Bausparen mit Riester Test

Die neuen Riester-Bausparverträge sind erste Wahl für alle, die in einigen Jahren sicher ein Eigenheim finanzieren wollen. Die besten Tarife bieten die Alte Leipziger, Wüstenrot und Huk Coburg.

Wohn-Riester kommt in Schwung. Seit November 2008 fördert der Staat den Abschluss von Bausparverträgen mit Riester-Zulagen und Steuervorteilen für die Altersvorsorge. Bis Ende September 2009 haben sich bereits fast 270 000 Riester-Sparer für die Bausparvariante entschieden. Bei der LBS Baden-Württemberg schließt bereits jeder fünfte Neukunde einen Riester-Tarif ab.

Finanztest hat jetzt erstmals die neuen Riester-Tarife der Bausparkassen getestet. Das Ergebnis: Für Sparer, die mittel- bis langfristig den Bau oder Kauf eines Eigenheims planen, ist ein Riester-Bausparvertrag die erste Wahl.

Die Top-Tarife in unserem Test sind genauso gut wie ungeförderte Bauspartarife, bringen aber zusätzlich viele tausend Euro an staatlichen Zulagen und Steuervorteile. Auch im Vergleich mit einem Riester-Banksparplan und einem anschließenden Immobilienkredit schneidet die Bausparvariante gut ab – vorausgesetzt, der Sparer setzt den Vertrag für die eigenen vier Wände ein.

Klarer Testsieger ist die Alte Leipziger. Mit dem Tarif „easy finanz Riester“ belegt sie in unseren vier Testfällen gleich dreimal den Spitzenplatz (siehe Tabellen). Ein gutes Testergebnis erzielten auch die Huk Coburg mit ihrem Tarif „Finanzierungsbausparen“ und Wüstenrot mit dem Tarif RB/FX. Wegen der hohen Mindestbausparsumme von 50 000 Euro ist der Wüstenrot-Tarif allerdings nur für Sparer geeignet, die relativ hohe Sparraten zahlen oder sehr langfristig planen.

Schutz vor steigenden Zinsen

Erst sparen, dann bauen – dieses Prinzip gilt auch für die neuen Riester-Bausparverträge. Der Bausparer zahlt erst einmal einige Jahre lang regelmäßige Sparraten. Er spart damit nicht nur Kapital an, sondern erwirbt auch das Anrecht auf einen späteren, besonders günstigen Kredit.

Bausparen ist in erster Linie ein Instrument, mit dem sich Sparer vor einem möglichen Zinsanstieg für ihren Immobilienkredit schützen können. Denn der Zinssatz für das Bauspardarlehen von beispielsweise 3,5 Prozent steht heute schon für die gesamte Vertragslaufzeit fest – ganz egal, wie sich die Zinsen am Kapitalmarkt in der Zukunft entwickeln.

Die Option auf das günstige Darlehen hat allerdings ihren Preis: Bis es so weit ist, müssen sich Bausparer mit mickrigen Sparzinsen von meist 0,5 bis 1,5 Prozent begnügen. Davon gehen eine Abschlussgebühr von 1 Prozent der Bausparsumme und meist auch jährliche Kontogebühren bis zu 30 Euro im Jahr ab. Mitunter bekommt der Bausparer nach sieben oder zehn Jahren Sparzeit nicht einmal die eingezahlten Beiträge und Zulagen zurück.

Hat der Kunde das Mindestguthaben und eine von der Bausparkasse berechnete Bewertungszahl erreicht, wird sein Vertrag zugeteilt (siehe „Bauspar-ABC“). Die Zuteilung markiert den Wendepunkt, an dem er vom Sparer zum Kreditnehmer wird. Dann kann er sein Guthaben und zusätzlich das günstige Darlehen für seine Hausfinanzierung abrufen.

Die Höhe des Darlehens entspricht in der Regel der Differenz aus der vereinbarten Bausparsumme und dem angesparten Guthaben. Je nach Tarif kann die Gesamtauszahlung die Bausparsumme aber auch um bis zu 30 Prozent übersteigen.

Mit Riester-Förderung im Plus

Die wichtigste Besonderheit der Riester-Verträge liegt in der staatlichen Förderung. In der Riester-Variante stockt der Staat die Sparbeiträge um eine Grundzulage von 154 Euro im Jahr auf. Dazu kommen 185 Euro für jedes vor 2008 geborene Kind und 300 Euro für jedes später geborene Kind.

