Bauversicherungen Test

Bauherren sollten eine Haft­pflicht- und eine Bauleistungs­versicherung abschließen. Die Preis­unterschiede sind enorm.

Als Annette Flohr­schütz und Marcus Mathias sich den Traum vom Eigenheim erfüllen wollten, war von Anfang an klar: „Ohne eine Bauherren-Haft­pflicht- und Bauleistungs­versicherung fangen wir gar nicht erst an.“ Die beiden sind selbst Architekten und wissen um die Gefahren, die von einer Baustelle ausgehen können.

Das Berliner Paar entschied sich für den Bau eines Reihen­hauses im Berliner Stadt­teil Rummels­burger Bucht und schloss sich einer Baugruppe an. „In unserem Fall war für die Bauausführung, aber auch die notwendigen Versicherungen der beauftragte Architekt zuständig“, erklärt Mathias.

Für die Versicherungs­beiträge kam jeder der acht Bauherren aus der Baugruppe selbst auf. Rund 446 Euro zahlte das Paar für einen Rund­umschutz während der einjährigen Bauzeit.

Kümmert sich kein Architekt oder Bauträger um den Versicherungs­schutz, muss der Bauherr allein die nötigen Versicherungen abschließen. Finanztest hat die wichtigsten Policen für Bauherren getestet. Der Schutz kostet nur einen Bruch­teil der gesamten Bausumme. Doch die Preis­unterschiede sind enorm.

Eine Bauherren-Haft­pflicht­versicherung für dasselbe Haus kostet bei der Huk-Coburg Allgemeine 98 Euro und bei der Allianz 315 Euro.

Eine Bauleistungs­versicherung für diese Baustelle kostet bei der Zurich 214 Euro und 1 071 Euro bei der Allianz. Ob günstig oder teuer – die Leistungen sind vergleich­bar.

Bauherren-Haft­pflicht­versicherung

Die Haft­pflicht­versicherung für Bauherren schützt diese vor Ansprüchen auf Schaden­ersatz, wenn Dritte auf der Baustelle zu Schaden kommen.

Ein Passant wird durch herab­fallende Bauteile getroffen, ein Kind stürzt in eine Baugrube, ein Auto gerät durch den Bauschlamm auf der Straße ins Schleudern. Das ist alles schon vorgekommen.

Werden Menschen verletzt, können die Schaden­ersatz­ansprüche im schlimmsten Fall in die Millionenhöhe gehen: Arzt-, Kranken­haus- und Pflege­kosten, Verdienst­ausfall, Schmerzens­geld und möglicher­weise eine lebens­lange Rente für die Opfer oder Hinterbliebenen.

Der Beitrag für die Versicherung richtet sich nach der Höhe der Bausumme. Der güns­tigste Anbieter Huk-Coburg Allgemeine verlangt für eine Bausumme bis 250 000 Euro einmalig 98 Euro. Kommen Dritte zu Schaden, sind sie darüber bis zu 15 Millionen Euro Versicherungs­summe geschützt.

In unserem Test bieten 9 von 40 Versicherern ohne Mehr­beitrag einen Rund­umschutz, der auch Sach­schäden umfasst, die zum Beispiel durch die allmähliche Einwirkung von Feuchtig­keit, Senkung des Grund­stücks oder Erdrutsch verursacht werden. Wenige Versicherer bieten die Möglich­keit, solche wichtigen Leistungen gegen Mehr­beitrag mitzuver­sichern.

Viele Bauherren fragen sich, warum sie eine spezielle Haft­pflicht­versicherung benötigen, wenn sie doch gar nicht selbst bauen, sondern sach­verständige Menschen für sich bauen lassen. Sie beauftragen schließ­lich einen Architekten mit Planung, Statik und Bauleitung, einen Bauunternehmer und die Bauhand­werker mit der Ausführung.

Architekt Marcus Mathias erklärt: „Der Bauherr trägt trotzdem die Verantwortung für die Sicherheit. Schließ­lich hat er das Bauvorhaben veranlasst.“ Welche Pflichten er hat, regelt die Baustellen­ver­ordnung (siehe „Haftung am Bau“).

