Bausparkassen im Praxis­test Test

Vier von zwanzig Bausparkassen fielen im Praxis­test durch. Ihre Beratungs­fehler und ihre schlechten Angebote können Kunden tausende Euro kosten. Nur LBS Baden-Württem­berg, Wüstenrot und LBS Ost über­zeugten.

So durch­wachsen unser Test auch ausgefallen ist – Bausparen an sich ist und bleibt eine prima Idee für Sparer, die in Zukunft eine Immobilie bauen oder kaufen wollen. Sie sparen einige Jahre bei der Bausparkasse und bekommen dann ihr Erspartes und ein güns­tiges Darlehen ausgezahlt. Bausparkassen zahlen zwar so gut wie keine Sparzinsen mehr, doch dafür sichern sie Bausparern feste Kreditzinsen von 1,5 bis 3,0 Prozent für ihre Finanzierung zu.

Sparen bei der Bank ist keine groß­artige Alternative. Banken bieten derzeit nicht viel mehr Sparzinsen als die Bausparkassen und garan­tieren kein güns­tiges Darlehen.

Viele Fehler bei einfachem Testfall

Damit sich Bausparen lohnt, muss der Vertrag allerdings möglichst optimal auf die Ziele des Bausparers abge­stimmt sein. Da ist vor allem gute Beratung gefragt.

Finanztest hat die Probe aufs Exempel gemacht und Test­kunden in jeweils sieben Filialen aller 20 deutschen Bausparkassen geschickt. Ihr Ziel: Sie wollen in zehn Jahren eine Immobilie kaufen. Bis dahin können sie 400 Euro im Monat sparen So haben wir getestet.

Der Fall ist einfach und hätte den Experten der Bausparkassen keine Probleme bereiten dürfen. Dennoch ließen die Bausparberater in den Beratungs­gesprächen kaum einen Fehler aus.

Zeitplan verschiebt sich um Jahre

Wären unsere Tester den Ratschlägen der Bausparberater gefolgt, hätten sie oft einige tausend Euro in den Sand gesetzt oder ihren Immobilienkauf um Jahre verschieben müssen.

Die Bausparsumme war mitunter so aufgebläht, dass die Kunden das Geld erst in 15 oder 20 Jahren bekommen hätten. Mal war das Bauspardarlehen im Verhältnis zur Spar­leistung viel zu klein, mal die Kreditrate erdrü­ckend hoch. Und häufig wurden die Kunden so dürftig über die Konditionen informiert, dass sie die Angebote kaum mit denen anderer Kassen vergleichen konnten.

Vier Bausparkassen mangelhaft

Die magere Bilanz: Die meisten Bausparkassen kamen nicht über ein Befriedigend oder Ausreichend hinaus. Durch­gefallen sind die Aachener und die Deutsche Bank Bauspar sowie die beiden Landes­bausparkassen (LBS) West und Rhein­land-Pfalz.

Nur LBS Baden-Württem­berg, Wüstenrot und LBS Ost über­zeugten durch gute Beratung und pass­genaue Angebote. Die LBS Baden-Württem­berg glänzte zudem mit einheitlicher Qualität: Selbst das schlechteste der sieben Beratungs­gespräche war gut.

Nicht aufs Gefühl verlassen

Leider ist für Laien nicht ohne weiteres zu erkennen, wie gut oder schlecht eine Beratung ist. Unsere Tester waren für ihre Aufgabe geschult. Sie hatten aber keine besonderen Bausparkennt­nisse – und lagen mit ihrer Einschät­zung der Test­gespräche mitunter völlig daneben. Viele fühlten sich kompetent beraten und hätten den angebotenen Vertrag sofort abge­schlossen.

Die Experten­analyse der schriftlichen Angebote und der von den Testern ausgefüllten Protokoll­bögen ergab aber oft: Das Angebot war grotten­schlecht und hätte den Bausparer viel Geld gekostet.

