Bauspar­rechner Test

Bauspar­rechner – manche haben Tücken.

10 von 17 Bausparkassen machten im Internet bessere Angebote als in der Mehr­zahl der getesteten Filialen. Doch viele Rechner haben Tücken: Mit komplizierteren Fällen sind die meisten Rechner nämlich über­fordert. Und Online­angebote der Bausparkassen lassen sich durch gute Beratung oft noch verbessern.

Onlinerechner Bausparkassen 07/2015

  • Alte Leipziger
  • Bausparkasse Mainz
  • BHW
  • BHW (für Riester-Verträge)
  • Deutsche Bank
  • Deutscher Ring
  • LBS Baden-Württemberg
  • LBS Bayern
  • LBS Hessen-Thüringen
  • LBS Nord
  • LBS Ost
  • LBS Rheinland-Pfalz
  • LBS Saar
  • LBS Schleswig-Holst.-Hamburg
  • LBS West
  • Schwäbisch Hall
  • Signal Iduna
  • Wüstenrot
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Filialen beraten oft miserabel

Unser Praxis­test im Februar­heft war ernüchternd: In den Filialen der Bausparkassen wurden unsere Tester oft miserabel beraten. Viele Angebote gingen am Bedarf vorbei oder waren unnötig teuer (Test Bausparkassen im Praxistest: Nur drei sind gut, Finanztest 2/2015). Warum also in eine Filiale gehen, wenn gute Beratung dort Selten­heits­wert hat? Wir haben nun versucht, von den Online­rechnern der Bausparkassen Angebote für den gleichen Testfall zu bekommen, den wir im Test der Filialen zugrunde gelegt hatten.

In zehn Jahren eine Immobilie finanzieren

Die einfache Aufgabe: Der Kunde kann 400 Euro im Monat sparen und will in zehn Jahren eine Immobilie finanzieren. Gesucht sind eine dafür geeignete Tarif­variante und die passende Bausparsumme. Und natürlich soll die Finanzierung der eigenen Wände möglichst günstig werden.

Gute Angebote in einfachen Fällen

Das verblüffende Test­ergebnis: Bei 10 von 17 Bausparkassen war die Qualität der Angebote im Internet besser als in der Mehr­zahl der Filialen. Online­vorschläge der Deutschen Bank, der Bausparkasse Mainz und BHW schlugen jeweils sogar das beste der sieben Angebote, die unsere Test­kunden in den Filialen der drei Bausparkassen erhalten hatten. Zumindest in einfachen Fällen liefern die meisten Online­rechner ordentliche Ergeb­nisse. Fast die Hälfte der Spar­vorschläge im Test waren gut oder sehr gut, keiner war mangelhaft Testergebnisse Onlinerechner Bausparkassen 7/2015. Bausparer erhalten im Internet meist auch eine gute Über­sicht über alle wichtigen Konditionen und einen Spar- und Tilgungs­plan. In unserem Beratungs­test in den Filialen mussten sich die Tester dagegen häufig mit Schmierzetteln oder unvoll­ständigen Ausdrucken begnügen.

Online kaum bessere Konditionen

Wenn ein Kunde online abschließt, bieten Banken für Tages­geld oder den Kauf von Fonds­anteilen oft Sonder­konditionen. Bausparer erhalten keinen Internetbonus. Ob online oder offline: Die Tarife sind gleich. Eine Ausnahme macht die Bausparkasse Mainz. Der Kunde zahlt online für den Vertrag pauschal nur 100 Euro Abschluss­gebühr, unabhängig von der Bausparsumme. Zum Vergleich: Üblich sind 1,0 oder 1,6 Prozent der Bausparsumme – im Testfall meist mehr als 1 000 Euro. Das Online­angebot der Bausparkasse gehörte im Testfall dann auch zu den güns­tigsten. Über­zeugend fanden wir den Bauspar­rechner trotzdem nicht: Dazu sind die Berechnungs­möglich­keiten zu begrenzt.

Rechner oft schwer zu finden

Güns­tige Bauspar­angebote im Internet aufzuspüren, ist leichter gesagt als getan. Manchmal scheitert der Versuch schon im Ansatz: Aachener, Debeka und Deutsche Bausparkasse Badenia haben auf ihren Internet­seiten gar keinen Bauspar­rechner. Wüstenrot hat seinen Tarif­rechner gut versteckt: Wir fanden ihn nicht über die Internetseite der Bausparkasse, sondern erst nach einer Google-Suche mit den Stich­worten „Bauspar­rechner“ und „Wüstenrot“. Andere Bausparkassen stellen nicht einen, sondern mehrere Rechner ins Netz – für jeden Tarif einen. Der Kunde muss selbst heraus­finden, welcher Tarif und welcher Rechner für ihn am besten geeignet sind.

