Risiko­einstufung von Fonds: So schätzen Anleger ihre Risiken richtig ein

Die neuen Informations­blätter für Fonds verschaffen Kunden einen guten Über­blick. Allerdings ist bei Fonds, die in fremder Währung anlegen, auf die „wesentlichen Anleger­informationen“ kein Verlass.

Beipack­zettel für Fonds Special

So schätzen Anleger ihre Risiken richtig ein.

In den wesentlichen Anleger­informationen, die jede Fonds­gesell­schaft seit dem 1. Juli 2011 für in Deutsch­land aufgelegte Fonds erstellen muss, wird jeder Fonds einer von sieben Risikoklassen zuge­ordnet. Davon ausgenommen sind offene Immobilienfonds. Sie müssen die Risiken nur verbal beschreiben.

Im Ideal­fall sollten sich diese sieben Risikoklassen auch im Beratungs­protokoll wieder­finden, das Berater von Banken und Sparkassen seit dem 1. Januar 2010 bei jeder Anla­geberatung ausfüllen müssen. Wir haben fest­gestellt, dass das jedoch oft nicht der Fall ist. Eine gute Lösung für das Problem hat die Volks­bank Mittel­hessen gefunden. Sie erklärt auf einem Produkt­blatt, der zu jedem Fonds neben der wesentlichen Anleger­information heraus­gegeben wird, wie das im Beratungs­protokoll fest­gelegte Risiko­profil des Kunden zur Risikoklasse des Fonds passt.

Die fünf Risiko­typen, die von „konservativ“ über „risikoscheu“ und „risiko­bereit“ bis hin zu „spekulativ“ und „hoch­spekulativ“ reichen, wurden dazu den sieben Risikoklassen in der wesentlichen Anleger­information zuge­ordnet (siehe Tabelle auf Seite 44 oben).

Berechnung des Risikos

Die Risikoklasse wird von einem Risikoindikator, dem sogenannten „Synthetic Risk and Reward Indicator“ (SRRI) abge­leitet. Dabei handelt es sich um eine Größe, die die Wert­schwankungen des Fonds betrachtet, in der Regel die der letzten fünf Jahre.

Je höher die Risikoklasse ist, desto höher ist auch die Schwankungs­breite eines Fonds. So landet etwa der in Euro notierte Geldmarkt­fonds Carmignac Court Terme in der nied­rigsten Risikoklasse, weil er nur geringe Schwankungen aufweist. Beim DWS Deutsch­land, der schwer­punkt­mäßig in deutsche Aktien investiert, liegen die Schwankungen über 25 Prozent. Mit diesem Wert kommt der Fonds in die höchste Risikoklasse.

Bei Fonds, die neu auf dem Markt sind, kann das Risiko anhand simulierter Wert­schwankungen ermittelt werden. Dies passiert auf der Grund­lage eines Vergleichs­indexes oder Vergleichs­portfolios, mit dem sich der Fonds misst. Dieser Vergleichs­index muss im Fonds­prospekt ausgewiesen werden. Wie treff­sicher solche Simulationen sind, ist allerdings fraglich.

Gefähr­liches Wechsel­kurs­risiko

Die Risiko­einstufung eines Fonds kann für Anleger in die Irre führen, wenn Fonds in Fremdwährung rechnen und das Wechsel­kurs­risiko für Anleger nicht berück­sichtigen.

Für alle Fonds, die in Fremdwährung rechnen, sollten Anleger sich ausschließ­lich auf die Risiko­einstufung von Finanztest verlassen. Denn anders als es die Fonds­gesell­schaften tun, die das Risiko eines Fonds aus Produktsicht betrachten, bewertet Finanztest es aus Sicht des Anlegers.

Die Finanztest-Risikoklassen

Für Finanztest-Leser, die eine feinere Differenzierung der Risiken von Fonds insbesondere in den hohen Risikoklassen gewohnt sind, haben wir eine Zuordnung zu den Risikoklassen in den wesentlichen Anleger­informationen vorgenommen (siehe Tabelle).

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