Bausparen als Geld­anlage Junge Sparer schaffen bis zu 2,4 Prozent Rendite

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Bausparen als Geld­anlage - Junge Sparer schaffen bis zu 2,4 Prozent Rendite
Junge Sparer mit Bauspar­vertrag kassieren in jedem Fall einen staatlichen Zuschuss – auch wenn sie das Geld später für eine Gitarre oder eine Welt­reise ausgeben und nicht für die eigenen vier Wände. © Getty Images / Juan Estey

Bausparen. Für junge Leute kann sich Bausparen als reine Geld­anlage lohnen. Mit Wohnungs­bauprämie sind bis zu 2,4 Prozent Rendite drin.

Bausparen als Geld­anlage Alle Testergebnisse für Bau­sparen für junge Leute 08/2020

Inhalt

Ein Bauspar­vertrag als Geld­anlage? Was in Nied­rigzins­zeiten kurios klingt, kann sich für Menschen zwischen 16 und 24 Jahren lohnen. Unsere Unter­suchung zeigt: Wer sieben Jahre lang rund 60 Euro im Monat sparen will, kann einen Bauspar­vertrag als sehr guten Sparplan nutzen – 1,3 bis 2,4 Prozent Rendite sind drin. Aber nur mit der Wohnungs­bauprämie. Der Vorteil für junge Sparer: Sie kassieren den staatlichen Zuschuss in jedem Fall – auch wenn sie das Geld später für eine neue Gitarre oder eine Welt­reise ausgeben und nicht für die eigenen vier Wände. Im besten Fall gibt es 490 Euro Zuschuss.

Erfreulich ist, dass 2021 nicht nur die Wohnungs­bauprämie, sondern auch die Einkommens­grenzen steigen. Künftig bekommt jeder die Prämie, dessen zu versteuerndes Einkommen unter 35 000 Euro im Jahr liegt. So profitieren mehr Sparer von der staatlichen Förderung.

Unser Rat

Junge Sparer.
Sie sind zwischen 16 und 24 Jahre alt und wollen rund 60 Euro im Monat über mehr als sieben Jahre sparen? Dann kann sich ein Bauspar­vertrag als reine Geld­anlage lohnen. Denn Sie kassieren die staatliche Wohnungs­bauprämie – egal, wofür Sie das Geld ausgeben. So sind je nach Tarif bis zu 2,41 Prozent Rendite drin.
Tarif­suche.
Sie wollen einen Bauspar­vertrag als reine Geld­anlage abschließen? Bitten Sie die Bausparkassen Ihrer Region um Angebote. Machen Sie dabei deutlich, dass Sie den Vertrag nicht zur Immobilien­finanzierung nutzen wollen. Fragen Sie etwa nach Sonderboni für junge Leute und nach der Wohnungs­bauprämie.

Bausparidee

Eigentlich dient ein Bauspar­vertrag zur künftigen Finanzierung einer Immobilie. Dabei gibt es zwei Phasen:

In der Anspar­phase zahlen Kunden einen monatlichen Beitrag ein und erhalten auf das angesparte Guthaben Zinsen. Ist ein bestimmter Betrag angespart, wird der Vertrag zuteilungs­reif. Das bedeutet, dass sich der Kunde das angesparte Geld auszahlen lassen kann.

Gleich­zeitig beginnt die Finanzierungs­phase. Der Kunde erhält einen Kredit für den Kauf oder den Bau seiner Immobilie. Die Kredit­konditionen werden schon vor der Anspar­phase fest­gelegt.

Auf Finanzierungs­phase verzichten

Wichtig ist: Sparer müssen den Kredit nicht nutzen. Sie können sich nach der ersten Phase einfach nur das angesparte Guthaben auszahlen lassen und darüber frei verfügen. So wird der Bauspar­vertrag zum Sparplan.

Aufgrund der nied­rigen Zinsen lohnt sich das aktuell bei vielen Tarifen nicht. Abschluss­gebühr und Entgelte fressen die Rendite auf. Einige Bausparkassen bieten aber Tarife mit einem Bonuszins an, wenn der Kunde den Kredit nicht in Anspruch nimmt. Manche zahlen zudem einen Jugend­bonus für junge Sparer. Genau auf solche Tarife haben wir bei unserer Unter­suchung gesetzt. Denn gemein­sam mit der Wohnungs­bauprämie machen die Boni eine gute Rendite möglich.

Nur ein Anbieter wollte mitmachen

Insgesamt haben wir für unsere Unter­suchung alle 17 Bausparkassen mit Neukunden­geschäft ange­schrieben. Sie sollten uns ihren besten Tarif nennen. Die Voraus­setzungen: Die Kundin ist jünger als 25 Jahre und möchte das Bauspardarlehen nicht in Anspruch nehmen. Sie kann monatlich um die 60 Euro sparen und möchte die Wohnungs­bauprämie möglichst voll ausschöpfen.

