Bausparen Test

Mit neuen Tarifen erobern gleich vier Bausparkassen Spitzenplätze im Finanztest-Vergleich. Sieger in allen fünf Modellfällen: die Signal Iduna.

Die Branche ist in Bewegung. Früher schraubten die Bausparkassen alle paar Jahre einmal an dem einen oder anderen Detail ihrer Tarife. Heute entwickeln sie neue Bauspartarife am laufenden Band – um schon nach wenigen Monaten wieder an ihnen herumzubasteln.

Der Trend zum schnellen Tarifwechsel zeigt sich auch im aktuellen Finanztest-Vergleich: Den mit Abstand ältesten Tarif im Test schickte die Vereinsbank Victoria mit „Visio“ ins Rennen. Ihn gibt es unverändert gerade einmal seit gut zwei Jahren. 11 der 17 Bausparkassen im Test beteiligten sich dagegen mit Tarifen, die sie erst im laufenden Jahr eingeführt oder geändert haben.

Neue Tarife ganz vorn

Bausparern, die gezielt für die eigenen vier Wände sparen, kann das nur recht sein. Denn die meisten neuen Tarife sind für sie besser als die alten. Gegenüber unserem Test vor einem Jahr („Auf Spitzenzinsen sicher bauen“) konnten sich gleich mehrere Neulinge ganz vorn platzieren.

Testsieger ist diesmal die Signal Iduna Bausparkasse mit ihrem erst seit April 2006 angebotenen Tarif F40. Damit verdrängt sie die Alte Leipziger (Tarif easy finanz) auf den zweiten Platz.

Schwäbisch Hall und die Landesbausparkasse (LBS) Bayern fallen mit ihren „alten“ Tarifen in der Rangliste der günstigen Bausparkassen zurück. An ihre Stelle rücken die LBS Hamburg, die Deutsche Bausparkasse Badenia sowie die Huk-Coburg mit neuen Tarifen.

Billiges Darlehen reicht nicht

Gute Bausparverträge zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass Bausparer aus ihrer Sparleistung einen optimalen Darlehensanspruch herausholen – also ein relativ hohes Darlehen zu niedrigen Zinsen für möglichst lange Zeit bekommen.

Ob die Rechnung aufgeht, lässt sich aber aus den einzelnen Bausteinen eines Tarifs nicht herauslesen. Ein fantastisch niedriger Darlehenszinssatz etwa sagt noch nichts darüber aus, ob ein Bausparangebot billig ist. Genauso wichtig sind die Guthabenzinsen, die Höhe des Bauspardarlehens, der Tilgungsbeitrag, das Zuteilungsverfahren und vieles mehr.

Darüber hinaus muss die Bausparsumme genau auf die Sparziele des Bausparers abgestimmt sein. Sie hängt vor allem davon ab, wie viel der Bausparer monatlich sparen will und wann er das Geld von der Bausparkasse voraussichtlich benötigt. Wie gut ein Bausparvertrag ist, zeigt sich daher immer erst am konkreten Angebot.

Der Finanztest-Vergleich

Finanztest hat deshalb alle Bausparkassen aufgefordert, aus ihrer Produktpalette die besten Angebote für fünf typische Bausparer zu erstellen:

Der Zielsparer ist sicher, dass er ein Haus bauen oder kaufen wird. Auch der Zeitplan steht: In vier Jahren (Modellfall 1), in sieben Jahren (Modellfall 2) oder in zehn Jahren (Modellfall 3) will er seine Pläne verwirklichen.

Im Modellfall 4 hat der Bausparer das Eigenheim ebenfalls fest im Blick. Er ist sich aber über den Zeitpunkt noch nicht klar (7 bis 10 Jahre) und sucht ein Angebot, mit dem er flexibel bleibt.

Im Modellfall 5 ist der Bausparer unsicher, ob er seine Baupläne verwirklichen kann. Für ihn sind auch die Nachteile einer Vertragsauflösung wichtig.

Die monatliche Sparrate haben wir in allen Fällen mit 250 Euro fest vorgegeben. Tarif und Bausparsumme konnten die Bausparkassen selbst wählen.

In den flexiblen Modellfällen 4 und 5 durften die Bausparkassen nach sieben Jahren auch eine Erhöhung der Bausparsumme einplanen, falls der Bausparer dann noch nicht baut, sondern noch drei Jahre weitersparen will.

