Bausparen im Internet Test

Die meisten Bausparkassen bieten den Abschluss von Bausparverträgen im Internet an. Doch der Onlineservice ist oft miserabel. Viele Angebote sind schlecht, weil sie nicht auf den Kunden zugeschnitten sind.

Bei der Landesbausparkasse (LBS) Bayern können Sparer ganz einfach einen Bausparvertrag im Internet abschließen. In der „Online-Bausparberatung“ kreuzen sie ihr Sparziel an und tippen ein, wie viel Geld sie monatlich sparen wollen. Schon erstellt die Bausparkasse ein „persönliches Angebot“.

Will der Kunde beispielsweise 250 Euro im Monat für die eigenen vier Wände sparen, empfiehlt die Kasse ihren Tarif FU6 mit einer Bausparsumme von 63 000 Euro. Jetzt nur noch den Antrag mit ein paar ­persönlichen Daten ausfüllen und online ­abschicken. Ein paar Tage später kommt die Vertragsbestätigung per Post.

Das Prinzip ist das übliche: Der Bausparer spart erst ein paar Jahre. Dann bekommt er das Ersparte ausgezahlt und kann gleichzeitig ein günstiges Darlehen aufnehmen.

Das Angebot der LBS Bayern hat aber einen Haken: Die Bausparsumme – Guthaben und Bauspardarlehen – wird frühestens nach acht Jahren zugeteilt. Will der Sparer bereits in vier oder fünf Jahren bauen, ist die Bausparsumme und damit die Abschlussgebühr viel zu hoch. Um die Zuteilung zu beschleunigen, müsste der Kunde die Summe später herabsetzen. Oder er nimmt für ein paar Jahre einen Kredit auf, um die Bausparsumme vorzufinanzieren. Das kann teuer werden.

Der Beratungsfehler ist programmiert. Denn der Onlinerechner der LBS Bayern fragt gar nicht danach, wann der Kunde das Geld zum Bauen benötigt. Den Zuteilungstermin verrät die Bausparkasse nicht. Spar- und Tilgungspläne fehlen. Der Kunde kauft die Katze im Sack.

Schwache Onlineangebote

Finanztest hat Onlineangebote der Bausparkassen unter die Lupe genommen – für Sparer, die gezielt auf ein Eigenheim sparen wollen, und für Sparer, die mithilfe der Bausparförderung eine hohe Rendite erzielen wollen.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Bei den meisten Bausparkassen hat der Kunde keine Chance, sich im Internet ein konkretes An­gebot einzu­holen. Und auch bei Bausparkassen, die komplette Tarifrechner online stellen, ist es schwer, zu einem günstigen Bausparvertrag zu kommen.

Die besten Onlineangebote für Sparer mit festen Eigenheimplänen fanden wir bei Huk-Coburg und Schwäbisch Hall (siehe Tabelle). Doch im Vergleich zu den Top-Angeboten aus unserem großen Bauspartest sind selbst diese Angebote nur Mittelmaß.

Die derzeit günstigsten Bausparkassen kommen für einen Onlineabschluss ohnehin nicht infrage: Die Signal Iduna ebenso wie die Alte Leipziger nutzen das Internet vor allem zur Werbung. Tarifrechner und Onlineanträge gibt es nicht.

1 000 Euro verschenkt

Die Internetangebote der Bausparkassen sind zudem oft schlechter als die Angebote, die sie in unserem Bauspartest selbst als optimale Variante empfohlen haben.

Die LBS Nord hatte mit ihrem Tarif „Topfinanz“ im Test für Sparer mit festen Eigenheimplänen einen Platz im vorderen Mittelfeld erreicht. Im Internet empfiehlt sie für den gleichen Fall ihren Tarif „Classic“, der um mehr als 1 000 Euro schlechter abschneidet (siehe Tabelle). Damit hätte die Kasse im Test den letzten Rang belegt.

