Beratung für Existenzgründer Test

Beratung für Existenzgründer. Sie sollte vor jeder Geschäftsgründung stehen und hilft, Fehlern vorzubeugen. Perfekt war im Test aber keine Beratung.

Die Idee ist geboren, das Grobkonzept steht. Haben Existenzgründer diese ersten Schritte in die Selbstständigkeit getan, ist es Zeit, sich mithilfe eines professionellen Beraters auf die Probe zu stellen – egal, ob sie eine Imbissbude oder einen wissenschaftlichen Dienst gründen wollen:

Habe ich etwas Wichtiges vergessen? Mich bei den Investitionen verkalkuliert? Ist der Standort gut gewählt? Habe ich genug Fachwissen? Weiß ich überhaupt, was auf mich zukommt, welche persönlichen Risiken eine Existenzgründung birgt?

Fehlende oder falsche Informationen sind laut Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie die häufigsten Ursachen dafür, dass ein Unternehmen scheitert. Vier von fünf Gründern beugen vor und gehen zu einer Beratungsstelle.

Von ihrem Gesprächspartner erwarten sie ein Urteil darüber, ob die Gründungsidee tragfähig ist. Grobe Fehler im Konzept sollten dem Berater auffallen.

Fehler absichtlich eingebaut

Beratung für Existenzgründer Test

Cornelia Erbs, 30, testete mit ihrer Geschäftsidee „Informationsarchitektur für ­Internetseiten“ drei Beratungsstellen für Existenzgründer. Ihr Fazit: „Jedes einzelne ­Gespräch war eine spannende Erfahrung und brachte neue Erkenntnisse.“

Wir haben 14 Tester mit verschiedenen Gründungskonzepten ausgestattet und sie zu mehr als 20 Existenzgründerberatungsstellen geschickt. Unsere Experten haben zuvor alle Konzepte auf Herz und Nieren geprüft und anschließend Fehler und Unstimmigkeiten eingebaut. Die sollten die Berater finden.

60 Beratungsgespräche absolvierten die Tester bei vier Anbietergruppen. In ganz Deutschland besuchten sie Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie Handwerkskammern (HWK), in Berlin und Umgebung ließen sie sich in technologieorientierten Einrichtungen beraten. Auch spezielle Beratungsstellen für Frauen haben wir in die Auswahl einbezogen.

Bei der Suche nach den Schwachstellen im Konzept schlugen sich einzelne Profis gut, die meisten aber nur mäßig. Einen anderen Mangel hatten alle Beratungsstellen gemeinsam: Fragen zur Person der Existenzgründer kamen überwiegend zu kurz.

Die wenigsten Berater fragten nach der Lebenssituation des Ratsuchenden oder wollten wissen, wie die Familie zum Vorhaben steht. Kaum einer fragte, wo der Existenzgründer seine persönlichen Stärken und Schwächen sieht.

Auch der individuelle Grund für das Streben nach Selbstständigkeit interessierte kaum einen Berater im Test. Das ist fatal, denn oft entscheidet die Motivation über Wohl oder Wehe einer Unternehmensgründung. Die KfW Bankengruppe fand in einer Befragung aus dem Jahr 2007 heraus, dass vor allem jene besonders häufig scheitern, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen.

Trotz dieser Mängel hielten unsere Tester die Beratungsgespräche für nützlich.

Cornelia Erbs hat als Testerin drei Beratungsgespräche für uns mitgemacht, zwei gute in den Berliner Frauenberatungsstellen Akelei und Gründungskonzept und ein problematisches im Gründerzentrum Go Panke Berlin. Selbst ihr schlechtestes Gespräch fand sie nicht vergebens: „Aspekte, die in einer Einrichtung angesprochen wurden, kamen in der nächsten zu kurz – und umgekehrt.“

Vom Imbissstand bis zur Filmfirma

Je nach Ausbildung und beruflichen Vorerfahrungen gingen unsere Testfrauen und -männer mit ganz unterschiedlichen Geschäftsideen ins Rennen: Die eine wollte eine Filmproduktionsfirma für Wissenschaftsdokumentationen gründen, der andere einen Imbiss für Vollwertkost aufmachen. Auch ein Sachverständigenbüro für Bäume mit angeschlossenem Baumhandel war dabei.

Cornelia Erbs stellte sich mit dem Konzept der „Informationsarchitektur“ vor. Sie möchte Kunden dabei beraten, digitale Anwendungen wie zum Beispiel Internetseiten so zu gestalten, dass Inhalt und Design optimal ineinandergreifen.

Frauen brauchen besondere Beratung

Frauen stehen bei der Existenzgründung oft vor einer Reihe von Problemen, die männliche Gründungswillige so nicht haben. Frauen werden nicht nur stärker von der Familie in Anspruch genommen, die Gründerinnen haben oft auch weniger Geld zur Verfügung, das sie zum Aufbau ihrer Selbstständigkeit einsetzen können. In Bankgesprächen werden sie außerdem oft kritischer beurteilt als Männer.

Da ist es gut, wenn die Gründerinnen spezielle Frauenberatungsstellen aufsuchen können, die auf die Unterschiede eingehen. In unserem Test schnitten diese Einrichtungen im Vergleich zu den anderen Anbietertypen besonders gut ab. Hier fühlten sich die Testerinnen aufgehoben, akzeptiert und erlebten die Beraterinnen als sehr engagiert. Leider sind Einrichtungen für Gründerinnen in Deutschland rar gesät.