Maßstab Banksparplan

Maßstab für die Bewertung ist eine Finanzierung ohne Bausparvertrag: Bis zum Bau legt der Sparer sein Geld in einen Banksparplan mit einer laufzeitabhängigen Rendite von 2,25 bis 3,25 Prozent an. Für die Finanzierung nimmt der Bauherr ein gewöhnliches Hypothekendarlehen einer Bank zu einem Effektivzins von 6 bis 7 Prozent auf (siehe „Ausgewählt, geprüft, bewertet“).

Durch diesen Maßstab werden die Bausparangebote trotz unterschiedlicher Bausparsummen, Tilgungsraten und Laufzeiten vergleichbar. Am besten sind die Bausparangebote, mit denen der Bausparer gegenüber der reinen Bankfinanzierung am meisten Geld spart.

Im Modellfall 5 gehen außerdem die Nachteile des Bausparvertrags gegenüber dem Banksparplan in die Bewertung ein, falls der Bausparer kein Darlehen nimmt und sich am Ende der Sparzeit nur das Guthaben auszahlen lässt.

Signal Iduna vorn

Klarer Testsieger ist die Signal Iduna Bausparkasse. Sie belegt mit ihrem Tarif F40 in allen fünf Modellfällen den Spitzenplatz.

Kunden der Bausparkasse profitieren unter anderem von einer flexiblen Mehrzuteilung (siehe „Begrenzte Freiheit“): Je nach ihrer bis zur Zuteilung erbrachten Sparleistung können sie sich einen weit über der vereinbarten Bausparsumme liegenden Betrag auszahlen lassen.

Unser Modellkunde im Fall 2 muss deshalb nur eine Bausparsumme von 28 000 Euro abschließen, um nach sieben Jahren 56 000 Euro von der Bausparkasse zu bekommen. Dadurch spart er die Hälfte der sonst üblichen Abschlussgebühr.

Günstige Tarife bieten aber auch andere Bausparkassen. So zahlen die Alte Leipziger (easy finanz) und die Deutsche Bausparkasse Badenia (ClassicFinanz 06) ein im Verhältnis zum Sparguthaben besonders hohes Darlehen aus. Wie die Signal Iduna optimieren sie ihre Angebote mithilfe der Mehrzuteilung.

Gut abgeschnitten hat im Test auch die LBS Hamburg. Ihr Maxi-Tarif weist unter den getesteten Bausparkassen die geringste Spanne zwischen Guthaben- und Darlehenszinssatz auf. Allerdings eignet sich der Tarif wegen der hohen Mindestbausparsumme von 50 000 Euro nicht für eine kurze Sparzeit oder eine niedrige Sparrate.

Mehr als 3 000 Euro Unterschied

Im Vergleich zu unserer letzten Untersuchung sind die Unterschiede zwischen den Bausparkassen deutlich größer geworden. Je nach Sparzeit und Sparrate können Bausparer deshalb durch die Wahl der richtigen Bausparkasse viel Geld sparen.

Ein Sparer, der in sieben Jahren bauen will und 250 Euro im Monat anlegt, spart im Test 1 715 Euro, wenn er den Vertrag bei der Signal Iduna statt der Quelle Bausparkasse abschließt. Bei zehn Jahren Sparzeit beträgt der Unterschied zwischen den beiden Kassen sogar mehr als 3 000 Euro.

Nachteile bei Darlehensverzicht

Lohnend ist ein Bausparvertrag allerdings auch bei den Toptarifen im Test nur dann, wenn ihn der Bausparer für die Hausfinanzierung nutzt. Wenn er es sich anders überlegt, den Vertrag auflöst und sich nur das Guthaben auszahlen lässt, bekommt er von den meisten Kassen kaum mehr als seine eingezahlten Beiträge zurück.

Dieser Nachteil fällt in unseren Modellfällen im Schnitt etwa so hoch aus wie der Vorteil, den Bausparer im Fall einer Finanzierung erzielen. Je geringer die Wahrscheinlichkeit, dass der Sparer sein Darlehen abrufen wird, desto weniger lohnt sich Bausparen.

Einen klaren Vorteil haben aber Bausparer, die staatliche Prämien und Zulagen bekommen. Ein kleiner Bausparvertrag, auf den sie die geförderten Höchstbeträge einzahlen, rechnet sich für sie fast immer – als günstiger Finanzierungsbaustein ebenso wie als rentabler Sparvertrag (siehe „Hohe Renditen nur mit staatlicher Förderung“).

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