Nach der Zuteilung kann der Bausparer die Zulagen für die Tilgung seines Darlehens beantragen. Je nach Einkommen, Familienstand und Kinderzahl profitiert er außerdem von Steuervorteilen (siehe „Wohn-Riester“).

Die Förderung sollten sich Sparer mit Eigenheimplänen nicht entgehen lassen. Mit Zulagen und Steuervorteilen sparen sie mehr Eigenkapital an als mit einem ungeförderten Vertrag. Sie kommen in ihrer Finanzierung mit einem kleineren Kredit aus, können ihn schneller tilgen und sparen Zinsen. Obwohl das Finanzamt im Rentenalter Steuern auf die geförderten Beträge erhebt, bleibt ein dickes Plus.

Den größten Vorteil aus der Förderung ziehen Bausparer, wenn sie die Zulage nur für ihre Sparbeiträge, nicht aber für die Tilgung des Bauspardarlehens beantragen. Der Grund: Ein Bausparvertrag reicht für die Finanzierung eines Eigenheims nicht aus. Fast immer werden Bausparer zusätzlich ein Bankdarlehen benötigen. Wenn sie dieses später als ein Riester-Darlehen aufnehmen, können sie die Zulagen dafür beantragen. Dort bringen sie eine höhere Zinsersparnis als beim niedrig verzinsten Bauspardarlehen.

Kaum Unterschiede zum Normaltarif

Jenseits der Förderung unterscheiden sich die Riester-Bausparverträge kaum von ihren ungeförderten Vorbildern. Schließlich dienten die bestehenden Tarife den Bausparkassen als Blaupause für die neue Riester-Variante. Ob Alte Leipziger, Wüstenrot oder Huk-Coburg: Ihre Riester-Tarife sind mit den Schwestertarifen fast identisch.

Meist haben die Bausparkassen lediglich Details an die gesetzlichen Vorgaben für Riester-Verträge angepasst. Das macht die Riester-Tarife sogar etwas besser.

So wird die Abschlussgebühr nicht sofort fällig, sondern über die ersten fünf Jahre verteilt. Sonderzahlungen, mit denen der Bausparer nur den geförderten Höchstbetrag von 2 100 Euro im Jahr ausschöpft, darf die Bausparkasse nicht ablehnen. Solche Sonderzahlungen sind in den normalen Tarifen zwar auch möglich, aber immer an die Zustimmung der Bausparkasse gebunden.

Komplizierte Tarifbedingungen

Welcher Riester-Bausparvertrag sich für ihren Fall am besten eignet, ist für Riester-Sparer allerdings nicht einfach zu erkennen. Ein Bausparvertrag besteht aus mehr als einem Dutzend Konditionen: Guthaben- und Darlehenszinsen, Abschluss- und Kontogebühren, Mindestguthaben, Tilgungsbeitrag, Zuteilungsvoraussetzungen und vieles mehr. Entscheidend ist das Zusammenspiel dieser Bedingungen.

Außerdem ist es wichtig, dass die Bausparsumme auf die Ziele des Bausparers abgestimmt wird. Die optimale Summe ist von Tarif zu Tarif verschieden. Sie hängt aber stets davon ab, wie viel Geld der Bausparer monatlich einzahlt, wie hoch die staatlichen Zulagen sind und wann der Sparer die Bausparsumme voraussichtlich benötigt.

Eines zeigt unser Test deutlich: Die nackten Tarifmerkmale verraten nicht, ob ein Bauspartarif günstig oder teuer ist.

Die Alte Leipziger (Tarif easy finanz Riester) etwa hat mit 3,9 Prozent einen der höchsten Darlehenszinssätze im Test – und ist trotzdem klarer Testsieger. Denn im Verhältnis zur Sparleistung des Bausparers zahlt die Alte Leipziger ein hohes Darlehen aus. Sie bietet außerdem einen überdurchschnittlichen Guthabenzins und verzichtet auf Kontogebühren.

Gut im Test abgeschnitten hat auch die Huk Coburg – obwohl das Mindestguthaben in ihrem Riester-Tarif mit 50 Prozent der Bausparsumme höher ist als bei den meisten anderen Kassen im Test. Auch der Darlehenszinssatz ist mit 3,75 Prozent relativ hoch. Das gleicht die Bausparkasse jedoch durch andere Vorzüge aus, etwa eine Mehrzuteilung bis zu 25 Prozent der Bausparsumme und eine im Verhältnis zum Darlehen niedrige Kreditrate.

