den Schulen informierten zwar meist gut über Ausbildung und Beruf, aber die Beratung selbst blieb auf der Strecke.

Eine gute Beratung geht über bloßes Informieren hinaus. Sie bezieht zum Beispiel den Lebens­lauf des Interes­senten mit ein (Was hat der Ratsuchende bisher beruflich gemacht? Wo liegen seine Stärken?) und stößt die Auseinander­setzung mit wichtigen Fragen an (Gibt es Erfahrungen mit Sterben und Tod?). Der Berater sollte gemein­sam mit seinem Gegen­über reflektieren, ob der Beruf für diesen in Frage kommt, und ihn dabei unterstützen, eine Entscheidung zu treffen (siehe Was eine gute Beratung bieten muss).

Immerhin – zwei Schulen bekamen im Prüf­punkt „Qualität der Beratung“ ein Gut: das Fachseminar für Alten­pflege des DRK Kreis­verband Dort­mund und die Tüv Rhein­land Akademie in Dort­mund. Beide Schulen über­zeugten auch insgesamt mit einer guten Note. Verbraucher bekommen dort recht problemlos Termine und erhalten zusätzlich gute Kunden­informationen, etwa in Form von Flyern oder im Internet.

Ein gutes test-Gesamt­urteil bekam auch die Katho­lische Schule für Gesund­heits- und Pflegeberufe in Dort­mund. Allerdings war die Qualität der Beratung dort nur befriedigend.

Jüngere werden besser beraten

Die Stiftung Warentest wollte mit diesem Test auch heraus­finden, ob einige Personen­gruppen besser beraten werden als andere. Unsere Test­personen haben wir deshalb nach bestimmten Merkmalen ausgewählt (siehe So haben wir getestet). Resultat: Ob Mann oder Frau, Migrant oder nicht – alle wurden gleichermaßen gut oder schlecht beraten. Eine Auffälligkeit gab es aber: Jüngere bekamen eine bessere Beratung als Ältere. Sie erhielten in den Gesprächen zum Beispiel mehr Informationen. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren: Vielleicht sehen die Schulen in jüngeren Interes­senten mehr Potenzial und wollen sie eher für eine Ausbildung gewinnen. Denk­bar wäre aber auch, dass sie bei älteren Anwärtern aufgrund von Lebens­erfahrung mehr Wissen voraus­setzen und deshalb viele Themen gar nicht erst anschneiden.

Besser persönlich beraten lassen

Wer die Wahl hat, sollte sich unbe­dingt vor Ort beim Anbieter beraten lassen. Der Test zeigt nämlich: Persönliche Beratungen sind besser als telefo­nische. Die Atmosphäre bei Gesprächen von Angesicht zu Angesicht war deutlich besser. Die Berater gaben sich dann auch mehr Mühe, bei der Entscheidungs­findung zu unterstützen. Verwunderlich ist das nicht: Ein Telefonat ist immer anonymer als eine Begegnung.

Fazit: Die Schulen müssen nachbessern

Das traurige Fazit unseres Tests: Interes­sierte an einer Alten­pflege-Ausbildung brauchen offen­bar viel Glück. Erst, um über­haupt einen Termin zu bekommen, dann, um gut beraten zu werden. Die Anbieter sind aufgefordert, hier deutlich nach­zubessern. Beratung ist wichtig, weil sie mit unrealistischen Vorstel­lungen vom Beruf aufräumen und Ausbildungs­abbrüchen vorbeugen kann. Damit tun die ausbildenden Berufs­fach­schulen nicht nur sich selbst einen Gefallen, sondern auch dem Arbeits­markt, der gut ausgebildete Pfle­gekräfte dringend benötigt. Bis Besserung in Sicht ist, bleibt Verbrauchern nur, auf einen Termin zu pochen oder es notfalls bei verschiedenen Schulen zu probieren (siehe Tipps).

Neue Anlauf­stelle für Beratung

Seit Dezember 2012 gibt es für Interes­sierte mit Beratungs­bedarf eine neue Anlauf­stelle. Als Teil der „Ausbildungs- und Qualifizierungs­offensive Alten­pflege“ des Bundes hilft nun das Beratungsteam Altenpflegeausbildung weiter. Wer auf www.altenpflegeausbildung.net sein Bundes­land auf der Deutsch­land­karte anklickt, erhält Kontakt­daten von Beratern in seiner Region.

Mehr zum Thema

  • Haus­halts­hilfe So bekommen Sie Hilfe bei der täglichen Arbeit

    - Plötzlich schwer erkrankt, ein Unfall oder Pflegebedürftig­keit – wer seinen Haushalt nicht mehr führen kann, bekommt oft Hilfe von der Krankenkasse. Wir sagen was gilt.