Ewig warten auf die Auszahlung

Bausparkassen im Praxis­test Test

Der gravierendste Fehler im Test: Viele Berater wollten Verträge mit zu hohen Bausparsummen verkaufen. Die Sparraten des Kunden hätten nicht gereicht, um das Guthaben und das Bauspardarlehen pünkt­lich für den Immobilienkauf in zehn Jahren abzu­rufen.

Jeder fünfte Berater empfahl einen Vertrag, den die Bausparkasse selbst nach zwölf Jahren noch nicht auszahlen würde. Jeder zwölfte Kunde hätte länger als 15 Jahre auf die Zuteilung warten müssen.

Ein Mitarbeiter der LBS Rhein­land-Pfalz versuchte, einem Kunden einen Vertrag anzu­drehen, in den dieser bis zum Jahr 2039 einzahlen müsste. Erst dann hätte er das Mindest­guthaben erreicht und die Bausparkasse würde den Vertrag auszahlen.

Über­höhte Verträge mit langen Warte­zeiten boten gleich fünf der sieben Berater der Deutschen Bank Bausparkasse an. Tief­punkt im Test war aber ein Angebot der LBS Bayern, in dem der Kunde nach zehn Jahren nicht einmal ein Drittel des Mindest­guthabens erreicht hätte Die absurdesten Vorschläge der Berater.

Bausparer können zwar einen Zwischen­kredit in Höhe der Bausparsumme aufnehmen, wenn sie das Geld vor der Zuteilung benötigen. Doch das kann teuer werden, weil der Bausparer dann Zinsen auf das eigene Guthaben zahlen muss.

Zu viel gespart

Bausparkassen im Praxis­test Test

In den meisten Tarifen müssen Bausparer vor der Zuteilung mindestens 40 Prozent der vereinbarten Bausparsumme sparen, damit sie den Rest als Darlehen bekommen. Wer mehr einzahlt, schadet sich selbst: Er legt unnötig viel Geld zu mick­rigen Zinsen an und verringert noch dazu seinen Darlehens­anspruch.

Dennoch ließen viele Berater ihre Kunden weit über das Ziel hinaus sparen, oft mehr als die Hälfte der Bausparsumme. Besonders fielen Berater der Aachener, der Alten Leipziger und der Deutschen Bank Bausparkasse mit über­sparten Verträgen auf. So sollte ein Kunde der Alten Leipziger für ein Minidarlehen von 16 350 Euro erst einmal gut 30 000 Euro sparen.

Kreditrate erdrü­ckend hoch

Bausparkassen im Praxis­test Test

Nach der Zuteilung haben Bausparer meist nur acht bis elf Jahre Zeit, ihr Bauspardarlehen zurück­zuzahlen. Trotz nied­riger Zinsen ist die Kreditrate daher höher als für ein gewöhnliches Immobiliendarlehen einer Bank.

Da der Bauspar­vertrag in der Regel nur einen Teil der Finanzierung ausmacht, ist dieser Nachteil für die meisten akzeptabel. Doch im Test empfahlen Bausparkassen auch Verträge mit verrückt hohen Raten, die für eine Immobilien­finanzierung nicht zu gebrauchen sind.

Drei Berater der Aachener machten Vorschläge, bei denen der Bausparer sein Darlehen im Turbogang in rund vier Jahren zurück­zahlen muss – mit einem jähr­lichen Tilgungs­satz von mehr als 20 Prozent.

Nach einem Vorschlag der Bausparkasse Mainz sollte der Sparer nach zehn Jahren ein Darlehen in Höhe von 71 000 Euro zu einem Superzins­satz von nur 1,44 Prozent bekommen. Doch der tolle Zins nutzt dem Bausparer wenig. Für dieses Darlehen hätte er die irrsinnig hohe Monats­rate von 1 503 Euro zahlen müssen. Diese Rate entspricht fast 70 Prozent seines aktuellen Netto­einkommens.

