Begrenzte Freiheit

Tarife mit Wahl- und Mehrzuteilung bieten Bausparern noch bis zur Zuteilung des Vertrags eine Reihe von Wahlmöglichkeiten.

In den neuen Tarifen der privaten Bausparkassen sind Darlehens- und Zuteilungsbedingungen längst nicht mehr starr festgelegt. Bausparer können zum Beispiel wählen, welche Monatsrate sie für ihr Bauspardarlehen zahlen. Sie bekommen auf Wunsch mehr als die Bausparsumme für die Finanzierung ausgezahlt und können sich mitunter sogar den Darlehenszinssatz aussuchen.

Zuteilung nach Wahl

Bausparkasse Mainz, BHW, Signal Iduna, Schwäbisch Hall und Vereinsbank Victoria haben sogar das Mindestguthaben abgeschafft. In ihren Tarifen mit Wahlzuteilung kann der Sparer bereits nach einer Mindestlaufzeit von beispielsweise zwei Jahren jederzeit die Zuteilung seines Vertrags verlangen.

Die neue Freiheit ist aber nicht grenzenlos. In welcher Höhe und wie lange die Kasse ein günstiges Darlehen bereitstellt, hängt auch in den neuen Tarifen immer von der Sparleistung des Bausparers ab.

Umsonst gibt es nichts. Wer sich schon nach kurzer Sparzeit den Vertrag zuteilen lässt, muss sich deshalb je nach Tarif mit einem kleinen Darlehen zufriedengeben, schnell tilgen, einen höheren Darlehenszinssatz akzeptieren oder eine Kombination dieser Nachteile in Kauf nehmen.

Hohes Darlehen – kurze Laufzeit

Leistung und Gegenleistung sind auch in den Tarifen mit Mehrzuteilung sorgfältig austariert. Bei diesen Tarifen kann sich der Bausparer bei Bedarf einen höheren Betrag als die Bausparsumme auszahlen lassen. Der Preis: Er muss das aufgestockte Bauspardarlehen schneller zurückzahlen und eine relativ hohe Rate zahlen.

Eine besonders flexible Zuteilung bietet auch Testsieger Signal Iduna. Im Tarif F40 kann der Bausparer die Höhe des Bauspardarlehens oder den Tilgungsbeitrag weitgehend selbst festlegen.

Gibt er die Darlehenshöhe vor, berechnet die Bausparkasse anhand seiner Sparleistung, welche Monatsrate er dafür zahlen muss. Nennt der Bausparer seine Wunschrate, rechnet die Bausparkasse aus, welches Darlehen er dafür bekommt. Je niedriger die Rate, desto geringer das Darlehen.

Statt für eine Monatsrate von 343 Euro wie in dem Modellfall 2 (siehe Tabelle „Die besten Tarife für Sparer mit Bauabsicht und klarem Zeitplan“) kann sich der Bausparer zum Beispiel auch für eine Rate von 200 Euro entscheiden. Dadurch würde die Auszahlung der Bausparkasse von 56 000 Euro auf etwa 47 000 Euro sinken, aber die Laufzeit von 10 auf gut 13 Jahre gestreckt.

Undurchsichtige Bedingungen

Die Kehrseite der Flexibilität: Die Tarife werden für Bausparer immer unverständlicher. Die Signal Iduna und der Deutsche Ring verraten nicht einmal in den Vertragsbedingungen, wie sie die Darlehenshöhe und die Rate bei Wahl- oder Mehrzuteilungen berechnen.

Die Formeln sind in den Allgemeinen Geschäftsgrundsätzen (AGG) hinterlegt, die Bausparkassen wie ein Geschäftsgeheimnis hüten. Willkürlich dürfen die Kassen aber nicht verfahren. Die Grundsätze müssen sie von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht genehmigen lassen. Die Behörde wacht auch darüber, dass sie eingehalten werden.

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