Bauspar­vertrag Special

Bausparkassen versuchen mit allen Tricks, Kunden aus gut verzinsten Verträgen heraus­zudrängen. Finanztest erklärt, wie die Bausparkassen das anstellen und erklärt anhand eines konkreten Falles, wie Kunden lange in ihren guten Verträgen bleiben.

Drei Töchter – drei Bauspar­verträge

Almuth Dinkelakers drei Töchter haben jeweils einen Bauspar­vertrag. Für jede schloss die Mutter im Jahr 2003 einen Vertrag bei der BHW Bausparkasse ab. Wie viele andere Bausparkassen auch, bot BHW damals besonders lukrative Rendite­verträge mit Bonuszins an. Kunden erhalten jedes Jahr einen Basiszins von 2 Prozent gutgeschrieben und einen Bonus von 2,25 Prozent jähr­lich am Vertrags­ende, wenn sie ihr Darlehen nicht in Anspruch nehmen. Unter dieser Bedingung zahlt BHW auch die Abschluss­gebühr zurück.

Wie ein Bauspar­vertrag funk­tioniert

Das sind prächtige Konditionen. Auch bei Almuth Dinkelakers Tochter Tat­jana stehen sie im Vertrag. Doch nun droht die BHW, den Bonus zu streichen. Wie die BHW boten damals viele andere Bausparkassen solch lukrative Verträge an. Kunden, die auf ihr Darlehen verzichten, erhalten einen Bonus für jedes Spar­jahr oben­drauf. Der Bonus wird aber erst am Vertrags­ende ausgezahlt. Normaler­weise bieten Bausparkassen für ange­spartes Guthaben eher nied­rige Zinsen. Ist ein Teil der Bausparsumme auf dem Konto, teilt das Institut dem Sparer den Vertrag zu. Dann kann er sich entscheiden, ob er ein zins­güns­tiges Darlehen in Höhe der Differenz zur Bausparsumme aufnimmt oder weiter einzahlt. Viele Altverträge bringen Bausparern mit Bonus eine Verzinsung von 4 bis 5 Prozent. Mit Wohnungs­bauprämie und Arbeitnehmer­spar­zulage sind über 6 Prozent Rendite möglich. Finanztest hatte diese Renditetarife regelmäßig untersucht und empfohlen. Die Auszeichnung „Testsieger“ in der aktuellen Unter­suchung bietet allerdings keine Gewähr dafür, dass sich der Anbieter künftig auch kundenfreundlich verhalten wird. Das zeigt das Beispiel der Bausparkasse Wüstenrot – siehe unten.

BHW droht mit Bonus­verlust

Als Tatjana Dinkelaker im Juni 2012 mehr als 85 Prozent ihrer vereinbarten Bausparsumme in Höhe von 40 000 Euro auf ihrem Konto angespart hatte, schreibt ihr die BHW Bausparkasse: Sollte sie jetzt weitersparen bis die Bausparsumme erreicht ist, könne sie kein Darlehen mehr in Anspruch nehmen. Damit „entfällt dann der Anspruch auf die Bonus­verzinsung.“ „Das ist eine unver­schämte Drohung der BHW“, findet Almuth Dinkelaker. Aus dem Vertrag geht klar hervor, dass ihrer Tochter nach Erfüllen aller Bedingungen und ihrem Kredit­verzicht der Bonus zusteht. „Den Bonus zahlen wir nur, wenn der Kunde die Zuteilung des Vertrags annimmt und schriftlich auf sein Darlehen verzichtet. Verzichten muss er, solange er ein Darlehen in Anspruch nehmen kann, also bevor der Spar­betrag die Bausparsumme erreicht“, erklärt Rüdiger Grimmert von der BHW. Würde aber Tatjana Dinkelaker jetzt ihren Verzicht erklären und sich das Guthaben auszahlen lassen, ist der Vertrag erfüllt und BHW kann den Vertrag mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Dann erhält sie zwar den Bonus, gibt aber einen attraktiv verzinsten Vertrag auf. „Eine Pflicht des Verbrauchers zum ausdrück­lichen Verzicht erscheint nicht zwingend, um die Höher­verzinsung zu erhalten“, sagt Achim Tiffe, Direktor des Instituts für Finanz­dienst­leistungen in Hamburg.