Privathaft­pflicht kann ausreichen

Für den Umbau oder Ausbau einer Immobilie in Eigen­leistung, etwa einen Dach­ausbau, ist meist keine spezielle Bauherren-Haft­pflicht­versicherung nötig. Denn viele Privathaft­pflicht­versicherungen decken schon kleinere Bauvorhaben ab. Je nach Police greift der Schutz bis zu einer Bausumme von 25 000 Euro, 100 000 Euro oder sogar unbe­grenzt.

Flohr­schütz und Mathias bauen in diesem Jahr die erste Etage ihres Reihen­hauses aus. Ein zusätzliches Bad und Kinder­zimmer stehen auf dem Programm. In ihrer Privathaft­pflicht­police sind Bauvorhaben bis 50 000 Euro mitversichert. „Die Summe reicht völlig“, sagt Mathias. Stolpert ein Besucher auf der Baustelle und verletzt sich schwer, springt der Privathaft­pflicht­versicherer ein.

Bauleistungs­versicherung

Geht es nicht um Schäden, die andere erleiden, sondern um solche am eigenen Bau, kommt die Bauleistungs­versicherung ins Spiel. Sie hilft beispiels­weise, wenn ein Sturm das Mauer­werk einreißt, eine Über­schwemmung die Bausubstanz beschädigt oder Diebe bereits einge­baute Heizkörper oder Türen mitnehmen.

Werden Teile des Rohbaus oder der Baumaterialien während der Bauphase zerstört oder beschädigt, kann das ohne Versicherung teuer werden. Bei knapper Kalkulation und ohne größere Rück­lagen – was bei Bauherren schon mal vorkommt – können größere Schäden den ganzen Finanzierungs­plan durch­einander bringen.

Im güns­tigsten Fall kostet der Versicherungs­schutz in unserem Test einmalig 214 Euro bei der Zurich. Bei anderen güns­tigen Versicherern wie Medien oder Ostangler zahlen Bauherren 327 Euro.

Bei ihnen sind zum Beispiel Schäden an einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach mitversichert – voraus­gesetzt, die Anlage ist in der Bausumme enthalten. Andere Versicherer bieten den Schutz gegen Aufpreis an.

Der Diebstahl von Baumaterialien oder Werk­zeugen ist allerdings nie mitversichert. Dieses Risiko über­nimmt kein Versicherer. Auch Schäden durch normale Witterungs­einflüsse sind durch die Police nicht gedeckt. Für Risse am Beton oder Senk­schäden durch Frost, mit denen in der Bauzeit zu rechnen war, braucht die Versicherungs­gesell­schaft nicht zu zahlen. Die Bauherren müssen dafür sorgen, dass ihr Bau frostsicher ist.

Feuerrohbau­versicherung

Schäden durch Brand, Blitz­schlag und Explosion sind ebenfalls nicht durch die Bauleistungs­versicherung gedeckt. Für solche Fälle müssen sich Bauherren extra versichern. Sie benötigen eine Feuerrohbau­versicherung, die einspringt, wenn der Rohbau durch einen Brand beschädigt wird.

Bei den Berlinern Flohr­schütz und Mathias war im Rundum-Versicherungs­paket für die Bauzeit auch eine Feuerrohbau­versicherung enthalten, die zum Ende der Bauzeit auto­matisch endete. „Als wir dann in das Haus einge­zogen sind, haben wir sofort eine Wohn­gebäude­versicherung abge­schlossen“, sagt Mathias. Denn das Haus muss natürlich weiterhin bei Feuer versichert sein und möglichst auch bei Sturm- und Leitungs­wasser­schäden (siehe Tabelle „Optimaler Schutz fürs Eigenheim“)

Die Feuerrohbau­police liegt nicht nur im Interesse des Bauherrn, sondern auch in dem der Banken, die das Bauvorhaben finanzieren. Aus diesem Grund verlangen immer mehr Baufinanzierer eine solche Versicherung, bevor sie Darlehen gewähren.

Die Feuerrohbau­versicherung können Bauherren gegen einen Extrabeitrag als Ergän­zung zu einer Bauleistungs­versicherung bekommen.

Oder sie schließen gleich eine Wohn­gebäude­versicherung ab. Denn die meisten Wohn­gebäude­versicherer decken Feuerschäden inner­halb der Bauzeit für den Rohbau mit ab.

Der Bauherr sollte nur daran denken, die Police früh genug abzu­schließen, damit der Versicherungs­schutz recht­zeitig wirk­sam wird.

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