Nutzen und Schaden: Zu viele Verordnungen

Die Verordnungszahlen für Antibiotika sind zwar in den vergangenen Jahren rückläufig, doch immer noch auf einem hohem Niveau.

Mehr als 500 Präparate. In Deutschland stehen Antibiotika heute auf Platz drei der am häufigsten verordneten Arzneimittelgruppen (knapp 38 Millionen ausgestellte Verordnungen im Bereich der gesetzlichen Krankenversiche­rung im Jahr 2004). Die Ausgaben haben an den Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenver­siche­rung einen Anteil von 5,6 Prozent. Mehr als 500 unterschiedliche Präparate wurden 2004 verordnet. Der Umsatz zulasten der gesetzlichen Krankenversiche­rung lag bei 840 Millionen Euro. Im Schnitt kostet eine antibiotische Tagesbehandlung 2,57 Euro. Antibiotikaverschrei­bungen erreichten vor zehn Jahren einen Höchststand. Bis 2004 sank der Verbrauch um knapp 25 Prozent. Im europä­ischen Vergleich nimmt Deutschland damit eine mittlere Position ein.

Im Westen mehr. Es zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: So verordnen Ärzte im Westen deutlich mehr Antibiotika als im Osten. Die Gründe dafür sind nicht geklärt. Eventuell geht man im Osten mit Infektionen anders um als im Westen.

Spitzenreiter Frankreich. Absoluter Spitzenreiter beim Antibiotikaverbrauch ist Frankreich. So erhielten im Jahr 2002 in Frankreich 32 von 1 000 Einwoh­nern täglich ein Antibiotikum, in den Niederlanden nur 10. Der Verbrauch liegt beim Spitzenreiter Frankreich rund viermal so hoch wie beim Schlusslicht Niederlande und fast zweieinhalbmal so hoch wie hier. Problem: Resistente Keime kennen keine Grenzen, können rasch einwandern und die regionale Situation erheblich beeinflussen.

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