Das Internetportal Mieterengel.de vermittelt Anwälte zur Rechts­beratung. Der Mieter stellt seine Frage online und lädt notwendige Dokumente (etwa Miet­vertrag oder Betriebs­kosten­abrechnung) hoch. Ein Anwalt des Portals beant­wortet die Frage je nach Wunsch des Kunden telefo­nisch oder per E-Mail inner­halb von 48 Stunden. Die Rechts­experten der Stiftung Warentest haben das Angebot unter die Lupe genommen.

Das Angebot vom Mieterengel – Konkurrenz für den Mieter­ver­ein

Mieterengel.de ist eine Online-Platt­form zur Vermitt­lung von Rechts­anwälten. Das Angebot existiert seit 2016. Da inzwischen auch viele Mieter­ver­eine Rechts­rat per Telefon oder E-Mail anbieten, ist Mieterengel.de eine Konkurrenz zum Angebot der örtlichen Mieter­ver­eine. Aktuell hat die Platt­form rund 7 500 Kunden. Nach Angaben von Elizabeth Teuten­berg, Mitgründerin von Mieterengel, werde das Unternehmen voraus­sicht­lich Anfang 2020 die Grenze von 10 000 Mitgliedern knacken. Wie viele Anwälte derzeit für Mieterengel arbeiten, will Teuten­berg nicht sagen. 60 Prozent der vermittelten Part­ner­anwälte hätten die Zusatz­qualifikation „Fach­anwalt für Mietrecht“.

Mitgliedschaft kostet bis zu 149 Euro pro Jahr

Kunden können bei Mieterengel.de zwischen drei verschiedenen Mitglied­schafts­modellen wählen. Die Vertrags­lauf­zeit beträgt jeweils zwei Jahren. Wenn der Kunde seine Mitgliedschaft nicht spätestens einen Monat vor Ablauf der zwei Jahre kündigt, verlängert sich der Vertrag um jeweils ein weiteres Jahr.

Basis-Mitgliedschaft – eine Flatrate für Mieterfragen

Kunden erhalten im Rahmen einer Basis-Mitgliedschaft nur außerge­richt­liche Beratung für ihre mietrecht­lichen Fragen. Der Rechts­anwalt beant­wortet laut Werbung in der Regel inner­halb von 48 Stunden die Frage und gibt Tipps, wie sich der Mieter verhalten soll. Eventuell notwendigen Schrift­verkehr mit dem Vermieter muss der Mieter allerdings selbst erledigen. Mündet der Streit mit dem Vermieter in ein Gerichts­verfahren, hat der Kunde keinen Prozess­kosten­schutz. Das heißt: Die Gerichts- und Anwalts­kosten des Verfahrens trägt er selbst. Und es gilt: Nur wenn der Mieter im Klage­verfahren zu 100 Prozent gewinnt, muss der Vermieter alle Kosten über­nehmen. Die Basis-Mitgliedschaft (79 Euro pro Jahr) ist eine Art Flatrate für Miet­rechts­fragen. Denn der Basis-Kunde kann über Mieterengel.de Fragen stellen, sooft er will. So kann er über Mieterengel.de etwa bei jedem Umzug über­prüfen lassen, ob er zur Reno­vierung der alten Wohnung verpflichtet ist. Dafür muss er den kompletten Miet­vertrag einscannen oder abfotografieren und bei Mieterengel.de hoch­laden. Die Basis-Mitgliedschaft erlaubt es Kunden auch, die Betriebs­kosten­abrechnung jedes Jahr erneut über­prüfen zu lassen. Allerdings: Hat der Part­ner­anwalt auf eine Frage des Kunden geant­wortet, darf der Mieter jeweils nur zwei Nach­fragen stellen.

