So günstig wie heute war ­Bausparen noch nie. Bausparer profitieren von besseren Tarifen und niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt.

Schwäbisch Hall meldet „Rekordwachstum“, die Landesbausparkassen verzeichnen zweistellige Zuwachsraten und das BHW schwärmt von einem „fulminanten Neugeschäft“: Bausparen ist zurzeit ein echter Renner.

Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres haben Bausparer Verträge mit einer Bausparsumme von mehr als 47 Milliarden Euro abgeschlossen. Das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie zuvor in einem Halbjahr.

Der Kursrutsch am Aktienmarkt, die Krise der Lebensversicherer und die Niedrigzinsen am Kapitalmarkt haben den Sturm auf die Bausparkassen ausgelöst. Der Höhepunkt steht noch bevor. Zum Jahresende werden Hunderttausende schnell noch einen Bausparvertrag abschließen, um sich die staatliche Wohnungsbauprämie zu sichern.

Denn die Prämie steht auf der Streichliste der Bundesregierung. Für Neuverträge soll sie ab dem 1. Januar 2004 entfallen. Doch wer vor dem Stichtag abschließt und nicht zu viel verdient, kann noch sieben Jahre lang von der alten Förderung profitieren. Dann lohnt sich Bausparen sogar für Anleger, die gar nicht bauen wollen und nur auf eine hohe Rendite aus sind.

Sparen fürs Eigenheim

Bausparen Test

Die meisten Bausparer haben aber die eigenen vier Wände im Sinn. Sie begnügen sich einige Jahre mit niedrigen Sparzinsen für das Geld, das sie einzahlen. Dafür bekommen sie ein billiges Baudarlehen, wenn sie 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme gespart haben und ihr Vertrag die nötige Bewertungszahl erreicht.

Mit dem Bausparvertrag kaufen sie zugleich ein Stück Sicherheit. Die Konditionen für das spätere Darlehen stehen heute schon fest. Wie viel Immobiliendarlehen der Banken in ein paar Jahren kosten, ist dagegen ungewiss.

Heute verzichten, morgen profitieren – Bausparer haben gute Chancen, dass diese Rechnung aufgeht. Denn so günstig wie heute konnten sie sich noch nie ein billiges Darlehen von der Bausparkasse reservieren lassen.

Bessere Angebote

Die Bausparkassen haben ihre Angebote in den vergangenen Jahren verbessert. Die meisten zahlen zwar nur 1,5 Prozent statt 2,5 oder 3,0 Prozent Zinsen auf das Guthaben. Dafür bekommen Bausparer aber ihr Darlehen billiger.

Die Kassen verlangen für das Darlehen überwiegend nur noch 3,95 bis 4,25 Prozent Zinsen. Die früher übliche Darlehensgebühr von 2 oder 3 Prozent der Kreditsumme ist aus den meisten Tarifen ebenso verschwunden wie die jährliche Kontogebühr.

Unterm Strich überwiegen für Bausparer die Vorteile der Tarifumstellung. Im Vergleich zur Finanztest-Untersuchung vor zwei Jahren (Heft 12/2001) erzielten die meisten Bausparkassen in unserem Test mit ihren neuen Tarifen bessere Ergebnisse.

Das beste Argument fürs Bausparen sind derzeit aber die niedrigen Kapitalmarktzinsen. Solange auch Banken nur mickrige Zinsen für ihre Sparpläne zahlen, fällt der Nachteil des Bausparers in der Sparphase gering aus.

Umso schwerer wiegt der Vorteil des günstigen Darlehens. Denn wenn der Bausparer in fünf oder sieben Jahren baut, könnten die Hypothekenzinsen längst gestiegen sein.

Bausparen im Vergleich

Dazu ein Beispiel: Ein Bausparer will in sieben Jahren bauen und bis dahin monatlich 250 Euro sparen. Die Bausparkasse schlägt einen Vertrag mit einer Bausparsumme von 50 000 Euro vor. Davon muss der Bausparer 40 Prozent ansparen. Die Abschlussgebühr beträgt 1 Prozent der Bausparsumme, der Sparzins 1,5 Prozent und der Zinssatz für das Darlehen 4,25 Prozent.

Teilt die Bausparkasse den Vertrag nach sieben Jahren zu, hat der Bausparer 21 843 Euro auf dem Konto. Dazu bekommt er ein Darlehen von 28 157 Euro (Bausparsumme minus Guthaben), das er in 9,5 Jahren mit Monatsraten von 300 Euro zurückzahlen muss.

