Beitrags­satz Meldung

Nach der großen Beitrags­erhöhungs­welle zum 1. Januar hat mit der BKK Mobil Oil erst­mals eine weitere gesetzliche Krankenkasse ihren Beitrag erhöht. Ihre mehr als 760 000 Mitglieder zahlen ab 1. April einen Beitrags­satz von 15,7 Prozent. Dies sind 0,3 Prozent­punkte mehr als bisher. Noch Ende 2014 hatte die BKK Mobil Oil angekündigt, bis zum Jahr 2017 sei „keine Erhöhung geplant“.

Kasse rudert zurück

„Stark gestiegene Leistungs­ausgaben“ sowie reduzierte Zuweisungen aus dem Gesund­heits­fonds, von denen die Kasse im Februar erfahren habe, seien der Grund für die Beitrags­erhöhung, teilte die BKK Mobil Oil jetzt mit. Vor allem für Klinik­leistungen und Medikamente habe sie mehr Geld ausgeben müssen. Mehr als die Hälfte der bundes­weit geöff­neten Kassen verlangt bereits seit Januar einen höheren Beitrag. Nun zog auch die BKK Mobil Oil nach. Zusätzlich zum allgemeinen Beitrags­satz von 14,6 Prozent, der von Arbeit­geber und Arbeitnehmer je zur Hälfte getragen wird, verlangt sie einen Zusatz­beitrag von 1,1 Prozent. Er muss allein vom Arbeitnehmer gezahlt werden.

BKK Mobil Oil informiert zu spät

Eine Krankenkasse, die den Beitrag erhöht, muss ihre Mitglieder recht­zeitig schriftlich darüber informieren. Das schreibt das Sozialgesetz­buch vor. Diese Information müsse spätestens am letzten Tag des Monats vor der Beitrags­erhöhung bei den Versicherten ange­kommen sein, so eine Sprecherin des Bundes­versicherungs­amtes, das die Kassen beaufsichtigt. Diese Frist hat die BKK Mobil Oil verstreichen lassen. Die Information mit Datum „im März 2016“ erreichte ihre Mitglieder erst in der ersten April-Woche.

Zwei-Monats-Frist für den Wechsel

Doch für Kunden, die die Kasse nach einer Beitrags­erhöhung wechseln wollen, hat dies nur gering­fügige praktische Auswirkungen.* Mit dem Sonderkündigungs­recht können sie die Kündigung bis zum Ende des Monats erklären, in dem der erhöhte Zusatz­beitrag erst­mals erhoben wird. Bei einer verspäteten Information der Kasse verlängert sich diese Möglich­keit einfach um den Verspätungs­zeitraum. Mitglieder der BKK Mobil Oil können also jetzt zum 30. Juni kündigen und ihre Kasse wechseln. Die Mitgliedschaft in der neuen Kasse beginnt dann am 1. Juli. Generell gilt: Wer seiner Kasse länger als 18 Monate angehört, kann jeder­zeit mit einer Kündigungs­frist von zwei Monaten wechseln. Wer weniger als 18 Monate Mitglied seiner Kasse ist, hat ein Sonderkündigungs­recht, wenn der Beitrag erhöht wird.

Geld aus dem Finanz­ausgleich

Die BKK Mobil Oil gehört zu einer Gruppe von 13 Kassen, die Ungerechtig­keiten beim Finanz­ausgleich zwischen den Kassen beklagen. Neben einer Reihe anderer Faktoren werden hier die Durch­schnitts­kosten von 80 Krankheiten berück­sichtigt. Kassen, die viele kranke Versicherte haben, sollen dafür einen Ausgleich erhalten. Auch die Zahl der Krankengeld­empfänger und Erwerbs­minderungs­rentner spielt eine Rolle. Die 13 Kassen, die für eine Änderung des Finanz­ausgleichs eintreten, wollen beispiels­weise nicht, dass für jeden Erwerbs­minderungs­rentner extra Geld ausgeschüttet wird. Denn dies bevor­zuge die Allgemeinen Orts­krankenkassen. Wie hoch der Beitrags­satz einer Kasse ist, hängt also nicht nur davon ab, wie gut sie wirt­schaftet und welche Extra­leistungen sie bietet. Es kommt auch darauf an, wie viel Geld sie aus dem Ausgleichs­topf bekommt.

Nicht um jeden Preis wechseln

Zwar sind mehr als 95 Prozent der Leistungen gesetzlich vorgeschrieben. Doch viele Kassen bieten darüber hinaus Extras, durch die sie sich von ihren Mitbewerbern unterschieden. Solche Extras sind beispiels­weise besondere Behand­lungs­programme für chro­nisch Kranke, eine Geschäfts­stelle in Wohn­ortnähe oder Geld für eine professionelle Zahn­reinigung. Kassen­mitglieder sollten daher nicht nur auf den Beitrag schauen, sondern auch auf die Extra­leistungen und den Service ihrer Kasse. Darüber informiert unser Produktfinder Gesetzliche Krankenkasse. Er zeigt die aktuellen Beitrags­sätze für 75 gesetzliche Krankenkassen – und damit für 96 Prozent der gesetzlich Versicherten – und informiert über zusätzliche Leistungen und Service-Angebote der jeweiligen Kasse.

* korrigiert am 8. April 2016

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