Wohn-Riester: Zulagen und Steuervorteile im Überblick

Förderberechtigte. Anspruch auf die Riester-Förderung haben Beamte und alle, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Dazu gehören auch Menschen, die Arbeitslosengeld beziehen, Väter und Mütter in ­Elternzeit und Frührentner. Einen Riester-Vertrag kann auch der Ehepartner ­eines Förderberechtigten abschließen, selbst wenn er keine eigenen Einkünfte hat oder selbstständig ist.

Sparen fürs Eigenheim. Die Riester-Förderung erhalten auch Sparer, die ­einen Riester-Vertrag abschließen, um damit später einmal ein Eigenheim zu finanzieren. Wenn sie bauen oder kaufen, dürfen sie ihr angespartes Guthaben als Eigenkapital für die Immobilienfinanzierung nutzen. Das gilt nicht nur für die neu geförderten Bausparver­träge, sondern für alle Riester-Verträge, ­also beispielsweise auch für Bank- oder Fondssparpläne. Bis Ende 2009 muss die Entnahme aus dem Riester-Vertrag jedoch mindestens 10 000 Euro betragen. Erst ab 2010 fällt die Mindestgrenze weg.
Die Entnahme aus einem Riester-Vertrag ist nur in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bau oder Kauf des Eigenheims erlaubt. Ein Hauseigentümer kann das Geld zum Beispiel nicht für die Sondertilgung einer bereits seit Jahren bestehenden Finanzierung nutzen. Eine Ausnahme gilt zu Rentenbeginn: Dann kann der Hauseigentümer sein Vorsorgevermögen zur Ablösung von Restschulden einsetzen.

Eigenheim entschulden. Die Riester-Zulage gibt es nicht nur für einen Sparvertrag, sondern auch für die Tilgung eines Darlehens, das der Eigentümer für den Bau oder Kauf einer selbstgenutzten Wohnung aufnimmt. Der Eigentümer muss darin den Hauptwohnsitz oder Lebensmittelpunkt haben. Der Kauf einer vermieteten Wohnung und die Modernisierung einer bestehenden Immobilie werden nicht gefördert.
Gefördert werden herkömmliche Immobiliendarlehen, Bauspardarlehen ­sowie Bausparkombikredite (siehe Test Eigenheimfinanzierung). Voraussetzung ist, dass der Vertrag von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zertifiziert ist. Der Kreditvertrag muss außerdem vorsehen, dass das Darlehen bis zum 68. Lebensjahr getilgt wird. Da Ehegatten jeweils einen selbstständigen Anspruch auf die Förderung haben, müssen beide einen Darlehensvertrag abschließen, um die Förderung voll auszuschöpfen.

Zulagen. Die Grundzulage beträgt für jeden Erwachsenen 154 Euro im Jahr. Dazu kommen jährlich 185 Euro für jedes Kind, für das die Eltern Kindergeld erhalten. Für jedes ab 2008 geborene Kind erhöht sich die Kinderzulage auf 300 Euro. Um die vollen Zulagen zu erhalten, müssen Kreditnehmer jährlich 4 Prozent ihres Bruttoeinkommens des Vorjahres abzüglich der ihnen zustehenden Zulagen in den Sparvertrag ein­zahlen oder zur Tilgung einsetzen – höchstens 2 100 Euro.
Beispiel: Das Bruttojahreseinkommen beträgt 40 000 Euro, die maximale Zulage 524 Euro (Grundzulage plus Zulagen für zwei vor 2008 geborene Kinder). Um die vollen Zulagen zu erhalten, muss der Sparer mindestens 1 076 Euro im Jahr in seinen Riester-Vertrag einzahlen (4 % x 40 000 Euro abzüglich 524 Euro). Bei geringeren Einzahlungen wird die Zulage anteilig gekürzt.

Steuervorteile. Jeder Förderberechtigte kann Zahlungen bis zu 2 100 Euro im Jahr (inklusive Zulagen) steuerlich als Sonderausgaben absetzen. Einen ­Steuervorteil erhält er aber nur, wenn die Steuerersparnis daraus höher ist als die Zulagen. Davon profitieren vor allem Sparer ohne Kinder und Sparer mit gutem Einkommen.

Anträge. Den Antrag auf Riester-­Zulage stellen Sparer bei ihrem Anbieter, der die Spar- und Tilgungsleistungen bescheinigt. Er leitet den Antrag an die Zulagenstelle weiter. Für die Folgejahre reicht eine Vollmacht an den Anbieter. Den Sonderausgabenabzug können Riester-Sparer Jahr für Jahr in der Einkommensteuererklärung geltend machen. Wollen Sparer ihr Riester-­Vermögen aus einem Sparvertrag fürs Eigenheim einsetzen, müssen sie die Entnahme bei der Zentralen Zulagenstelle (ZfA) beantragen. Mit Vollmacht kann das auch der Anbieter für sie tun.

Nachgelagerte Besteuerung. Im Rentenalter müssen Riester-Sparer auch für die Eigenheimförderung Steuern zahlen. Dazu werden alle geförderten Beträge – Entnahmen und Tilgungsleistungen – auf einem Wohnförderkonto verbucht. Dann wird so gerechnet, als verzinse sich dieses Geld bis zum Rentenbeginn mit 2 Prozent im Jahr. Ab Rentenbeginn ist der so errechnete Betrag in gleichen Raten bis zum 85. Lebensjahr zu versteuern. Oder der Eigentümer zahlt die Steuern auf einen Schlag zu Rentenbeginn, dann aber auf einen um 30 Prozent verminderten Betrag.
Beispiel: Ein 40-Jähriger kauft ein Haus, zahlt seinen Kredit in 20 Jahren ab und schöpft die maximale Riester-Förderung mit einer Tilgung von jährlich 2 100 Euro aus. Mit 65 geht er in Rente. Das Wohnförderkonto weist dann 56 335 Euro aus. Jährlich muss er bis zum 85. Lebensjahr 2 817 Euro versteuern. Bei 20 Prozent Steuersatz sind das monatlich rund 50 Euro Steuern.

Schädliche Verwendung. Wohn-­Riester-Förderung gibt es nur für selbstgenutzte Immobilien. Wer Haus oder Wohnung später verkauft oder vermietet, muss den Stand des Wohnförderkontos vorzeitig versteuern.
Es gibt aber ein Reihe von Ausnahmen. Steuerliche Nachteile lassen sich zum Beispiel vermeiden, wenn der Geförderte innerhalb von vier Jahren nach dem Auszug eine neue Immobilie kauft, die er selbst nutzt. Dazu zählt auch der Kauf ­eines Dauerwohnrechts in einem Senioren- oder Pflegeheim.
Der Geförderte kann auch innerhalb ­eines Jahres einen neuen Riester-Sparvertrag abschließen, in den er die geförderten Beträge einzahlt.
Auch eine befristete Vermietung der Wohnung wegen eines berufsbedingten Umzugs ist möglich. In diesem Fall muss der Eigentümer spätestens bis zum 67. Lebensjahr wieder einziehen.

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