Ob sich der Vertrag lohnt, zeigt der Vergleich mit einer Bankfinanzierung. Legt der Sparer die 250 Euro im Monat in einem festverzinslichen Banksparplan an, erzielt er zurzeit nur 3 Prozent Rendite. Sein Guthaben wächst dann in sieben Jahren auf 23 611 Euro. Das sind 1 768 Euro mehr als auf dem Bausparvertrag.

Allerdings muss der Banksparer damit rechnen, dass er für sein Baudarlehen mehr als 4,25 Prozent zahlen muss. Beträgt der Effektivzins des Bankdarlehens 7 Prozent, könnte er in der gleichen Zeit und mit der gleichen Rate wie der Bausparer nur ein Darlehen von 25 205 Euro zurückzahlen. Das sind 2 952 Euro weniger als mit dem Bausparvertrag.

Unterm Strich ist der Bausparer klar im Vorteil. Die Bilanz aus Ansparverlust und Darlehensvorteil ergibt für ihn rund 1 200 Euro Gewinn.

Damit der Banksparer seinen Startvorteil rettet, müsste er das Bankdarlehen in sieben Jahren zu einem Effektivzins unter 5,87 Prozent bekommen. Das wäre reine Glückssache.

Das gute Abschneiden des Bausparvertrags liegt vor allem am niedrigen Sparzins der Bank. Noch vor einigen Jahren gab es auf Banksparpläne eine Rendite von 5 Prozent. Mit dem gleichen Tarif hätte der Bausparer dann in der Sparphase einen Zinsnachteil von 3  490 statt 1 758 Euro. Die gesunkenen Kapitalmarktzinsen haben den gleichen Effekt, als hätte die Bausparkasse den Preis für ihr Darlehen halbiert.

Die Tabelle zeigt: Bei den heute niedrigen Sparzinsen von 2,5 bis 3,5 Prozent lohnt sich ein guter Bausparvertrag bereits bei künftigen Hypothekenzinsen von 5,5 bis 6,0 Prozent. Gegenüber den aktuellen Zinssätzen wäre das nur ein Anstieg von einem halben bis zu einem Prozentpunkt.

Pluspunkte für Bausparer

In dieser Rechnung sind zusätzliche Pluspunkte für Bausparer noch nicht berücksichtigt:

  • Bausparkassen vergeben ihre Darlehen zu Einheitszinsen bis zu 80 Prozent des geschätzten Immobilienwerts. Bankdarlehen werden dagegen meist teurer, wenn die Kreditsumme 60 Prozent dieses Beleihungswerts übersteigt. Mit einem ausreichend hohen Bauspardarlehen können sich Baufinanzierer erstklassige Bankkonditionen ohne Zinsaufschlag sichern.
  • Anders als Banken verlangen Bausparkassen keine „Kleinsummenzuschläge“ für Kredite unter 50 000 Euro. Das kann bei kleineren Bauvorhaben, etwa einer Modernisierung, ein Vorteil sein.
  • Bausparer können jederzeit Sondertilgungen leisten. Das ist bei Bankdarlehen nicht oder nur begrenzt möglich.
  • Viele Bausparer profitieren noch von der Bausparförderung. So erhält ein Ehepaar nach sieben Jahren Sparzeit bis zu 717 Euro Wohnungsbauprämien.

Hoher Tilgungsbeitrag

Trotz dieser Vorzüge sollten sich Bausparer vor dem Abschluss allzu hoher Bausparsummen hüten. Die Zinsen für das Bauspardarlehen sind zwar niedrig, doch die Monatsraten sind hoch. Denn Bausparer müssen ihr Darlehen meist in sieben bis elf Jahren komplett tilgen.

Für ein 100 000-Euro-Darlehen zahlen sie daher eine Monatsrate von 900 bis über 1300 Euro. Das ist derzeit fast doppelt so hoch wie die Rate für einen normalen Bankkredit mit 1,5 Prozent Tilgung und knapp 30 Jahren Laufzeit.

Natürlich sind Bausparer ihre Schulden schneller los. Doch die volle Entschuldung der eigenen vier Wände in nur so wenigen Jahren kann sich kaum jemand leisten.

Ein Bausparvertrag kann daher in aller Regel nur ein Baustein der gesamten Finanzierung sein. Er ergänzt das Hypothekendarlehen einer Bank.

Wer eine zu hohe Bausparsumme wählt, riskiert am Ende eine böse Überraschung: Er hat Anspruch auf ein günstiges Darlehen – und muss darauf ganz oder teilweise verzichten, weil er sich die hohen Raten nicht leisten kann.

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