Mit der LBS Südwest hat aber nur eine Bausparkasse an unserer Unter­suchung teil­genommen. Die anderen lehnten ab. Der häufigste Grund: Für sie diene Bausparen auch bei jungen Leuten zur Immobilien­finanzierung und nicht als reine Geld­anlage.

Da viele Bausparkassen aber trotzdem passende Tarife anbieten, haben wir selbst Beispiel­rechnungen durch­geführt.

Das Ergebnis: Nicht nur bei der LBS Südwest lohnt sich der Bauspar­vertrag für junge Menschen als reine Geld­anlage. Auch bei anderen Bausparkassen lassen sich Renditen von über 1 Prozent erzielen. Unsere Tabelle unten zeigt weitere Beispiele an güns­tigen Renditetarifen für Spare­rinnen und Sparer zwischen 16 und 24 Jahren.

Bausparen als Geld­anlage Alle Testergebnisse für Bau­sparen für junge Leute 08/2020

Großer Vorteil für alle unter 25

Unsere Unter­suchung zeigt: Renditetreiber für den Bauspar­vertrag als Geld­anlage ist die Wohnungs­bauprämie. Ohne diesen staatlichen Zuschuss lohnt sich der Vertrag als reiner Sparplan nicht. Der Kunde muss sie jähr­lich bei seiner Bausparkasse beantragen.

Normaler­weise zahlt der Staat die Prämie nur, wenn Sparer ihr Guthaben für eine Immobilie einsetzen. Doch für junge Menschen gilt eine Ausnahme: Waren sie bei Vertrags­abschluss zwischen 16 und 24 Jahre alt und haben mindestens sieben Jahre gespart, steht ihnen die Prämie zu, egal, was sie mit dem Geld machen. Fließt es nicht in eine Immobilie, ist die Prämie auf die letzten sieben Jahre begrenzt, auch wenn der Vertrag länger lief.

Eltern, die einen Vertrag für ihre Kinder abschließen wollen, sollten darauf achten, dass das Kind der Vertrags­nehmer ist.

Wohnungs­bauprämie steigt 2021

Neben der Prämie steigen ab 2021 die Einkommens­grenzen. Davon profitieren junge Leute ebenfalls. Denn als Studierende, Auszubildende oder Berufs­einsteiger liegen sie meist darunter. Sehen Sie dazu auch unsere Tabelle Bausparförderung im Überblick. Um die Förderung voll auszuschöpfen, sollten Singles mindestens 59 Euro im Monat einzahlen.

Wer vom Chef vermögens­wirk­same Leistungen (VL) bekommt, kann diese für die Wohnungs­bauprämie nutzen. Dies gilt jedoch nicht, wenn das zu versteuernde Einkommen des Sparers unter 17 900 Euro im Jahr liegt. Die VL tragen dann nicht zur Wohnungs­bauprämie bei.

Trotzdem können sich in diesem Fall die VL lohnen: Kunden können für sie die Arbeitnehmer­spar­zulage beantragen. Auf diese Weise fließt ein weiterer Zuschuss in den Vertrag. Mehr dazu im Test Vermögenswirksame Leistungen anlegen.

Bausparen als Geld­anlage - Junge Sparer schaffen bis zu 2,4 Prozent Rendite
Das Geld aus dem Bauspar­vertrag muss nicht in eine Immobilien. Es kann auch für die Welt­reise genutzt werden. © Getty Images / Carrie Bottomley

Blick ins Detail ist wichtig

Ein weiteres Ergebnis unserer Unter­suchung: Kunden sollten sich die Tarifbedingungen vor dem Abschluss genau anschauen. Das zeigt etwa der Tarif Fuchs 04 XY von Schwäbisch Hall: Obwohl eine monatliche Sparrate von 59 Euro für die Wohnungs­bauprämie reicht, zahlt die Sparerin in unserer Beispiel­rechnung 65 Euro ein. Der Grund: Das ist der „Regelsparbeitrag“ für eine Bausparsumme von 10 000 Euro. Würde die Sparerin 59 Euro zahlen, könnte die Bausparkasse später eine Nach­zahlung verlangen und andernfalls kündigen. In unserem Beispiel zahlt die Kundin außerdem nur 80 Sparraten und verschenkt so fast 60 Euro Prämie. Auch das liegt an den Tarifbedingungen: Nach 80 Raten ist das tarifliche Mindest­guthaben erreicht. Weitere Sparzah­lungen sind nur mit Zustimmung der Bausparkasse erlaubt.