Pro-Mitgliedschaft – Frage-Flatrate und Kosten­schutz für Prozess

Der Kunde hat den außerge­richt­lichen Beratungs­rechts­schutz wie bei der Basis-Mitgliedschaft und zusätzlich Prozess­kosten­schutz, falls der Streit vor Gericht geht. Das kostet 109 Euro pro Jahr. Der Prozess­kosten­schutz wird von der Allianz Versicherung gestellt (Versicherungsbedingungen). Pro Fall trägt der Kunde einen Selbst­behalt in Höhe von 150 Euro. Das ist üblich. Auch die Mitglieder der Mieter­ver­eine haben im Rahmen ihrer Prozess­kosten­versicherung einen Selbst­behalt in dieser oder ähnlicher Höhe zu tragen. Für Rechts­streitig­keiten, die sich in den ersten drei Monaten nach Abschluss der Mitgliedschaft ergeben, haben Pro-Mitglieder keinen Prozess­kosten­schutz. Auch diese sogenannte Warte­zeit ist bei Rechts­schutz­versicherungen üblich.

Premium-Mitgliedschaft – zusätzlich zwei Anwalts­schreiben

Am umfass­tensten ist die Premium-Mitgliedschaft (149 Euro pro Jahr). Der Kunde hat den außerge­richt­lichen Schutz und die Prozess­kosten­versicherung wie ein Pro-Kunde. Zusätzlich hat er Anspruch auf bis zu zwei Anwalts­schreiben, sofern sich der Streit mit dem Vermieter noch im außerge­richt­lichen Stadium befindet. Hat der Anwalt zum Beispiel einen Fehler in der Betriebs­kosten­abrechnung gefunden, schreibt er im Namen des Mieters auf Anwalts­brief­papier den Vermieter an. Ein solches Schreiben hat manchmal mehr Wirkung als ein von Mieter selbst formulierter Brief.

Mieterengel.de und Mieter­ver­eine im Vergleich

Die Webseite von „Mieterengel“ macht einen guten und leicht bedien­baren Eindruck. Viele klassische Mieter­ver­eine sind im Netz noch nicht so weit. Eine bequeme Webseite ist für jene attraktiv, die „von der Couch aus“ eine schnelle Antwort auf ihre mietrecht­liche Frage suchen. Allerdings bieten die Mieter­ver­eine auch eine persönliche Beratung, die Mieterengel.de gar nicht im Angebot hat. Es gibt komplizierte Rechts­fälle oder Fälle mit jahre­langer Vorgeschichte, die sich für eine telefo­nische Beratung oder eine Online­rechts­beratung nicht eignen, weil in einem gemein­samem längeren Gespräch erst einmal der relevante Kern des Streits heraus­gearbeitet werden muss. Hier ist eine persönliche Beratung beim Mieter­ver­ein oder in der Kanzlei eines Fach­anwalts für Mietrecht empfehlens­wert.

Das Angebot von Mieterengel.de ist nicht ganz billig

Zudem ist der Mieterengel nicht gerade billig. Mit Blick auf die Leistungen ist die Premium-Mitgliedschaft des Mieterengels (inklusive Prozess­kosten­schutz) etwa vergleich­bar mit der Mitgliedschaft im Mieter­ver­ein. Die kosten zum Beispiel in Berlin und München 108 Euro pro Jahr. Das vergleich­bare Angebot vom Mieterengel (Premium-Mitgliedschaft) liegt mit 149 Euro pro Jahr deutlich drüber. Wer bereits eine Rechts­schutz­versicherung inklusive Miet­rechts­schutz abge­schlossen hat, braucht weder Mieter­ver­ein noch Mieterengel. Er kann sowohl bei gericht­lichen wie bei außerge­richt­lichen Auseinander­setzungen einen Anwalt zu Rate ziehen, der dann notfalls auch Schreiben an den Streitgegner verfasst. Jede Rechts­schutz­versicherung hat auch eine Hotline zur schnellen Beant­wortung von Rechts­fragen.

Tipp: Die Stiftung Warentest testet auch Rechts­schutz­versicherungen (Vergleich Rechtsschutzversicherungen) und ordnet zahlreiche Rechts­angebote („Legal Techs“) für Sie ein (Günstig streiten mit Legal Techs).

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