Bausparen Test

Bausparen ohne zu bauen: Bei den Renditetarifen der Bausparkassen türmen sich Zinsen, Boni und Prämien zu hohen Erträgen.

Bausparen als Renditeknüller: Mit Bonus und staatlichen Prämien erzielen Anleger Spitzenrenditen über 6 Prozent.

Im vergangenen Jahr mussten die Bausparkassen lange um ihr zugkräftigstes Werbeargument bangen: Zum Entsetzen der Branche wollte die Bundesregierung die Wohnungsbauprämie ­abschaffen. Erst am 15. Dezember kam E ntwarnung. Im Vermittlungsausschuss hatten sich Bund und Länder auf eine nur geringe Kürzung der Prämie von 10 auf 8,8 Prozent der jährlichen Sparbeiträge geeinigt.

Damit kann die Branche gut leben. Das Geschäft brummt weiter. In den ersten acht Monaten dieses Jahres verkauften die Bausparkassen fast so viele Bausparverträge wie im gleichen Zeitraum des Rekordjahres 2003.

Kein Wunder: Denn für Sparer ist ein Bausparvertrag trotz Kappung der ­Förderung kaum weniger attraktiv als zuvor. Liegt ihr Einkommen unter der Fördergrenze, lohnt sich zumindest ein kleiner Vertrag zur Ausschöpfung von Prämien und Zulagen fast immer.

Das gilt nicht nur für klassische Bausparer, die einen Vertrag abschließen, um später ein günstiges Darlehen für die Finanzierung ihres Eigenheims zu erhalten. Bausparen eignet sich auch als ganz normaler Sparvertrag für alle, die lediglich ihr Geld sicher und rentabel anlegen wollen – und nicht mal im Traum ans Eigenheim denken.

Toprendite mit Bonus und Prämie

Bausparen Test

Selbst ohne staatliche Förderung bringt ein Rendite-Bausparvertrag oft mehr Zinsen als ein Sparvertrag mit der Bank.

Auf den ersten Blick scheint Bausparen alles andere als eine rentable Geldanlage zu sein. Denn die Bausparkassen zahlen aufs Guthaben nur magere Basiszinsen von 1 bis 3 Prozent. Davon gehen eine Abschlussgebühr von 1 oder 1,6 Prozent der Bausparsumme und mitunter auch jährliche Kontoführungsgebühren ab.

Doch in ihren Renditetarifen stocken die Kassen die Zinsen nachträglich um einen Bonus von 1,00 bis 2,75 Prozent pro Jahr auf, wenn der Bausparer auf ein Darlehen verzichtet und sich nur das Guthaben auszahlen lässt. Einige erstatten in diesem Fall auch die Abschlussgebühr. Und als Sahnehäubchen packt der Staat noch ein paar Hundert Euro an Prämien und Zulagen drauf.

Unser Vergleich der Renditetarife zeigt: Mit dem richtigen Tarif erzielen Bausparer Spitzenrenditen, die sie derzeit von keiner Bank bekommen. So bringt ein Bausparvertrag bei einem der Testsieger Debeka und Quelle Bausparkasse nach sieben Jahren Laufzeit selbst ohne staatliche Förderung eine risikolose Rendite bis über 4 Prozent. Allenfalls günstige Direktbanken wie die Volkswagen Bank können da mit ihren Sparplänen gerade noch mithalten.

Noch besser fällt das Ergebnis für Sparer mit Anspruch auf Bausparförderung aus. Schöpfen sie Prämien und Sparzulagen optimal aus, steigt die Rendite bei günstigen Bausparkassen auf 5,4 bis 6,2 Prozent.

Förderung im Doppelpack

Viele Bausparer profitieren gleich doppelt von der staatlichen Förderung:

  • Auf jährliche Sparleistungen bis zu 512 Euro (Ehepaare 1 024 Euro) erhalten sie 8,8 Prozent Wohnungsbauprämie, wenn ihr zu versteuerndes Einkommen 25 600 Euro (Ehepaare 51 200 Euro) im Jahr nicht übersteigt. Brutto dürfen sie mehr verdienen. So bekommt eine Familie mit zwei Kindern die Prämie noch mit 67 810 Euro Bruttolohn im Jahr (siehe Tabelle „So viel darf es brutto sein“).
  • Arbeitnehmer können außerdem eine 9-prozentige Sparzulage erhalten, wenn sie – am besten zusätzlich – vermögenswirksame Leistungen bis zu 470 Euro im Jahr vom Arbeitgeber auf das Bausparkonto überweisen lassen. Die Einkommensgrenzen sind allerdings niedriger als bei der Wohnungsbauprämie.

Sieben Jahre Sperrfrist

Um Prämien und Zulagen zu kassieren, müssen Renditesparer mindestens sieben Jahre warten, bevor sie sich ihr Guthaben auszahlen lassen. Dann können sie mit dem Ersparten machen, was sie wollen, ohne die Förderung zu verlieren. Das Finanzamt sponsert so auch eine Weltreise oder ein neues Auto.

Rufen sie ihr Guthaben innerhalb der siebenjährigen Sperrfrist ab, dürfen Bausparer die Förderung dagegen nur behalten, wenn sie das Geld zum Bauen, Kaufen und Modernisieren von Immobilien ausgeben.