Riester-Förderung verschenkt

Bausparkassen im Praxis­test Test

Für den Test­kunden wäre es sinn­voll gewesen, einen Teil seines Geldes in einen Riester-Bauspar­vertrag zu stecken. Der bringt ihm jedes Jahr eine staatliche Zulage von 154 Euro und etwa 550 Euro Steuerersparnis.

Die geförderten Beträge muss der Riester-Sparer im Renten­alter zwar voll versteuern, doch unterm Strich bleibt ein ordentliches Plus. Dennoch empfahl nicht einmal die Hälfe der Bausparberater einen geförderten Vertrag.

Je nach Bausparkasse fällt das Ergebnis allerdings höchst unterschiedlich aus. Die Landes­bausparkassen zeigten sich deutlich Riester-freundlicher als die privaten Bausparkassen. Die Angebote der LBS Baden-Württem­berg und LBS Nord enthielten sogar immer einen Riester-Vertrag, meist als Ergän­zung eines Stan­dard­vertrags.

So lohnt sich Bausparen nicht

Bausparkassen im Praxis­test Test

Angesichts der Mängel im Test kann es kaum verwundern, dass sich viele Bauspar­angebote für die Kunden nicht gelohnt hätten. Als Mess­latte für den Preis der Angebote hat Finanztest eine alternative Finanzierung ohne Bauspar­vertrag angelegt: Der Sparer schließt einen Bank­sparplan mit einer jähr­lichen Rendite von 1,5 Prozent ab. Den Kredit für den Immobilienkauf nimmt er in zehn Jahren komplett bei einer Bank zu einem angenom­menen Zins­satz von 5,25 Prozent auf.

Das wäre ein starker Anstieg gegen­über den aktuellen Zinsen für Immobilien­kredite – und für Bausparer ein ideales Szenario. Wegen der garan­tiert nied­rigen Kreditzinsen müsste sich ein Bauspar­vertrag in diesem Fall immer lohnen.

Doch trotz des unterstellten Zins­anstiegs schnitt jedes fünfte Angebot schlechter ab als die Vergleichs­finanzierung, einige sogar um mehr als 5 000 Euro. Die besten Angebote im Test schlugen das Bank­modell dagegen locker um mehr als 5 000 Euro.

LBS West über­reicht Schmierzettel

Bausparkassen im Praxis­test Test

Viele Bausparberater informierten so schlecht über ihre Angebote, dass die Kunden kaum eine Chance hatten, den Vorschlag zuhause zu prüfen oder mit anderen Angeboten zu vergleichen.

Mal fehlte die Höhe oder die Lauf­zeit des Bauspardarlehens, mal die Kreditrate oder die Höhe des Bauspar­guthabens. Der Kunde erfährt mitunter nicht einmal, wann er mit der Zuteilung rechnen kann oder welche Tarif­variante er abschließen soll. Mehrere Berater der LBS Rhein­land-Pfalz unter­schlugen sogar die Abschluss­gebühr von 1 Prozent der Bausparsumme.

Fast jeder fünfte Test­kunde bekam weder Spar- noch Tilgungs­pläne. Besonders oft fehlten sie bei BHW und den Landes­bausparkassen West und Rhein­land-Pfalz.

Nur wenige Berater waren bereit, den Kunden zu skizzieren, wie ihre Finanzierung später aussehen könnte. „Darüber reden wir, wenn es so weit ist“, war eine typische Antwort.

Besonders einfach machten es sich die Berater der LBS West: In vier von sieben Fällen bekamen die Tester lediglich einen Schmierzettel mit grob geschätzten Angaben zum angebotenen Bauspar­vertrag.

Dass es besser geht, zeigt ausgerechnet die Deutsche Bank Bausparkasse, die insgesamt mangelhaft abschnitt. Sie informierte die Test­kunden geradezu vorbild­lich – nur taugten ihre Angebote leider nichts.

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