Bausparen Test

Nur 4 von 22 Bausparkassen schnitten im Praxistest mit einem einfachen Modernisierungsfall gut ab. Viel zu oft beraten die Bausparkassen am Kunden vorbei. Und häufig sind die Angebote zu teuer.

Ein passender Bausparvertrag ist eine gute Idee, um für ein Eigenheim oder eine spätere Modernisierung der eigenen vier Wände zu sparen. Die Sparzinsen sind zwar mickrig. Doch am Ende der Sparzeit erhält der Bausparer nicht nur sein Guthaben, sondern zusätzlich ein günstiges Darlehen. Dessen Zinssatz steht schon heute fest.

Aber bekommen Bausparer wirklich ein gutes Angebot, wenn sie sich von einer Bausparkasse beraten lassen? Finanztest wollte es genau wissen und schickte Tester in jeweils sieben Filialen der 22 Bausparkassen.

Bausparen Test

Die gute Nachricht: Fast die Hälfte der 154 Beratungen war gut oder sehr gut (siehe Grafik). Wüstenrot und die Landesbausparkassen (LBS) Baden-Württemberg, Bremen und Nord verdienten sich das Qualitätsurteil gut.

Die schlechte Nachricht: Fast jede vierte Beratung war mangelhaft. Mal war die Spar- oder Darlehensrate für den Kunden zu hoch, mal die Zeit bis zur Zuteilung zu lang. Oft waren die Angebote viel zu teuer, weil die Berater den falschen Tarif oder eine ungünstige Sparvariante wählten.

Deutsche Bank Bauspar, Huk-Coburg, LBS Ost und LBS Rheinland-Pfalz fielen im Test durch. Unser Qualitätsurteil: viermal mangelhaft. Bei diesen und drei weiteren Kassen wurden die Testkunden gleich in drei von sieben Fällen schlecht beraten.

Von den 22 Bausparkassen im Test leisteten sich 18 mindestens eine Fehlberatung. Mitarbeiter derselben Bausparkasse erstellten für unseren Testfall völlig verschiedene Angebote. Mitunter nutzten sie nicht einmal dasselbe Computerprogramm.

Bei vielen Kassen ist es daher Glücksache, ob der Kunde in einer Filiale eine schlechte, eine annehmbare oder vielleicht auch eine gute Beratung erhält. Mit Markenqualität hat das nichts zu tun.

Die guten Bausparkassen zeigen, dass es besser geht. Zum Beispiel Wüstenrot: Beim Testsieger war selbst das schlechteste der sieben Testgespräche noch gut.

Einfacher Testfall

Die vielen Ausfälle hatten wir nicht erwartet. Denn unsere Anforderungen an die Bausparkassen waren nicht sonderlich hoch.

Unser Testkunde ist Eigentümer einer Immobilie, die er in vier Jahren umfassend modernisieren will. Er rechnet mit Kosten in Höhe von 50 000 Euro. Der Kunde hat schon 10 000 Euro auf einem Tagesgeldkonto beiseite gelegt. Außerdem kann er bis zu 400 Euro monatlich sparen und später zur Finanzierung einsetzen. Für einen Bausparprofi sollte es kein Problem sein, dafür ein geeignetes Angebot zu erstellen.

„Freundlich“, „engagiert“, „machte einen kompetenten Eindruck“ – so und ähnlich beschrieben unsere Tester die meisten ihrer Berater. Viel wichtiger ist es allerdings, welches Ergebnis am Ende für den Kunden herausspringt − und das war in vielen Fällen mager und mitunter auch völlig daneben.

Wünsche des Kunden ignoriert

Die wichtigste Voraussetzung für eine gute Beratung: Das Angebot muss zu den Zielen des Kunden passen und auf seine finanziellen Möglichkeiten abgestimmt sein.

Ausgerechnet in diesem Punkt patzten viele Berater. Die Kunden wollten in vier Jahren modernisieren. Fast jeder sechste erhielt ein Angebot, bei dem er die Bausparsumme erst nach fünf Jahren oder noch später erhält. Das fiel besonders häufig bei den LBS Bayern und Ost sowie beim Deutscher Ring und der Signal Iduna auf.

Der Gipfel war eine Sparzeit von fast zehn Jahren, die eine Beraterin der LBS Bayern empfahl. Die Folge einer verspäteten Zuteilung: Der Hauseigentümer muss seine Pläne verschieben. Oder er muss bis zur Zuteilung einen Zwischenkredit von der Bausparkasse oder einer Bank aufnehmen. Dieser kann die Finanzierung erheblich verteuern. Und es ist fraglich, ob sich der Kunde die Doppelbelastung aus Kreditzinsen und Bausparbeiträgen überhaupt leisten kann.

Rate zu hoch

Unsere Tester gaben an, sie könnten höchstens 400 Euro im Monat für Spar- und Kreditraten ausgeben. Es dürfe gerne auch weniger sein, aber keinesfalls mehr.