  • Pflege­versicherung Wann sie leistet, was sie kostet

    - Wird ein Mensch pflegebedürftig, braucht er Hilfe – von Familien­mitgliedern oder Pflegefach­kräften. Finanzielle Unterstüt­zung bietet die gesetzliche Pflege­versicherung.

  • Umzug ins Pfle­geheim So sind Ihre Lieben gut versorgt

    - Wird mehr Pflege erforderlich, als Angehörige zu Hause schaffen, kann ein Umzug ins Heim sinn­voll sein. Wir erklären, was Suchende bei Auswahl und Kosten beachten müssen.

6 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 08.05.2013 um 15:47 Uhr
@b.markert

Wir haben 7 Tester zum Fachseminar für Altenpflege geschickt, Ergebnis: keiner der Tester hat eine Beratung erhalten. Einige Tester erhielten die Auskunft, dass individuelle Beratungsgespräche grundsätzlich nicht angeboten werden. Die Tester sollen sich bitte erst bewerben, im Bewerbungsprozess bestehe dann die Möglichkeit, Fragen zur Ausbildung am Fachseminar zu stellen. Zudem wurden einige Tester an die Arbeitsagentur verwiesen oder es wurde empfohlen, zunächst ein Praktikum zu absolvieren. Ein Tester hat mehrfach während der angegebenen Bürozeiten niemanden erreicht. Aufgrund dieser Ergebnisse kommen wir zu dem Schluss, dass bei diesem Anbieter eine Beratungsbereitschaft nicht gegeben ist. (TK)

b.markert am 07.05.2013 um 15:13 Uhr
Wir beraten gerne!


Als Leitung des Fachseminars für Altenpflege Am Mergelteich in Dortmund, möchte ich hiermit im Namen unseres gesamten Kollegiums erklären, dass Ihr Testurteil für uns unverständlich u nicht nachvollziehbar ist. Eine Erreichbarkeit ist für Beratungssuchende jederzeit gewährleistet. Unser Sekretariat ist von 8.00 -13.00 Uhr besetzt, darüber hinaus besteht die Möglichkeit jederzeit auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht zu hinterlassen, auf die wir stets zeitnah reagieren.
Ihre Behauptung Beratung verweigert zu haben, hat uns sehr empört, da eine prompte u qualifizierte Beratung für uns selbstverständlich ist u Grundlage unseres Leitbildes ist.
Daher:
Liebe Interessenten an der Altenpflege, lassen Sie sich von diesem Testurteil nicht abschrecken, wir freuen uns über jedes Interesse an unserem Seminar u der Altenpflegeausbildung u beraten Sie jederzeit gerne sowohl telefonisch als auch in einem persönlichen Gespräch!
Gez. B. Markert

cdrude am 03.04.2013 um 10:25 Uhr
@cc4cc: Keine schriftlichen Infos

Lieber Bewerber/ liebe Bewerberin,
als Geschäftsführer der Katholischen Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe Dortmund gGmbH freue ich mich natürlich über das m.E. zu recht vergebene Gesamturteil "gut".
Schriftliche Informationen geben wir aus Kosten- und Umweltgründen in der Tat nicht heraus, da alle unsere diesbezüglichen Infos auf unserer Homepage abrufbar sind.
Der Test hat aber auch gezeigt, dass Sie bei uns jederzeit eine individuelle Beratung (telefonisch oder im weiteren Verlauf persönlich) bekommen können. Sie haben aber nach schriftlichen Informationen gefragt - daher ist der Verweis aus dem Sekretariat korrekt. Unsere Kommunikationswege können und werden wir optimieren!
Sie können sich bei weiteren offenen Fragen gern an uns wenden.
Carsten Drude M.A.
Geschäftsführer der Katholischen Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe Dortmund gGmbH

Profilbild Stiftung_Warentest am 03.04.2013 um 10:05 Uhr
Gelöschter Kommentar

@cc4cc: Das Löschen des Kommentars war ein Versehen - wir bitten um Entschuldigung. Wir haben Ihren ursprünglichen Kommentar wiederhergestellt!

Gelöschter Nutzer am 03.04.2013 um 10:04 Uhr
Unverständlich!?

Ich habe mich sowohl per E-Mail, als auch per Telefon bei der Katholische Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe Dortmund darum gebeten, schriftlich Informationen mir zukommen zu lassen. Diese wurde mit einem kurzen Satz "Alle Informationen sind im Internet zu finden" abgewürgt. KEINE weiteren Auskünfte.
Daher kann ich Ihren Testurteil "GUT" hier nicht nachvollziehen!?