Bausparen

Bausparberatung: Märchen­stunde mit dem BHW-Berater

29.04.2016

Wie ein BHW-Vertreter mit einer dreisten Lüge versucht, eine Kundin aus einem gut verzinsten Altvertrag zu drängen. Finanztest schildert den Fall der Berlinerin Marion Blitz.

Inhalt

Zwanzig Jahre alter Vertrag

Marion Blitz aus Berlin hat einen Bauspar­vertrag bei der BHW. Den hat ihre Mutter vor fast 20 Jahren für sie abge­schlossen. Weil das Guthaben mit 4 Prozent im Jahr verzinst wird, möchte Marion Blitz den Vertrag noch lange behalten. Sie weiß: Kündigen kann die Bausparkasse erst, wenn ihr Guthaben die Bausparsumme erreicht. Das wird noch mindestens fünf Jahre dauern.

„Da ist die Bafin knall­hart.“

Ende Februar kam ein Anruf von der BHW. Ihr Bauspar­vertrag sei schon seit 2013 zugeteilt, sagte der Berater. Solche Verträge würden in nächster Zeit „abge­rechnet“. Im Beratungs­gespräch wurde er deutlicher: Die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) fürchte den Zusammenbruch des Bauspar­systems. Deshalb werde sie die Bausparkassen bald zwingen, alte Verträge mit hohen Gutha­benzinsen abzu­rechnen. „Darf sie das denn?“, fragte Blitz verdutzt. „Das steht im Bausparkassengesetz“, versicherte der BHW-Mann. „Da ist die Bafin knall­hart.“

Glatt gelogen

Die BHW könne ihr aber eine Anlage-Alternative zu Sonder­konditionen bieten. Sie könne zum Beispiel den Bauspar­vertrag auflösen und ihr Guthaben für drei Jahre als Fest­geld bei der Post­bank zu einem Zins­satz von 3 Prozent anlegen. Auch ein Wechsel zu einem neuen BHW-Tarif sei möglich – dabei würden ihr allerdings 2 700 Euro Zinsen vom Guthaben wieder abge­zogen. Marion Blitz wird ihren alten Vertrag behalten. Eine Anfrage bei der Stiftung Warentest bestätigte ihre Vermutung: Der BHW-Berater hat glatt gelogen. Eine Zwangs­abrechnung kennt das Bausparkassengesetz nicht. Und die Bafin denkt gar nicht daran, den Bausparkassen Kündigungen zu erleichtern.

Ein Trick

Neu ist der Bafin-Trick nicht. Vor gut drei Jahren versuchten es Mitarbeiter von Wüstenrot mit einer ähnlichen Masche. Sie wollten ihren Kunden weismachen, die Bafin streiche in Kürze den versprochenen Zins­bonus.

29.04.2016
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