Bausparen Meldung

Viele Bausparer spekulieren gar nicht aufs Richt­fest - sie freuen sich einfach über die guten Zinsen aus alten Verträgen.

Bausparkassen dürfen nicht immer kündigen, wenn der Bausparer zehn Jahre nach der ersten Zuteilungs­möglich­keit noch kein Darlehen abge­rufen hat. Dieses Kündigungs­recht steht den Bausparkassen zwar prinzipiell zu, entschied der Bundesgerichtshof kürzlich. Die nun veröffent­lichte Urteils­begründung zeigt: Es gibt eine wichtige Ausnahme. Sieht der Vertrag einen Zins­bonus vor, beginnt die Zehn-Jahres-Frist frühestens mit dem Zeit­punkt, ab dem der Bausparer den Bonus bean­spruchen kann.

Viele Tarife mit Zins­bonus

Viele Bauspar­tarife sehen einen Zins­bonus vor, wenn der Bausparer nach der Zuteilung seines Vertrags auf ein Darlehen verzichtet. Häufig wird der Bonus erst nach Ablauf einer Vertrags­lauf­zeit von mindesten sieben Jahren gezahlt. Mitunter hängt der Bonus auch davon ab, dass der Vertrag eine bestimmte Bewertungs­zahl erreicht hat – eine von der Kasse berechnete Kenn­ziffer für die Spar­leistung ihrer Kunden.

Zehn-Jahres-Frist beginnt erst mit Bonus­anspruch

Meist sind die Voraus­setzungen für den Bonus bereits erfüllt, wenn der Vertrag zugeteilt werden kann. Der Bausparer kann dann jeder­zeit entscheiden, ob er sich die Bausparsumme inklusive Darlehen oder nur das Guthaben plus Bonus auszahlen lässt. In diesem Fall ist klar: Die Bausparkasse darf zehn Jahre nach der Zuteilungs­reife mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. Es gibt aber Ausnahmen. Denn je nach Tarif und Spar­verlauf kann der Bauspar­vertrag mitunter schon jahre­lang zuteilungs­reif sein, bevor die Voraus­setzungen für den Zins­bonus erfüllt sind. Dann darf die Bausparkasse erst kündigen, wenn auch der Bonus­anspruch schon seit mindestens zehn Jahren besteht. Diese für viele Juristen über­raschende Auflage des Bundes­gerichts­hofes haben die Bausparkassen bei Ihren Kündigungen bislang nicht beachtet.

Debeka-Kündigungen teil­weise unzu­lässig

Für Bausparer mit Bonuszins-Verträgen kann es sich daher lohnen, die Kündigung ihrer Bausparkasse über­prüfen zu lassen. Andreas Mayer, Fach­anwalt für Bank- und Kapitalmarkt­recht aus Freiburg, kennt ein typisches Beispiel. Seine Mandantin hat im Jahr 2002 einen Bauspar­vertrag bei der Debeka abge­schlossen. Laut Tarif erhöht sich die Guthaben­verzinsung rück­wirkend ab Vertrags­beginn von 3,0 auf bis zu 4,5 Prozent – voraus­gesetzt, die Kundin verzichtet auf das zugeteilte Bauspardarlehen und ihr Vertrag hat eine bestimmte Bewertungs­zahl erreicht. Im Oktober 2006 war der Vertrag zuteilungs­reif. Zehn Jahre später, im November 2016, kündigte die Bausparkasse zum Mai 2017. „Die Kündigung ist nach dem BGH-Urteil unwirk­sam,“ sagt Rechts­anwalt Mayer. Denn die für den maximalen Zins­bonus nötige Bewertungs­zahl erreichte der Bauspar­vertrag erst Ende August 2010. „Ein Kündigungs­recht steht der Bausparkasse deshalb frühestens im September 2020 zu.“

Vertrag läuft vier Jahre länger

Für die Debeka-Kundin lohnt es sich, gegen die Kündigung vorzugehen. Setzt sie sich durch, kann sie ihren alten Vertrag mit 4,5 Prozent Zinsen noch fast vier Jahre behalten. Das bringt ihr mehr als 2 000 Euro Zinsen.

Tipp: Die Kündigung Ihrer Bausparkasse sollten Sie nicht vorschnell akzeptieren, nur weil Ihr Vertrag schon seit mehr als zehn Jahren zuteilungs­reif ist. Sieht Ihr Vertrag einen Bonus oder eine Treue­prämie vor, sollten Sie die Kündigung von einer Verbraucherzentrale über­prüfen lassen. Ob und unter welchen Voraus­setzungen Sie Anspruch auf einen Zins­bonus haben, steht in den Allgemeinen Bausparbedingungen (in der Regel in Paragraf 3, in sehr alten Verträgen in Paragraf 6), die Sie bei Vertrags­abschluss von der Bausparkasse erhalten haben.

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