Zur Finanzierung besser andere Tarife

Junge Leute, die einen Bauspar­vertrag als reine Geld­anlage abschließen wollen, sollten bei der Angebots­suche deutlich machen, dass sie den Vertrag nicht zur Immobilien­finanzierung nutzen wollen. Denn wir haben in der Unter­suchung fest­gestellt: Für Sparer, die ihren Bauspar­vertrag ganz klassisch für eine spätere Immobilien­finanzierung nutzen wollen, gibt es bessere Tarife. Mit unserem Bausparrechner finden sie den passenden Tarif.

Trotzdem können Kunden mit einem Tarif aus unserer Unter­suchung natürlich auch eine Immobilie finanzieren. Ist ihr Bauspar­vertrag später zuteilungs­reif, können sie immer noch flexibel vergleichen: Ist das Darlehen aus dem Bauspar­vertrag güns­tiger oder ein neuer Kredit?

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kptools am 12.12.2020 um 08:34 Uhr
Übrigens....

Wenn die Anbieter tatsächlich im Interesse Ihrer (jungen) Kunden handeln würden, dann würden sie Verträge mit einer exakten Laufzeit von 7 Jahren bei einer Monatsrate von 58,34 € anbieten und auf alle weitere (Abschluss-) Gebühren und Kosten verzichten, statt irgendwelche Pseudozinsen und Boni "anzubieten", die hintenrum wieder abkassiert werden. Das wäre dann absolut transparent und einfach und den Anbietern sicherlich problemlos möglich, wenn man sich ihren sonstigen "Einfallsreichtum" so betrachtet.
Bei dem ersten Anbieter, der sowas anbietet würde ich sofort abschließen. Also: "Think New"

kptools am 12.12.2020 um 07:36 Uhr
2 Verträge

@ Insomnia Eigentlich ist es ganz einfach: Für die Nutzung der VL-Zulage ist die Vertragsform weitestgehend egal (es kann auch ein Bausparvertag sein), für die Wohnungsbauprämie muss es ein Bausparvertrag sein. Beides ist völlig unabhängig voneinander.

kptools am 12.12.2020 um 07:22 Uhr
Verschwendung von Steuergeldern

Hallo,
bei einer Nullverzinsung für den Sparanteil wäre unter optimalen Bedingungen sogar eine Rendite von rund 2,64 % drin und es mag sich aus Sparersicht auch um eine gute Anlagemöglichkeit handeln. Trotzdem halte ich es für eine Unverfrorenheit, daß, wie bei dem Angebot der BHW, fast die Hälfte der staatlichen Zulagen beim Anbieter versickert, der damit quasi subventioniert wird. Bei allen anderen Anbietern scheint es wohl noch düsterer auszusehen.
Daß dies möglich ist sieht man ja am Angebot der LBS Südwest. Hier müsste bestenfalls noch an den Randbedingen gefeilt werden, um die volle Zulage auszuschöpfen.
Daher muss der Gesetzgeber dringend nachsteuern: Einzahlungen und Zulagen müssen dem Sparer zum Laufzeitende komplett erhalten bleiben. Zinsen auf den Sparanteil sind dann die Kür. Oder man fördert bei unter 25-jährigen (auch oder nur) ganz normale Ratensparverträge mit entsprechender Laufzeit.

Insomnia am 26.08.2020 um 12:07 Uhr
2. Vertrag WOP - WOP für junge Leute

Hallo,
sie haben die Stelle zitiert. §2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 4 Wohnungsbauprämiengesetz regelt, dass jeder Bausparer nur EINMAL über EINEN vor Vollendung des 25. Lebensjahres abgeschlossenen Bausparvertrag ohne wohnungswirtschaftliche Verwendung prämienunschädlich verfügen kann. Meine Tochter schließt aber nun einen zweiten Vertrag ab. Ich gehe nun aber davon aus, dass dies unproblematisch ist, da sie im 1. Vertrag keine WOP beantragt. Und sie den 2. Vertrag ohne wohnungswirtschaftliche Verwendung prämienunschädlich verwenden kann.
Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Profilbild Stiftung_Warentest am 24.08.2020 um 17:33 Uhr
2. Vertrag WOP - WOP für junge Leute

@Insomnia: Ich weiß jetzt nicht, woher Sie das mit dem ersten Bausparvertrag nehmen.
§2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 4 Wohnungsbauprämiengesetz regelt lediglich, dass jeder Bausparer nur EINMAL über EINEN vor Vollendung des 25. Lebensjahres abgeschlossenen Bausparvertrag ohne wohnungswirtschaftliche Verwendung prämienunschädlich verfügen kann. (maa)