Wüstenrot schickte in unserem Vergleich zwei Tarife ins Rennen, die sich auf den ersten Blick kaum unterscheiden. Mit dem Tarif RB/FX erzielte die Kasse Spitzenplätze in den Modellfällen 2 und 4. Für die Modellfälle 1 und 3 war der Tarif wegen der Mindestbausparsumme von 50 000 Euro nicht geeignet. Hier landete Wüstenrot mit dem Tarif RB/F nur auf den hinteren Rängen.

Die vier Finanztest-Modellfälle

Wie gut ein Bausparvertrag wirklich ist, zeigt sich eben erst am konkreten Angebot. Wir haben uns deshalb von den Bausparkassen Riester-Angebote für vier Modellfälle erstellen lassen.

Im Modellfall 1 plant der Sparer sein Eigenheim in sieben Jahren und im Modellfall 2 in zehn Jahren. Die monatliche Sparrate beträgt jeweils 150 Euro. Mit dieser Rate ist sichergestellt, dass Sparer mit mindestens einem Kind unabhängig vom Einkommen nicht nur die vollen Riester-Zulagen erhalten, sondern auch den steuerlich absetzbaren Höchstbetrag (2 100 Euro im Jahr) erreichen.

Im Modellfall 3 ist der Bau oder Kauf ebenfalls in zehn Jahren geplant. Der Sparer hat aber ein niedriges Einkommen von 20 000 Euro brutto im Jahr. Er möchte nicht mehr sparen als nötig, um die maximale Zulage von jährlich 339 Euro für sich und sein Kind zu erhalten. Dafür reicht eine monatliche Sparrate von 40 Euro aus.

Im Modellfall 4 spart der Bausparer wieder monatlich 150 Euro. Der Bau oder Kauf des Eigenheims ist in 10 oder 15 Jahren geplant. Der Vorschlag der Bausparkasse soll daher auch für den Fall geeignet sein, dass der Bausparer nach zehn Jahren noch nicht baut und weiterspart.

Riester-Banksparplan als Maßstab

Maßstab für die Bewertung ist eine Finanzierung ohne Bausparvertrag: Dabei legt der Sparer sein Geld bis zum Bau in einen Riester-Banksparplan mit einer von der Laufzeit abhängigen Rendite von 2,75 oder 3,00 Prozent an. Zum Bau- oder Kauftermin kündigt er den Sparplan und nutzt das Guthaben als Eigenkapital. Seinen Kreditbedarf deckt er komplett mit einem Hypothekendarlehen einer Bank zu einem Effektivzins von 6,50 oder 6,75 Prozent.

Durch diesen Maßstab werden die Bausparangebote trotz unterschiedlicher Bausparsummen, Tilgungsraten und Laufzeiten vergleichbar. Für die Eigenheimfinanzierung sind die Angebote am besten, mit denen der Bausparer gegenüber der reinen Bankfinanzierung am meisten spart.

Niemand kann jedoch heute schon absolut sicher sein, ob er seine Eigenheimpläne verwirklicht. Deshalb berücksichtigt unsere Bewertung auch den Nachteil des Bausparers, falls er seine Pläne aufgibt und kein Eigenheim finanziert. Der Nachteil geht je nach Modellfall mit 20 oder 30 Prozent in die Bewertung ein.

Testergebnis übertragbar

Für die Wahl ihrer Bausparkasse und des richtigen Tarifs können sich Bausparer je nach Sparziel an den Tabellen orientieren. Wichtig ist: Die Rangfolge der Bausparkassen im Test ist weitgehend unabhängig von den Modellannahmen für die alternative Bankfinanzierung, die als Vergleichsmaßstab dient.

In unseren Modellen haben wir für den Riester-Banksparplan eine Rendite von 2,75 bis 3,00 Prozent unterstellt und uns dabei an guten Angeboten orientiert. Bei einer höheren Rendite von beispielsweise 4 Prozent wäre der Finanzierungsvorteil des Bausparers in allen Modellfällen kleiner, der Nachteil bei einem Darlehensverzicht würde steigen. Auch ein niedrigerer Zinssatz für das Bankdarlehen würde die Ergebnisse der Bausparkassen verschlechtern.

Die genaue Höhe der alternativen Spar- und Darlehenszinsen ist entscheidend für den Vergleich des Bausparens mit anderen Spar- und Finanzierungsvarianten (siehe „Zinsvergleich“). Für den Vergleich der Bausparkassen untereinander spielen sie jedoch kaum eine Rolle.

Riester-Banksparpläne
Riester-Angebote mit Fonds
Riester-Rentenversicherungen

Dieser Artikel ist hilfreich. 2398 Nutzer finden das hilfreich.