Bauspar­verträge im Vergleich

So haben wir getestet

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Inhalt

Im Test

Bauspar­tarife für Sparer, die für den Bau oder Kauf einer Immobilie sparen wollen. Berück­sichtigt wurden Tarife aller deutschen Bausparkassen. Ausgenommen waren Riester-Tarife, Tarife mit varia­blen Spar- und Darlehens­zinsen und Tarife für einen begrenzten Kunden­kreis.

Modell­fälle

Wir haben für drei Modell­fälle für jede Bausparkasse die jeweils güns­tigsten Bausparlösungen ermittelt. Grund­lage für die Berechnungen sind die Allgemeinen Bausparbedingungen (ABB) und die aktuellen Zielbe­wertungs­zahlen, die vor der Zuteilung erreicht werden müssen. Die Kassen konnten die Lösungen prüfen und unter Einhaltung der Test­vorgaben güns­tigere Varianten einreichen. In den Modell­fällen haben wir die Spar­zeit und die monatliche Sparrate vorgegeben, in Modell­fall 1 zusätzlich eine Sofort­einzahlung von 40 000 Euro und einen Kapitalbedarf von mindestens 100 000 Euro.

Test­vorgaben

Sparraten. Die Höhe der Sparraten basiert auf dem Regelsparbeitrag. Er darf nicht so weit unter­schritten werden, dass die Bausparkasse zu einer Nach­forderung von Sparbeiträgen oder zur Kündigung des Bauspar­vertrags berechtigt ist. Sparraten ober­halb des Regelspar­beitrags sind nicht zulässig, sofern sich die Bausparkasse in den Tarifbedingungen vorbehält, solche Zahlungen abzu­lehnen. Eine Abweichung der Sparraten vom Regelsparbeitrag war nur zulässig, wenn sie ohne Zustimmung der Bausparkasse möglich ist und nicht zu einer Vertrags­kündigung führen kann. Der Sparplan durfte vorsehen, dass Sparer bis zu zwölf Monate vor Finanzierungs­beginn keine Sparraten mehr leisten (Spar­stopp).

Zuteilung. Sie musste unter Berück­sichtigung der aktuellen Zielbe­wertungs­zahlen der Bausparkassen zum gewünschten Finanzierungs­termin oder spätestens zwölf Monate danach erfolgen. Wird der Vertrag nach dem gewünschten Termin zugeteilt, muss die Bausparsumme bis zur Zuteilung mit einem Zwischen­kredit zu einem angenommen Effektivzins­satz von 4,0 Prozent vorfinanziert werden. Unver­bindliche Mehr- und Wahl­zutei­lungen, die nur mit Zustimmung der Bausparkasse genutzt werden können, waren nicht zugelassen.

Tilgungs­beitrag. Die Rate für das Bauspardarlehen (Tilgungs­beitrag) wird nach den Allgemeinen Bausparbedingungen ermittelt. Es gelten aber Ober- und Unter­grenzen, um extreme Abweichungen von den Spar­leistungen zu vermeiden: Der minimale Tilgungs­beitrag liegt bei 50 Prozent, der maximale Tilgungs­beitrag bei 300 Prozent des durch­schnitt­lichen Sparbeitrages. In den durch­schnitt­lichen Sparbeitrag gehen die monatlichen Sparraten und wie in Modell­fall 1 die Sonderzahlung zu Vertrags­beginn ein.

Finanzierung. Es wird unterstellt, dass der Bauspar­vertrag plan­mäßig zur Finanzierung einge­setzt wird. Eine Auszahlung des Bauspar­guthabens mit Verzicht auf das Bauspardarlehen wird nicht berechnet.

Steuern. Eventuell anfallende Kapital­ertrag­steuern auf Gutha­benzinsen wurden nicht berück­sichtigt.

Vorteil bei Finanzierung

Vergleichs­maßstab. Wir haben jeweils den Vorteil des Bauspar­vertrags gegen­über einer Bank­finanzierung ermittelt, bei der ein Kunde die gleichen Spar- und Kreditraten zahlt und zum Finanzierungs­termin die gleiche Auszahlung erhält wie beim Bauspar­vertrag.

Annahmen. Der Sparer spart sein Guthaben auf einem Sparplan mit 0,5 Prozent Rendite an und nimmt später für die Finanzierung ein Bank­darlehen zum Effektivzins von 4,0 Prozent auf.

