Bausparen: Zum Bauen immer besser

Bausparen Test

Niedrigere Darlehenszinsen und eine flexiblere Zuteilung: Die neuen Tarife der Bausparkassen bieten klare Vorteile für künftige Baufinanzierer. Für Geldanleger lohnen sie sich nur noch mithilfe der umstrittenen Bausparförderung.

Die Wohnungsbauprämie steht auf der Kippe. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will sie für neue Bausparverträge so schnell wie möglich abschaffen. Auf alte Bausparverträge soll sie nur noch befristet gezahlt werden.

Setzt sich Steinbrück durch, gehen Bausparern künftig bis zu 45 Euro im Jahr durch die Lappen (Ehepaaren bis zu 90 Euro). Vor allem für die Bausparkassen steht viel auf dem Spiel: Seit mehr als 50 Jahren dient ihnen die Prämie als eine Art staatliches Gütesiegel. Der Verlust ihres zugkräftigen Werbearguments könnte ihnen das gerade erst in Schwung gekommene Neugeschäft verderben.

Entschieden ist aber noch nichts. Die CDU/CSU macht sich für den Erhalt der Wohnungsbauprämie stark. Wie der Koalitionsstreit ausgeht, war bei Redaktionsschluss völlig offen.

Schutz vor steigenden Zinsen

Sparer sollten sich dadurch nicht verunsichern lassen. Unser Test der Bausparkassen zeigt: Für Sparer mit festen Eigenheimplänen ist Bausparen auch ohne staatliche Prämien attraktiv.

Bausparer müssen sich zwar mit mageren Zinsen auf ihre Sparbeiträge begnügen. Doch dafür bekommen sie ein günstiges Baudarlehen, wenn ihr Vertrag nach einigen Jahren zugeteilt wird.

Egal, wie sich die Zinsen am Kapitalmarkt in den nächsten Jahren entwickeln – der Zinssatz für das Bauspardarlehen steht heute schon für die gesamte Laufzeit fest. Keine andere Sparform bietet diese Zinssicherheit.

Bausparer haben zudem gute Chancen, dass sie mit dem Bauspardarlehen unterm Strich mehr Kreditzinsen sparen, als sie an Sparzinsen verlieren. Günstige Bausparverträge zahlen sich schon bei einem geringen Anstieg der Hypothekenzinsen von wenigen Zehntel Prozentpunkten aus (siehe „Bausparen schlägt Banksparen“).

Zinsen gesenkt

Bausparer mit festen Eigenheimplänen profitieren von neuen Angeboten. Allein im letzten Jahr haben zwei Drittel der Bausparkassen im Test neue Tarife eingeführt oder ihre bestehenden geändert.

Der Trend der vergangenen Jahre setzte sich fort: Die neuen Tarife sind besser für Bausparer, die in einigen Jahren bauen oder eine Immobilie kaufen wollen. Als reine Geldanlage lohnt sich Bausparen dagegen immer weniger.

Auf die Sparbeiträge zahlen Bausparkassen nur noch 0,5 bis 1,5 Prozent Zinsen. Nach Abzug der Abschlussgebühr bleibt nur eine Rendite bis zu 0,8 Prozent – oder sogar ein kleiner Verlust. Und auch die Bonuszinsen, die einige Kassen bei einem Darlehensverzicht zahlen, fallen nur noch bescheiden aus.

Dafür locken sie mit immer besseren Konditionen für ihre Bauspardarlehen. Der Darlehenszinssatz beträgt in den meisten Tarifen heute nur noch 2,9 bis 4,25 Prozent. Das liegt im Schnitt gut einen Prozentpunkt unter den aktuellen Hypothekenzinsen der Banken. Und die früher übliche Darlehensgebühr haben die meisten Kassen aus ihrem Tarifwerk gestrichen.

Flexibilität erhöht

Bausparen ist außerdem so flexibel wie nie. Vor allem die privaten Bausparkassen haben ihre Tarife mit einer Fülle von Wahlrechten aufgepeppt. So kann der Bausparer bei einem Tarif mit Wahlzuteilung weitgehend selbst bestimmen, wann sein Vertrag zugeteilt wird. Er muss nicht warten, bis er ein Mindestguthaben angespart und eine bestimmte Bewertungszahl erreicht hat.

Bei Tarifen mit Mehrzuteilung vergibt die Bausparkasse ein höheres Darlehen, wenn der Bausparer im Gegenzug eine höhere Monatsrate zahlt und das Darlehen schneller tilgt. Umgekehrt kann der Bausparer mitunter auch einen Teil seines Darlehensanspruchs gegen eine niedrigere Monatsrate tauschen (siehe „Begrenzte Freiheit“).

Solche Wahlrechte erleichtern es Bausparern, ihren Vertrag nachträglich zu optimieren und bei Bedarf an veränderte Ziele anzupassen.

Pluspunkte für Bausparer

In vielen Fällen kann ein Bausparvertrag mit zusätzlichen Vorteilen punkten:

  • Günstige Kleindarlehen. Für Kredite unter 50 000 Euro verlangen Banken oft happige Zinsaufschläge. Der günstige Zinssatz fürs Bauspardarlehen gilt dagegen auch für kleine Kreditsummen – ein Pluspunkt vor allem für Hauseigentümer, die den Bausparvertrag als Rücklage für künftige Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen abschließen.
  • Weniger Steuerabzüge. Ab 2007 können Sparer nur noch Kapitalerträge bis zu 801 Euro im Jahr (Ehepaare 1 602 Euro) steuerfrei kassieren. Durch die niedrigen Guthabenzinsen ist es für Bausparer leichter als für andere Anleger, ihr Eigenkapital für den Hausbau ohne oder mit nur geringen Steuerabzügen anzusparen.
  • Kein Zinsaufschlag. Banken verlangen einen Zinsaufschlag für Kredite, die 60 Prozent des geschätzten Immobilienwerts übersteigen. Bausparer kommen um diesen Aufschlag oft herum, weil sie mit dem Bauspardarlehen den benötigten Bankkredit unter die 60-Prozent-Grenze drücken.
  • Förderung. Noch profitieren viele Bausparer von der Wohnungsbauprämie. Fällt sie weg, bleibt von der staatlichen Bausparförderung aber nur noch die Sparzulage für Arbeitnehmer mit relativ niedrigem Einkommen übrig. Die Arbeitnehmersparzulage will auch Finanzminister Steinbrück nicht antasten.

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