Jeder siebte Berater schoss trotzdem über das Limit hinaus. Eine Beraterin der Deutschen Bank wollte den Kunden fast 750 Euro im Monat sparen lassen. Ein BHW-Berater setzte eine Kreditrate von 615 Euro an, zwei Berater der Huk-Coburg 500 Euro. Da der Kunde so viel nicht zahlen kann, waren auch die Angaben der Berater über Zuteilungstermin und Kreditlaufzeit völlig unrealistisch.

Auch die Bausparsumme war oft zu hoch. Unsere Tester wollten 50 000 Euro in die Modernisierung stecken. Doch viele Bausparangebote liefen auf eine Summe von 60 000 Euro und mehr hinaus.

Überteuerte Angebote

Oft war das Angebot der Berater schlicht zu teuer. Unser Maßstab ist der Preis für eine Finanzierung ohne Bausparvertrag: Der Eigentümer legt sein Geld bei einer Bank zu einem Zinssatz von 1,75 Prozent an. Die Modernisierung finanziert er nach vier Jahren mit seinem Sparguthaben und einem Bankdarlehen. Für das Darlehen haben wir einen Zinssatz von 5,5 Prozent angenommen. Das wäre ein deutlicher Anstieg gegenüber den aktuellen Zinsen für Immobilienkredite.

In einem solchen Szenario spricht vieles für das Bausparen. Denn die Niedrigzinsen für das Bauspardarlehen sind unabhängig von der Zinsentwicklung am Kapitalmarkt schon heute garantiert. Mit einer guten Beratung hätten die Bausparkassen das Bankmodell locker schlagen können.

Doch im Praxistest war knapp die Hälfte der Bausparangebote schlechter als die Bankvariante. Jedes fünfte Angebot war mindestens 500 Euro teurer. Vier Angebote der Deutschen Bank Bausparkasse waren so mies, dass eine Bankfinanzierung selbst bei einem Zinsanstieg auf 10 Prozent noch günstiger gewesen wäre. Ähnlich daneben lagen Angebote der Aachener Bausparkasse.

Häufige Ursache für überteuerte Angebote: Die Berater ließen den Kunden zu viel Geld in den Vertrag einzahlen, nämlich die vollen 10 000 Euro vom Tagesgeldkonto, dazu vier Jahre oder länger die Höchstrate von 400 Euro.

Bis zur Zuteilung hätte der Bausparer weit mehr als das Mindestguthaben von 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme gespart. Er legt unnötig viel Geld zum Minizins von meist nur 0,5 oder 1,0 Prozent an. Und er verringert seinen Anspruch auf das günstige Bauspardarlehen. Dessen Höhe ergibt sich meist aus der Differenz zwischen vereinbarter Bausparsumme und Guthaben.

Eine Übersparung verlagert den Schwerpunkt des Vertrags auf die ungünstige Sparphase – gut für die Bausparkasse, schlecht für den Kunden.

Gebühren versteckt

Bausparen Test

Besser als die Angebote selbst sind oft die Informationen darüber. Die Tester erhielten meist ein schriftliches Angebot mit allen wichtigen Produktinformationen und mit einem Anspar- und Tilgungsplan.

Manche Unterlagen waren allerdings reichlich unübersichtlich. Spar- und Tilgungspläne hatten oft Lücken. Mitunter waren sie nicht einmal ordentlich formatiert. Und häufig müssen Kunden rätseln, was Abkürzungen wie AgSt, BWZ, WoRi oder Zvor bedeuten.

Besonders ärgerlich: Einige Bausparkassen verstecken systematisch die Abschlussgebühr in Höhe von 1,0 oder 1,6 Prozent der Bausparsumme.

Vier Berater der LBS Hessen-Thüringen erstellten Angebote ohne Hinweis auf die Höhe der Abschluss- und Kontogebühren.

Typisch für das Versteckspiel ist das Beispiel eines BHW-Beraters: Sein Sparplan zeigt für den geplanten Vertragsstart eine Einzahlung von 288 Euro und ein Guthaben von 288 Euro. Das sieht so aus, als ziehe die Bausparkasse keine Kosten ab. Doch in Wirklichkeit muss der Bausparer am Anfang nicht 288 Euro, sondern 800 Euro einzahlen. Die Bausparkasse hatte stillschweigend 500 Euro Abschlussgebühr und 12 Euro Servicegebühr abgezogen.

Mitunter erhalten Bausparkunden sogar falsche Auskünfte. Viele Berater gaben an, der Kunde könne die Kreditrate auch noch während der Darlehensphase senken. Tatsächlich darf die Rate den tariflichen Tilgungsbeitrag nicht unterschreiten.

Unser Fazit aus dem Test: Von einer guten und einheitlichen Qualität sind die meisten Bausparkassen weit entfernt. Die Zahl der Fehlberatungen ist erschreckend.

Einem Kunden, der schlecht beraten wird, nützt es auch nichts, wenn andere bei derselben Bausparkasse besser bedient werden. Deshalb haben wir das Qualitätsurteil für alle Kassen abgewertet, wenn sie sich in den sieben Testgesprächen eine oder mehrere Fehlberatungen geleistet haben.

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