Bausparvertrag Meldung

Bettina Föge hat Mitte der 90er Jahre als Auszubildende einen Bausparvertrag abgeschlossen, der jetzt zuteilungsreif ist. Verzichtet sie auf ihren Darlehensanspruch, verzinst die Bausparkasse ihr Guthaben mit 4,75 ­Prozent.

Bausparvertrag. Sparer müssen das Darlehen aus ihrem Vertrag nicht nutzen. Sie können auch weitersparen wie bisher. Manchmal ist es sinnvoll, die Bausparsumme zu erhöhen.

Viel Geld hatte Bettina Föge nicht, als sie Mitte der 90er Jahre eine Ausbildung zur Bankkauffrau machte. Trotzdem wollte sie für die Zukunft etwas zur Seite legen.

Dafür, so fand sie, bot sich ein Bausparvertrag an. Sie zahlte dort ihre vermögenswirksamen Leistungen in Höhe von monatlich 78 Mark ein. Zusätzlich bekam sie vom Staat aufgrund ihres geringen Einkommens sowohl Wohnungsbauprämie als auch Arbeitnehmersparzulage.

Die Bausparsumme wählte sie mit 25 000 Mark (12 782,30 Euro) niedrig, weil sie außer den vermögenswirksamen Leistungen kein Geld zum Anlegen hatte.

Mittlerweile sind mehr als sieben Jahre vergangen, Bettina Föge hat über 50 Prozent der Bausparsumme angespart. Ihre Bausparkasse hat sie kürzlich informiert, dass der Vertrag zur Zuteilung bereit ist. Sie könnte das angesparte Guthaben bekommen und über den Rest der Bausparsumme ein Darlehen aufnehmen.

Aber bauen will die 30-Jährige nicht, und auch ein Wohnungskauf steht für die Frau, die in Frankfurt am Main lebt, zurzeit nicht zur Diskussion.

Doch ist Bettina Föge gar nicht dazu verpflichtet, das Geld in eine Immobilie zu investieren. Bausparen ist zwar dazu gedacht, sich durch zielgerichtetes Sparen das Recht auf ein günstiges Darlehen für wohnwirtschaftliche Zwecke zu sichern. Aber sie kann ihr angespartes Guthaben auch für etwas ganz anderes, beispielsweise den Kauf eines Autos, verwenden.

Bettina Föge darf dann trotzdem die Wohnungsbauprämie und alle anderen staatlichen Zulagen behalten, da ihr Vertrag schon seit über sieben Jahren läuft. Nur wer ihn vorher auflöst, muss die Zulagen zurückzahlen.

Der Bausparer sollte sein Guthaben allerdings nicht von heute auf morgen benötigen: Nach der Kündigung können bis zu sechs Monate vergehen, bis das Geld auf dem Girokonto ist.

Alte Verträge bieten gute Zinsen

Bettina Föge hat erst einmal auf die Zuteilung verzichtet und zahlt lieber weiter in den Vertrag ein: „Für mich ist der Bausparvertrag zurzeit eine interessante sichere Geldanlage“, sagt sie.

Zwar ist die Verzinsung mit einem Basiszins von 2,25 Prozent auf den ersten Blick nur durchschnittlich. Doch die Kasse stockt den Zins nachträglich um einen Bonus von 2,5 Prozent pro Jahr auf, wenn Bettina Föge auf das Darlehen verzichtet und sich nur das Guthaben auszahlen lässt. Damit kommt sie auf eine attraktive Gesamtverzinsung von 4,75 Prozent.

Viele Bausparverträge, die in den 90er Jahren abgeschlossen wurden, bieten bei Darlehensverzicht Zinsen von bis zu 5 Prozent. Für eine Einmalanlage über fünf Jahre ohne vorzeitige Verfügbarkeit bekäme Bettina Föge zurzeit nur bis zu 4 Prozent Zinsen.

Weitersparen lohnt sich also oft. Schluss ist aber spätestens, wenn das Guthaben so hoch ist wie die Bausparsumme.

Verzichten Kunden auf ihr Darlehen, bekommen sie bei einigen Kassen außerdem die Abschlussgebühr in Höhe von 1,0 oder 1,6 Prozent der vereinbarten Bausparsumme erstattet. Auch die Bausparkasse von Bettina Föge macht das.