Sparer ohne Bauabsicht sollten daher sicher sein, dass sie ihr Geld die nächsten sieben Jahre nicht benötigen – ­zumal sie mit einer vorzeitigen Kündigung auch den Zinsbonus riskieren. Denn die meisten Bausparkassen rücken den Bonus erst ab einer Vertragslaufzeit von sieben Jahren heraus.

Nur wenige Spitzentarife

Das Zinstief am Kapitalmarkt ist auch an den Bausparkassen nicht spurlos vorübergegangen. Fast alle Kassen haben in den vergangenen Jahren neue Tarife eingeführt: mit weniger Gebühren und niedrigeren Darlehenszinsen – aber auch geringeren Zinsen aufs Guthaben. Die Auswahl an lohnenden Renditetarifen ist daher kleiner geworden.

So hatte vor sechs Jahren noch ein gutes Dutzend Bausparkassen Tarife mit einer Gesamtverzinsung aus Zins und Bonus von 4,4 bis 5,0 Prozent im Programm. „Nur“ 4 Prozent bringt heute der Tarif easy plus der Alten Leipziger Bausparkasse. Damit gehört er schon zu den wenigen Spitzentarifen für Renditesparer. Die meisten Bausparkassen zahlen höchstens 3,0 bis 3,5 Prozent.

Niedrige Bausparsummen

Nicht nur der richtige Tarif entscheidet über die Rendite. Wichtig ist auch eine Bausparsumme, die auf die Sparraten und eine maximale Rendite zugeschnitten ist (siehe Tabelle „Raten und Bausparsummen“).

Klassische Bausparer wählen die Bausparsumme am besten so, dass sie zum gewünschten Auszahlungstermin nur das tarifliche Mindestguthaben von 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme angespart haben. Dann bekommen sie ein maximales Darlehen für die Baufinanzierung. Denn das Darlehen ergibt sich aus der Differenz aus Bausparsumme und angespartem Guthaben.

Für Renditesparer spielt das Darlehen keine Rolle. Sie können die Bausparsumme viel niedriger wählen, um Abschlussgebühren zu sparen. Faustregel: Die Bausparsumme sollte rund das Zehnfache der jährlichen Sparraten betragen. Sie entspricht dann etwa dem Guthaben nach sieben bis acht Jahren.

Eine noch kleinere Bausparsumme ist aber nicht sinnvoll. Denn Einzahlungen über die Bausparsumme hinaus sind nach den Tarifbedingungen entweder nicht zulässig oder sie werden nur mit dem Basiszinssatz verzinst. Außerdem gibt es für derart übersparte Verträge keine staatliche Förderung mehr.

Auf die Zuteilung achten

Eine niedrige Bausparsumme ist auch wichtig, damit der Bausparvertrag spätestens nach sieben Jahren zugeteilt ist.

Denn die meisten Bausparkassen streichen den Zinsbonus, wenn der Bausparer den Vertrag vor der Zuteilung kündigt. Und je höher die Bausparsumme im Verhältnis zum Sparbeitrag ist, desto länger dauert es, bis die Zuteilungsvoraussetzungen erfüllt sind (siehe „So funktioniert Bausparen“).

Dennoch versuchen Bausparkassen immer wieder, Renditesparern Verträge mit unnötig hohen Bausparsummen zu verkaufen.

Die Huk-Coburg beispielsweise hat ermittelt, dass für einen verheirateten Arbeitnehmer mit Anspruch auf Prämien und Zulagen eine Bausparsumme von 14 000  Euro die maximale Rendite bringt (siehe Modellfall 1 in der Tabelle „Hohe Renditen...“). Im Internet empfiehlt die Kasse jedoch für den gleichen Fall eine Bausparsumme von 23 000 Euro. Das kostet den Sparer 90 Euro überflüssige Abschlussgebühr. Statt 5,85 Prozent erhält er nur 5,52 Prozent Rendite.

Auch der Internetrechner der Quelle-Bausparkasse schlägt zu hohe Bausparsummen vor, die die Rendite um einige Zehntel verschlechtert.

Sparen ohne Förderung

Bausparen ist zumindest bei den Spitzenreitern im Test auch ohne Förderung eine gute Alternative zu Sparplänen von Banken und Sparkassen. Wie bei festverzinslichen Bankangeboten sind die Guthabenzinssätze und Boni der Bausparkassen für die gesamte Laufzeit garantiert. Und Bausparguthaben sind in voller Höhe geschützt.

Neben der oft höheren Rendite spricht fürs Bausparen auch die höhere Flexibilität im Vergleich zu vielen Banksparplänen mit fester Verzinsung. So können Bausparer während der Laufzeit Sonderzahlungen leisten oder eine Zeit lang mit dem Sparen aussetzen. Sie können den Vertrag jederzeit kündigen und sich das Guthaben nach einer Frist von drei bis sechs Monaten auszahlen lassen – in den ersten sieben Jahren aber meist nur unter Verlust der Bonuszinsen.

Unterm Strich eignet sich Bausparen als Basisanlage zum Vermögensaufbau selbst für Baumuffel, die für die Förderung vom Staat zu viel verdienen. Für Sparer ab 50 Jahren kann es sich sogar lohnen, einen Rendite-Bausparvertrag gezielt für die Altersvorsorge abzuschließen.

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