Gute Beratung ist beim Bausparen besonders wichtig. Denn ein Bausparvertrag besteht aus einem Bündel unterschiedlicher Konditionen. Für Sparer, die in einigen Jahren ein Haus bauen oder kaufen wollen, sind andere Tarife geeignet als für Prämiensparer, die auf eine hohe Rendite aus sind. Zudem muss die Bausparsumme auf die monatliche Sparrate und das Sparziel des Bausparers abgestimmt werden.

Bausparer können unmöglich selbst die für sie optimale Sparvariante ermitteln. Im Internet ist das die Aufgabe einer interaktiven Onlineberatung, mit der sich der Bausparer selbst ein passendes Angebot erstellen kann. Doch auf diesen Service können sich die Kunden meist nicht verlassen.

Nicht einmal für einfache Fälle

Unser Testfall Nummer eins: Der Bausparer will in sieben Jahren bauen oder kaufen und bis dahin 250 Euro im Monat sparen.

Schon dieser einfache Fall lässt sich auf den Internetseiten der Mehrzahl der Bausparkassen nicht richtig berechnen. Die meisten stellen keine oder unbrauchbare Rechner ins Netz. Oder sie informieren so lückenhaft, dass ein Vergleich mit anderen Angeboten nicht möglich ist. Nur bei 10 der 26 Bausparkassen gelang es uns, vollständige Angebote einzuholen.

Besonders schlecht ist der Onlineservice der meisten Landesbausparkassen. Zum Beispiel muss der Kunde bei der LBS Hamburg und der LBS Ost den Tarif und die Bausparsumme im Onlineantrag selbst wählen. Er bekommt keine Spar- und Tilgungspläne und erfährt nicht einmal den voraussichtlichen Zuteilungstermin, die genaue Darlehenshöhe und die Kreditlaufzeit. Woher soll der Kunde wissen, was die für ihn optimale Kombination ist?

Die LBS Baden-Württemberg schlägt für unseren Testfall eine passende Bausparsumme vor. Doch das war reines Glück. Ihr Bausparrechner kennt nur eine Sparzeit von sieben Jahren. Wer früher oder später bauen will, kommt nicht weiter.

Licht und Schatten gibt es bei den privaten Bausparkassen. Immerhin 8 der 15 privaten Kassen erstellen ausreichend detaillierte Angebote im Internet.

Die Rechner von Schwäbisch Hall, BHW und der Huk-Coburg zum Beispiel unterscheiden klar zwischen verschiedenen Zielen des Bausparers. Der Sparer kann sich wahlweise die Bausparsumme, den Zuteilungstermin oder die Sparrate ausrechnen lassen. Die staatliche Bausparförderung wird ebenso berücksichtigt wie geplante Sonderzahlungen. Am Ende erhält der Kunde ein übersichtliches Angebot samt Spar- und Tilgungsplan.

Ratlos im Netz

Mit Top-Angeboten können Onlinebausparer trotzdem nicht rechnen. Um im Internet zu einem passenden Angebot zu kommen, müssen sie außerdem oft unnötige Hürden nehmen. Häufig sollen sie zwischen mehreren Tarifvarianten wählen, ohne dafür die geringste Entscheidungshilfe zu erhalten.

So hat der Kunde beim Bausparrechner des BHW die Wahl zwischen drei Tarifvarianten mit unterschiedlichen Darlehenszinssätzen: 3,75 Prozent, 2,90 Prozent oder 1,90 Prozent.

1,90 Prozent klingt super, ist es aber nicht. Weil der Sparer in dieser Variante nur ein kleines Darlehen bekommt, das er dazu noch schnell tilgen muss, ist das scheinbare Schnäppchen in unserem Fall die schlechteste Lösung. Am besten ist die Variante mit dem höchsten Darlehenszins. Aber das ist nur für Bausparprofis zu erkennen.

Die Vereinsbank Victoria lässt den Kunden allein mit der Entscheidung, ob er den Tarif „Visio“ oder doch besser den „Classic“ wählen soll.

Kommentarlos stellt die Huk-Coburg gleich sechs mögliche Kombinationen zur Auswahl: Soll es ein Darlehen mit „Regelzuteilung“ oder mit „Mehrzuteilung“ sein, in der Variante „niedrige Rate“, „Standard“ oder „niedriger Zins“? Spätestens an dieser Stelle dürfte sich so mancher Online-Bausparer nach einem kompetenten Berater in einer Filiale sehnen.

