Was verkauft wurde: Schnupfenmittel

Der Fall: Chronischer Schnupfen. Testkunde war ein Mann mittleren Alters: „Gu­ten Tag, ich hätte gern ein Mittel gegen meinen Schnupfen. Ich habe in den nächsten Tagen wichtige Termine und kann nicht ständig Taschentücher benutzen. Was können Sie mir empfehlen?“ Er fragte aktiv nach (wenn nicht zuvor schon angespro­chen): Wie lange kann ich das Mittel nehmen? Ich habe von Tabletten gegen Schnupfen gehört. Was sagen Sie dazu? Gibt es ein preisgünstigeres Mittel?

Die Aufgabe: Für den gewählten Testfall wurden Nasentropfen oder -sprays mit Sympathomimetika vom Typ Olynth als sinnvoll erachtet – zur Linderung der Begleitsymp­tome und für die kurzfristige Anwendung von bis zu sieben Tagen. Für die längerfristige Behandlung sind salzhaltige Mittel zur Befeuchtung der Nasenschleimhäute empfehlenswert. Erwartet wurde auch, dass das Krankheitsbild abgeklärt wird. Tabletten und Kombinationspräparate wurden kritisch bewertet. Sie können müde ma­chen, Herz und Kreislauf belasten, haben eine ungünstige Nutzen-Risiko-Relation.

Der Hintergrund: Chronischer Schnup­fen kann verschiedene Ursachen haben, unter anderem Allergien, Überempfindlichkeitsreaktionen, Infektionen, Nasennebenhöhlenentzündung, Polypen, Arzneimittelnebenwirkungen, Geschmacksverstärker, Schnupfenmittel-bedingter Schnupfen. Viele Nasentropfen oder -sprays enthalten Sym­pathomimetika. Die Wirkstoffe lassen die Nasenschleimhäute rasch abschwellen. Werden sie länger als eine Woche genommen, kann medikamentenbedingt ein chronischer Schnupfen entstehen. Etwa 100 000 Deutsche leiden daran.

Das Ergebnis: In jedem dritten Fall wurde Rhinopront verkauft. Es ist das am häufigsten verkaufte Präparat der Stichprobe, obwohl es für den getesteten Mo­dell­fall zu der am wenigsten geeigneten Arzneimittelgruppe gehört. In Rhinopront kommen Sympathomimetika und Antihistaminika kombiniert vor. Dreimal wanderte Sinupret forte über den Tisch. Dieses pflanzliche Mittel, eine Kombination von fünf Stoffen, ist für den Testfall „Schnupfen“ wegen seiner nicht sinnvollen Zusammensetzung ungeeignet. Nur einmal wurde ein salzhaltiges Spray (Rhinomer) zur Befeuchtung der Nasenschleimhäute empfohlen, bei chronischem Schnupfen ein sinnvolles Mittel. Für den kurzfristigen Aspekt des Modellfalls – freie Nase – dürfte es nur be­dingt geeignet sein. Das homöopathische Euphorbium wurde zweimal verkauft – zur raschen Linderung im Akutfall sind solche Homöopathika nicht geeignet.

Positiv: In jedem zweiten Fall wurden geeignete Nasensprays mit Sympatho­mimetika verkauft: Olynth, Nasenspray AL, Nasenspray E Ratiopharm, Nasenspray Heumann, Xylo von ct, Nasic. Nasivin Sanft und Olynth 0,1% o. K. sind sehr schonend, weil sie keine Konservierungsstoffe enthalten. Sie helfen im gewählten Fall, kurzfristig Symptome zu lindern (wie verstopfte Nase). Bei langer Anwendung fördern sie aber den Medikamentenschnupfen.

Übrigens: Nur 20 der 50 Apothekenmitarbeiter trugen ein Namensschild, nur 4 ein Schild mit Namen und Ausbildung. Die Be­ratung dauerte im Durchschnitt etwa vier Minuten. Die kürzeste Beratung gab es in Berlin: Dort brauchte der Berater nur eine Minute, um das Mittel auszuhändigen.

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