Beratung in Apotheken Test

Welches Mittel gegen Schnupfen oder was tun bei chronischer Verstopfung? 650 Millionen frei verkäufliche Medikamente gehen in deutschen Apotheken Jahr für Jahr über den Tresen: ohne Arztbesuch, ohne Rezept. Hier ist der Rat des Apothekers gefragt. Die Stiftung Warentest hat 50 Apotheken getestet. Ergebnis: Jede zweite Apotheke verkaufte ein ungeeignetes Abführmittel. Selbst beim vermeintlich simplen Thema Schnupfen lagen 21 Apotheker mit ihrem Rat daneben. test.de nennt Fakten.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Apotheken

Ungeeignete Mittel verkauft

Es ist nicht gut bestellt um den Service in deutschen Apotheken. Jede zweite Apotheke im Test verkaufte ein ungeeignetes Abführmittel. Bedenklich, denn die junge Testkundin - die der Apotheker auf etwa 20 bis 30 Jahre schätzen musste - war offensichtlich von Abführmitteln abhängig. „Dulcolax, Depuran und Agiolax wirken nicht mehr“, sagte die schlanke Frau im Beratungsgespräch. Trotzdem verkauften neun Apotheken wieder Dulcolax. Insgesamt schob jeder zweite Apotheker ein darmreizendes Abführmittel über den Tresen. Dabei hätten die Alarmglocken schrillen müssen. Viele Menschen missbrauchen Abführmittel zum Abnehmen. Sie werfen die Pillen regelmäßig ein. Der Darm gewöhnt sich daran, er wird träge: So führt das Mittel zur Verstopfung.

Abhängigkeit ignoriert

Nur knapp die Hälfte der Apotheker reagierte richtig und bot der offensichtlich abhängigen Testkundin Alternativen an: Quellmittel, Milchzucker und Leinsamen für eine normale Verdauung. Auch ein Klistier kann helfen: Es erleichtert die Darmentleerung bei akuter Verstopfung. Wer ohne Abführmittel gar nicht mehr klarkommt, sollte unbedingt zum Arzt. Trauriger Höhepunkt im Test: Einige Apotheker wiesen im Beratungsgespräch auf diese Alternativen hin, verkauften dann aber doch wieder ein darmreizendes Abführmittel. Die naheliegende Frage, für wen das Medikament bestimmt sei, wurde nur in 30 von 50 Apotheken gestellt. Dabei gehört diese Frage zu den Beratungsregeln der Apothekerverbände.

Schlechte Beratung

Paradox wirds beim vermeintlich simplen Thema Schnupfen. Hier lagen die Apotheker mit ihrem Rat insgesamt noch öfter daneben. Dafür verkauften sie häufiger geeignete Medikamente. Für die kurzfristige Behandlung eines Fließschnupfens sind die verkauften Nasensprays wie Olynth, AL, E Ratiopharm, Heumann, Nasic oder Xylo von ct durchaus angesagt. Sie machen die Nase frei. Bei langer Anwendung fördern sie aber den Medikamentenschnupfen. Das wurde dem Testkunden, der von einem chronischen Schnupfen sprach, oft verschwiegen.

Mehr Qualität gefragt

Resümee der Stiftung Warentest: Die Apotheken müssen nachlegen, wollen sie ihre eigenen Ansprüche erfüllen. Schließlich werben sie mit der Qualität der persönlichen Beratung, die den Versandapotheken im Internet angeblich fehlt. Tatsächlich kassiert der Apotheker ein Beratungshonorar: 8,10 Euro für jedes vom Arzt verschriebene Medikament. Gezahlt von Krankenkassen und Patienten. Etwa 500 Millionen Euro sollen so in diesem Jahr in die Kassen der Apotheken fließen. Umso wichtiger, dass die Beratung auch bei den rezeptfreien Präparaten stimmt: Hier ist der Apotheker oft der einzige Ratgeber des Patienten.

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