Berechnung mit Tücken

Ist der richtige Rechner gefunden, haben die Landes­bausparkassen (LBS) und Schwäbisch Hall schon die erste Enttäuschung programmiert: Kunden, die für eine Immobilie sparen wollen, können sich die für sie geeignete Bausparsumme nicht ausrechnen lassen. Die müssen sie selbst zusammen mit der Spar­zeit mithilfe zweier Schieberegler vorgeben. Berechnet wird nur die dazu­gehörige Sparrate – eine unnütze Angabe für alle, die wissen, wie viel sie monatlich sparen wollen. Um für ihren Fall trotzdem Angebote zu erhalten, griffen die Tester zu einem Trick: Sie veränderten die Bausparsumme so lange, bis der kalkulierte Sparbeitrag so nah wie möglich an die gewünschten 400 Euro heran­kam. So konnten sie wenigs­tens auf Umwegen Sparbeitrag und Bausparsumme austarieren.

Bausparsumme kann meist nicht exakt einge­geben werden

Leider hilft der Trick bei den meisten Landes­bausparkassen begrenzt, weil die Bausparsumme lediglich in riesigen Stufen von 25 000 oder 50 000 Euro einge­geben werden kann. Die LBS Bayern etwa zeigt für eine Spar­zeit von zehn Jahren und eine Bausparsumme von 100 000 Euro eine Sparrate von 345 Euro im Monat an. Schiebt man den Regler für die Bausparsumme minimal nach rechts, springt sie sofort auf 150 000 Euro, die Sparrate hüpft auf 515 Euro im Monat. Dazwischen gibt es nichts.

„Nied­riger Darlehens­zins“ oder „nied­rige Darlehens­rate“?

Bevor gerechnet wird, verlangen Bausparkassen von den Nutzern oft Entscheidungen, die sie ohne Detailkennt­nis der Tarife gar nicht sinn­voll treffen können. Bei Schwäbisch Hall etwa muss sich der Kunde zwischen „nied­riger Darlehens­zins“, „nied­rige Darlehens­rate“ oder „weniger ansparen und höherer Kredit“ entscheiden. Doch woher er soll er wissen, welche Variante für ihn am besten ist?

Und was ist bloß eine „Mehr­zuteilung“?

Bei der Alten Leipziger muss der Kunde eine von drei Tarif­varianten mit unterschiedlichen Spar- und Darlehens­zins­sätzen wählen. Dann soll er entscheiden, ob er den Vertrag mit oder ohne „Mehr­zuteilung“ berechnen will. Spätestens an dieser Stelle dürfte sich mancher Bausparer nach einem kompetenten Berater in der Filiale sehnen.

Sonderzahlung nur bei fünf Anbietern

Schon für unseren einfachen Testfall war es nicht leicht, ein gutes Online­angebot zu bekommen. Mit komplizierteren Fällen sind die meisten Rechner über­fordert. Nur die Rechner von fünf Bausparkassen erfassen auch Sonderzah­lungen. Die sind oft sinn­voll, um zum Beispiel eine schnelle Zuteilung des Bauspar­vertrags oder eine höhere Finanzierungs­summe zu erreichen.

Berechnung von Riester-Bauspar­verträgen

BHW ist die einzige Bausparkasse, die online auch die Berechnung von Riester-Bauspar­verträgen ermöglicht – allerdings längst nicht optimal. Beim Start des Rechners weist die Bausparkasse darauf hin, dass die Bausparsumme bei Riester-Verträgen maximal 90 000 Euro beträgt. Wechselt der Nutzer später in den „Expertenmodus“, der zusätzliche Eingaben ermöglicht, empfiehlt der Rechner für den Testfall eine Bausparsumme von 141 000 Euro. Eine Nach­frage beim BHW ergab, dass so eine Summe durch­aus möglich ist.

Mit guter Beratung mehr aus Tarifen heraus­holen

Allein aufs Internet sollten sich Bausparer nicht verlassen. Mit einer guten Beratung lässt sich oft noch mehr aus den Tarifen heraus­holen. Riester-Tarife werden von fast allen Online­rechnern ignoriert, sind aber durch staatliche Zulagen und Steuer­vorteile oft besser geeignet als die Stan­dard­tarife. Wer sich nicht gut auskennt, läuft außerdem Gefahr, durch falsche Eingaben im Online­rechner selbst ein unge­eignetes Angebot zu erzeugen.

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