Cornelia Erbs, die zwei der drei Beratungsstellen für Existenzgründerinnen besuchte, lobte vor allem die Vorbereitung der Beraterinnen: „Sie hatten von sich aus darum gebeten, dass ich ihnen mein Konzept vorher zusende.“ Im Gespräch wurde deutlich, dass sie sich damit auch gründlich auseinandergesetzt hatten: „Die Beraterin bei Akelei fand sogar den eingebauten Kardinalfehler in meinem Konzept.“

In den Prüfpunkten „Service“ und „Auseinandersetzung mit dem Gründungsmodell“ hatte die Frauenberatungsstelle Gründungskonzept die Nase vorn. Eine sehr gute Bewertung für die Beratungskompetenz verpasste sie nur knapp.

IHK Hannover weit vorn

Eine ähnlich hohe Bewertung erhielt sonst nur die Industrie- und Handelskammer in Hannover. Für die meisten Existenzgründer ist eine IHK die erste Anlaufstelle. Im Jahr 2007 führten die Berater in ganz Deutschland knapp 290 000 Einstiegsgespräche zur Selbstständigkeit durch.

Neben den Industrie- und Handelskammern bieten auch die Handwerkskammern eine allgemeine und zudem kostenlose Gründerberatung an. Wer sich mit einem Handwerksberuf selbstständig machen möchte, ist bei den Handwerkskammern an der richtigen Adresse.

Berater selbst stand im Mittelpunkt

Technologieorientierte Beratungsstellen wollen vor allem junge, innovative Unternehmen anlocken. Siedelt sich ein Existenzgründer in einem Technologiezentrum an, kann er in der Regel auf eine gut ausgebaute Infrastruktur und ein gutes Kontaktenetz vor Ort bauen.

Auch Cornelia Erbs wäre mit ihrem Modell als „Informationsarchitektin“ hier eigentlich an der richtigen Adresse gewesen. Allerdings fühlte sie sich vom Berater des Gründerzentrums Go Panke in Berlin eher ignoriert: „Ich war Nebensache. Im Mittelpunkt stand der Berater selbst.“ Das zuvor zugeschickte Gründungskonzept hatte er sich nicht angesehen.

Seinen Tipp, sie solle ruhig Schulden machen, das gehöre schließlich zum Gründen dazu, fand Cornelia Erbs fragwürdig. Genauso wie den Rat, Kundenreferenzen auch mal zu erfinden. Seine Referenzmappe sei auch so entstanden, sagte ihr der Berater.

Immerhin sei die Finanzierungsplanung konkret und sehr greifbar gewesen, urteilte Cornelia Erbs. Doch keine der fünf technologieorientierten Einrichtungen kam in einer der untersuchten Kategorien über die Bewertung „Mittelmaß“ hinaus.

Mehr Gründungen als Teilzeitjob

Wer unsicher ist, welche Beratungsstelle für sein Anliegen zuständig ist, sollte sich zuvor telefonisch informieren. Auch für Gründungen im Nebenerwerb sind die Beratungsstellen zuständig.

Gründungen in Teilzeit liegen im Trend. Seit einigen Jahren nimmt die Zahl derer, die ausschließlich mit ihrem eigenen Unternehmen Geld verdienen wollen, stetig ab. Über die Hälfte aller Gründer kombinieren die berufliche Selbstständigkeit entweder mit einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis oder mit Haus- und Familienarbeit.

Service war in Ordnung

Im Prüfpunkt Service hinterließen fast alle untersuchten Beratungsstellen bei unseren Testern einen positiven Eindruck. Terminvereinbarung und die Atmosphäre im Gespräch waren in Ordnung. Beratungskosten fielen meist nicht an, und wenn doch, waren sie für den Kunden erkennbar.

Unrühmliche Ausnahme war erneut das Gründerzentrum Go Panke. Testerin Cornelia Erbs zeigte sich überrascht: „Der Berater begrüßte mich in einer Werkstatt für ­Motorroller-Ersatzteile. Unser Gespräch fand an einem Biertisch statt und wurde von einer lauten Maschine unterbrochen, die urplötzlich ansprang und minutenlang lief.“ Das Gespräch zerrte an den Nerven der 30-jährigen Testerin. Wäre sie nicht für Finanztest im Einsatz gewesen, hätte sie es abgebrochen.

Nach der Beratung beginnt die Arbeit

Eine Existenzgründung ist kein Ereignis, sondern ein Prozess. Nach der Erstberatung geht die Arbeit weiter. Vielleicht muss der Gründer das Konzept überarbeiten, geeignete Räume für das Geschäft finden oder die Bank von seiner Kreditwürdigkeit überzeugen.

Viele Beratungsstellen bieten eine Begleitung für diese Schritte an, darunter Einrichtungen für Frauen, aber auch private Unternehmensberatungen. Diese Hilfe kostet allerdings leicht ein paar Hundert Euro und macht erst dann Sinn, wenn es um konkrete steuerliche, wirtschaftliche oder vertragliche Fragen geht.

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