Bausparsumme erhöhen

Solange Bettina Föge ihren Vertrag weiterführt, behält sie ihren Anspruch auf ein Darlehen. Doch bei ihrem Vertrag lohnt sich der Kredit sowieso nicht.

Sie müsste nicht nur 4,5 Prozent Kreditzinsen plus 2 Prozent Darlehensgebühr zahlen. Sie würde auch den hohen Bonus verlieren und bekäme die Abschlussgebühr nicht zurück. Ihr Darlehen würde sie effektiv rund 10 Prozent kosten.

Viele haben jedoch einen klassischen Bausparvertrag. Dieser verzinst das Guthaben meist nur mit 2,5 Prozent, bietet dafür aber auch einen günstigen Darlehenszins von effektiv rund 5 Prozent.

Wer einen solchen klassischen Vertrag hat, aber erst in einigen Jahren bauen will, sollte seine Bausparsumme erhöhen, wenn er bereits die für die Zuteilung notwendigen 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme (je nach Tarif) angespart hat. Erhöht er die Bausparsumme nicht, schmälert er nämlich mit allen weiteren Einzahlungen sein maximal mögliches Darlehen.

Nehmen wir an, ein Kunde mit einer Bausparsumme von 50 000 Euro hat bereits die notwendigen 40 Prozent, also 20 000 Euro, angespart, braucht aber erst in vier Jahren das Darlehen. Dann sollte er die Bausparsumme so erhöhen, dass er bis zum Jahr 2008 die erforderlichen 40 Prozent der neuen Summe auf dem Konto hat.

Dafür muss er wissen, wie viel er sparen kann. Bei monatlich 200 Euro hätte er im Jahr 2008 bei einem Sparzins von 2,5 Prozent rund 32 200 Euro auf dem Konto. Er sollte die Bausparsumme auf etwa 80 000 Euro erhöhen.

Für die Summe, um die der Sparer erhöht – im Beispiel 30 000 Euro –, wird eine Abschlussgebühr fällig. Erhöhen sollte daher nur, wer den Kredit später braucht.

An Verwandte übertragen

Bausparer, die ihren Vertrag nicht weiterführen wollen, können ihn auch an nahe Verwandte übertragen. Vielleicht möchte ihn jemand aus der Familie wegen der guten Verzinsung oder des günstigen Kredits.

Dies kostet nur eine geringe Gebühr. In Bettina Föges Fall sind das 0,3 Prozent der Bausparsumme, also rund 38 Euro.

Eine Übertragung des Bausparvertrags ist auch eine gute Alternative zur Kündigung. Denn wer kündigt, verliert alle staatlichen Fördermittel und möglicherweise den Zinsbonus. Zudem ziehen einige ­Kassen einen Abschlag für die vorzeitige Auszahlung ab.

Egal, wer letztlich das Bauspardarlehen nutzt: Voraussetzung ist immer, dass es für einen wohnungswirtschaftlichen Zweck verwendet wird und dass der Kreditnehmer über eine ausreichende Bonität verfügt.

Die Bausparkasse vergibt das Darlehen normalerweise gegen Eintragung einer Grundschuld als dingliche Sicherheit. Nur wenn die Kreditsumme nicht mehr als 10 000 Euro beträgt, kann sie darauf verzichten.

Das ist vor allem für diejenigen interessant, die ihre Mietwohnung modernisieren wollen, also gar keine dingliche Sicherheit vorweisen können. Nutzen könnte der Bausparer es zum Beispiel für den Einbau einer modernen Heizung.

Ein normaler Verbraucherkredit mit einer Laufzeit von 72 Monaten kostet zurzeit zwischen 6 und 10 Prozent effektiven Jahreszins. Blankodarlehen aus einem Bausparvertrag sind meist viel günstiger.

Eine Ausnahme sind Renditebausparverträge wie der von Bettina Föge, die sich mehr zum Sparen als für ein Darlehen eignen. Für die junge Frau lohnt sich auch ein Blankodarlehen nicht. Gut, dass ihre Wohnung noch in Schuss ist.

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