Barwert. Der Finanzierungs­vorteil ist als Barwert angegeben. Er entspricht dem heutigen Wert der Zins­ersparnis, die der Bausparer im Vergleich zur Bank­finanzierung bis zur Schuldentilgung erzielt. Je höher der positive Barwert ist, desto güns­tiger ist der Bauspar­vertrag gegen­über der Bank­finanzierung. Ein negativer Barwert beschreibt einen Nachteil des Bauspar­vertrags gegen­über der Bank­finanzierung.

Reihen­folge

Die Reihen­folge der Bausparkassen richtet sich nach dem Vorteil bei Finanzierung, bei gleichem Barwert nach dem Alphabet.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 01.09.2022 um 16:44 Uhr
Gerichte halten Kontoentgelte für unzu­lässig

@BebeLuchs: Sie finden unsere Berichterstattung zum Thema unter dem folgenden Link: www.test.de/bausparen-kontogebuehr
Viele Bausparkassen vertreten eine andere Rechtsauffassung als die Oberlandesgerichte, zu deren Rechtsprechung wir unsere Leser:innen informierte. Solange es zur Frage der Zulässigkeit der Jahresentgelte keine höchstrichterliche Rechtsprechung gibt, trifft man weiterhin auf diese Kosten in den Verträgen.

BeneLuchs am 26.08.2022 um 09:59 Uhr
Jahresentgelte zulässig?

Guten Tag, bei fast allen der von Ihnen getesten Bauspartarife werden Jahresentgelte in der Sparphase erhoben. Ich dachte eigentlich, dass dies unzulässig ist (dazu: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/bau-und-immobilienfinanzierung/bausparkassenentgelte-unzulaessig-so-fordern-sie-kontogebuehren-zurueck-10855). Aufgrund der offensichtlich gängigen Praxis scheint mir, dass Jahresentgelte doch rechtens sind. Oder besteht ein Unterschied zwischen Jahresentgelt und Kontoführungsentgelt?
Danke und viele Grüße!

Profilbild Stiftung_Warentest am 23.08.2022 um 16:05 Uhr
eigenen Vertrag durchrechnen

@Warteraum25: Bauspartarife sind komplizierte Regelwerke mit mehr als einem Dutzend unterschiedlicher Konditionen: Spar- und Darlehenszinssätze, Abschluss- und Jahresgebühren, Regelsparbeiträge, Zuteilungsvoraussetzungen und vieles mehr. Ein besonders niedriger Darlehenszinssatz oder ein geringes Mindestguthaben sagen noch nichts darüber aus, ob ein Tarif wirklich günstig ist. Es ist deshalb nahezu unmöglich, selbst das beste Angebot zu ermitteln. In unserem Bericht finden Sie aber einige nützliche Regeln, um zu prüfen, ob sich ein Bausparangebot im konkreten Finanzierungsfall einer Immobilie eignet.
Für eine Rendite-Anlage sind die Guthabenzinsen der Bausparverträge aktuell zu gering.

Warteraum25 am 16.08.2022 um 17:29 Uhr
Wie rechne ich meinen Vertrag durch ?

Wie kann ich die Rendite meinen bestehend Vertrag am einfachsten durchrechnen?

Profilbild Stiftung_Warentest am 21.07.2021 um 13:30 Uhr
Bausparen für Kinder

@tschmid81: Als klassische Geldanlage für Kinder ist Bausparen nicht geeignet. Die Bausparkassen zahlen fast keine Zinsen mehr auf die Sparbeiträge, verlangen aber relativ hohe Abschluss- und Jahresgebühren. Dadurch ist die Sparrendite fast nimmer negativ. Kinder unter 16 Jahren haben auch keinen Anspruch auf die staatliche Wohnungsbauprämie, die die Rendite aufbessern könnte. Als reine Geldanlage ist Bausparen allenfalls noch für Sparer interessant, die bei Vertragsabschluss 16 bis 25 Jahre alt sind und die staatliche Prämie nach einer Sperrfrist von 7 Jahren unabhängig von der Verwendung des Sparguthabens erhalten. Details finden Sie unter https://www.test.de/Bausparen-als-Geldanlage-Junge-Sparer-schaffen-bis-zu-24-Prozent-Rendite-5629038-0/
(dda)