Schwäbisch Hall kündigt Verträge

Wie Tatjana Dinkelaker wollten auch Reinhold und Inge Ketter die attraktiven Zins­konditionen für ihren Vermögens­aufbau nutzen. Sie unter­schrieben drei Bauspar­verträge bei Schwäbisch Hall. Das Bauspardarlehen wollte das Ehepaar gar nicht. Im August 2012 kündigte die Bausparkasse Schwäbisch Hall plötzlich die Verträge mit einer Frist von drei Monaten. Ketters gingen davon aus, dass sie unbe­grenzt weitersparen könnten. Bis zum 30. November 2012 zahlte Schwäbisch Hall einen Zins­satz von 3 Prozent im Jahr auf Ketters Bauspar­guthaben. Außerdem steht der Familie ein Zins­bonus von 1 Prozent jähr­lich zu, weil sie ja auf das Bauspardarlehen verzichtet. Die Bausparsumme in einem Vertrag hatten Ketters bereits im Jahr 2008 erreicht. Damals hatten sie einen Einmalbetrag von 3 000 Euro auf ihr Bauspar­konto einge­zahlt. Damit über­schritt das Guthaben ihres Vertrags bereits zu diesem Zeit­punkt die Bausparsumme von 15 300 Euro.

Rauswurf mit Segen der Gerichte

Ketters legten gegen die Kündigung Wider­spruch ein, aber Schwäbisch Hall lehnte ab. Ein Urteil des Land­gerichts Hannover aus dem Jahr 2009 gibt der Bausparkasse recht. Damals hatten die Richter den Raus­schmiss eines BHW-Kunden für rechtens erklärt (Az. 13 O 14/09). Die Richter begründeten ihr Urteil damit, dass der Vertrags­zweck erfüllt sei, sobald die volle Höhe der Bausparsumme angespart sei. Denn dann kann die Bausparkasse kein Darlehen mehr gewähren. Das Ober­landes­gericht Celle bestätigte die Auffassung der Hanno­veraner Richter (Az. 3 U 257/09).

Wüstenrot arbeitet mit Tricks

Auch Wüstenrot will teure Renditesparer loswerden. So lockte das Institut Bausparer Michael Bernhard, sich sein Guthaben viel früher auszahlen zu lassen. „Verwirk­lichen Sie jetzt Ihre Wünsche“, schreibt die Bausparkasse. Wüstenrot verzichte auch auf den Kündigungs­abzug von 1 Prozent. Der Trick: Bernhards Bauspar­vertrag ist noch nicht zugeteilt, da er noch nicht genug einge­zahlt hat. Damit hat er laut Vertrags­bedingungen noch keinen Anspruch auf die Bonuszinsen. Auch die Abschluss­gebühr bekäme er nicht zurück, wenn er auf die Kündigung einginge. Bernhard würde viel Geld verlieren. Mit dieser Masche versuchte Wüstenrot schon einmal, Kunden zu schädigen, (siehe „Ältere Bausparverträge: Nicht rausschmeißen lassen“).

Einzahlungen vorher stoppen

Finanztest rät Bausparern, ihre Einzahlungen vor Erreichen der Bausparsumme zu stoppen. Das macht auch Tatjana Dinkelaker. Die Bausparkasse darf ihren Vertrag nicht kündigen und sie behält ihre Spitzenzinsen. Erreicht das Guthaben im Vertrag rund 85 Prozent der Bausparsumme, zahlen Kunden nicht weiter ein. Nur die vereinbarten Zinsen fließen weiter in den Vertrag, und es dauert viel länger, bis die Bausparsumme erreicht ist. So lange können Sparer den Bauspar­vertrag weiterführen und von hohen Zinsen profitieren. Verlangen Institute für den Bonus eine extra Verzichts­erklärung auf das Darlehen – so wie BHW – geben Sparer diese erst ab, kurz bevor sie die Bausparsumme angespart haben. Am einfachsten lässt sich der Konto­stand über den Konot­auszug kontrollieren. Den Konto­auszug verschickt die Bausparkasse meistens am Jahres­anfang mit dem Stand vom Ende des Vorjahrs.

Bausparkasse am Telefon

Sparern kann es auch passieren, dass sich Mitarbeiter der Bausparkasse am Telefon melden und zur Kündigung raten. So erging es unserer Leserin Sigrid Horn, die einen Vertrag mit 4,5 Prozent Gesamt­verzinsung bei der Wüstenrot hat. Der Berater empfahl ihr, den Vertrag zu kündigen, damit sie ihren Bonus noch erhalte. Denn Wüstenrot habe bei der Banken­aufsicht Bafin beantragt, keinen Bonus auf Altverträge zahlen zu müssen. Er bot ihr eine schlechter verzinste Spar­anlage an. Einen solchen Antrag hat die Bafin nicht gesehen. Der war schlicht erfunden. Frau Horn kassiert weiter gute Zinsen.

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