Beratung der Verbraucherzentralen Meldung

vzbv-Vostand Gerd Billen. Foto: Dominik Butzmann

Viele Verbraucherzentralen (VZ) werden wohl die Preise für ihre Beratungsangebote erhöhen. Hintergrund: Von Anfang 2012 müssen die Verbraucherschützer von den Beratungshonoraren 19 Prozent statt bisher 7 Prozent Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Gerd Billen, Vorstand des Verbaucherzentrale Bundesverbands (vzbv), fordert zumindest einen Ausgleich.

Beratung für alle Fälle

Für viele Verbraucher ist die Beratung der Verbraucherzentrale die einzige Chance, um sich im Einzelfall unabhängig und verlässlich zu informieren. Die Angebote reichen vom Verbrauchertelefon der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt für ein Euro pro Minute bis zur anderthalbstündigen Baufinanzierungsberatung, die bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen etwa derzeit 150 Euro kostet.

Klarheit über die Rente

Aktuelles Beispiel aus der Finanztest-Berichterstattung: Eheleute Czarnowski aus Niedersachsen hatten nach Beratung durch ihre Bank Fondsanteile gekauft, um die Rente aufzubessern. Doch die Ausschüttungen blieben aus. Die Beratung der Verbraucherzentrale in Hannover schaffte Klarheit: Der Fonds, den der Bankberater den Senioren empfohlen hatte, war für die verlässliche Aufbesserung der Rente nicht geeignet. Aber: Die Senioren haben gute Chancen auf Schadenersatz, erklärte der VZ Berater. Die Eheleute schalteten wie von der Verbraucherzentrale empfohlen eine Rechtsanwältin ein und erhielten schließlich vollen Schadenersatz.

Finanzminister kassiert mehr

Ob und zu welchem Preis die Verbraucherzentralen ihre Beratung ab Neujahr 2012 anbieten können, steht noch nicht endgültig fest. Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), erwartet: Die Beratung vieler Verbraucherzentralen wird wegen der höheren Umsatzsteuer entweder teurer oder seltener. Insgesamt belaste die Steueränderung die Verbraucherzentralen bundesweit mit 850 000 Euro.

Verbraucherschützern bleibt weniger

Beispiel Baufinanzierungsberatung in Nordrhein-Westfalen: Von den 150 Euro für eine Baufinanzierungsberatung bleiben den Verbraucherschützern nach Zahlung der Umsatzsteuer künftig nur noch 126,05 statt bisher 140,19 Euro, um die hoch qualifizierten Mitarbeiter, Material, Räume und alle sonstigen Ausgaben zu bezahlen. Allgemein ausgedrückt: Die Verbraucherzentralen verlieren durch die Umsatzsteuererhöhung auf einen Schlag über 10 Prozent ihrer Einnahmen für Beratungen.

Wenig Aussicht auf Ausgleich

Bei den Verbraucherzentralen mehr Umsatzsteuer zu kassieren, während gleichzeitig die Abgaben für Glücksspiele um fast 12 Prozentpunkte sinken, sei ein Hohn, schimpft vzbv-Vorstand Gerd Billen. Zumindest müssten die Länder die Einbußen der Verbraucherzentralen ausgleichen. Bisher haben aber nur Berlin, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern einen Ausgleich in Aussicht gestellt.

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