Sparrendite bleibt im Dunkeln

Schlecht werden Bausparer im Internet auch bedient, wenn sie einen Vertrag wollen, der eine möglichst hohe Sparrendite bringt, weil sie gar nicht bauen wollen.

Unser Testfall: Ein lediger Sparer hat ein zu versteuerndes Einkommen unter 17 900 Euro und deshalb Anspruch auf jährlich bis zu 45 Euro Wohnungsbauprämie und bis zu 43 Euro Arbeitnehmersparzulage. Um die Höchstförderung auszuschöpfen, legt er monatlich 83 Euro an, davon 40 Euro vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers. Nach sieben Jahren Sparzeit will er sich nur das Guthaben auszahlen lassen.

Bausparkassen bieten für Renditesparer spezielle Tarifvarianten an. Verzichtet der Sparer nach sieben Jahren auf ein Darlehen, stocken sie den niedrigen Sparzins um einen mitunter doppelt so hohen Bonus auf. „Hohe Rendite durch Zinsbonus“, verspricht zum Beispiel die LBS Bayern.

Doch kaum eine Bausparkasse verrät, wie viel Rendite der Sparer nach Abzug von Abschluss- und Kontogebühren erzielt. Nur das BHW rechnet die Rendite aus und kommt im Testfall auf 4,6 Prozent mit und 2,3 Prozent ohne Förderung.

Vielen Bausparern dürfte nicht klar sein, dass die meisten Kassen auch mit Zinsbonus kaum mehr als 2 Prozent Rendite zahlen. Selbst wenn Sparer die staatliche Förderung optimal ausschöpfen, steht in der Regel nur eine 4 vor dem Komma.

Die LBS Rheinland-Pfalz täuscht ihre Sparer sogar: Die Rendite, die sie nennt, ist viel zu hoch. Sie berücksichtigt weder die Abschlussgebühr noch die „Servicepauschale“ von 12 Euro im Jahr.

Abschlussgebühr zu hoch

Ärgerlich ist auch, dass die Kassen ihren Renditesparern im Internet fast durchweg zu hohe Bausparsummen empfehlen. Ob BHW, Wüstenrot, Schwäbisch Hall oder Quelle Bausparkasse: Stets enthält die Bausparsumme auch einen hohen Darlehensanteil, den Renditesparer gar nicht benötigen. Sie zahlen dadurch eine unnötig hohe Abschlussgebühr. Das kostet sie mehrere Zehntel Renditeprozente.

Am Kunden vorbei geht der Renditevorschlag der LBS Nord. Um die Bausparförderung und Bonuszinsen zu erhalten, müssen Renditesparer eine Mindestlaufzeit von sieben Jahren einhalten. Doch obwohl der Kunde im Bausparrechner angibt, dass er sieben Jahre sparen und kein Darlehen will, endet der Sparplan der Kasse bereits nach sechs Jahren und acht Monaten.

Auch bei Renditeangeboten von Schwäbisch Hall und Huk-Coburg hört der Sparplan bereits vor Ablauf der Sperrfrist auf. Wenn sich der Bausparer dann schon sein Guthaben auszahlen lässt, gehen ihm bis zu über 1 000 Euro an Bonuszinsen, Prämien und Zulagen verloren.

Onlinebausparen ohne Vorteile

Investmentfonds kann man online billiger kaufen als in einer Filiale. Den Abschluss eines Baukredits via Internet belohnen Banken und Vermittler mit einem kräftigen Zinsrabatt. Bausparer jedoch haben durch einen Onlineabschluss keinen finanziellen Vorteil. Dagegen riskieren sie, durch die dürftige Onlineberatung, die Wahl der falschen Tarifvariante oder einer zu hohen Bausparsumme einen ungünstigen Vertrag abzuschließen.

Warum also sollten Bausparer ihren Vertrag online abschließen? Eine gute Antwort darauf bleiben die Bausparkassen bislang schuldig.

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