Zuteilung nach Wahl

Private Bausparkassen bieten Kunden mehr Flexibilität mit Wahl- und Mehrzuteilungen.

Das Problem ist so alt wie das Bau­sparen: Der Bausparer hat endlich sein Traumhaus gefunden – doch sein Bausparvertrag ist noch nicht zugeteilt, weil er das Mindestguthaben noch nicht ­gespart hat oder die Bewertungszahl zu klein ist.

Bei „normalen“ Tarifen ist es eine Kunst für sich, den Vertrag in dieser Situation optimal zu nutzen. Je nach Einzelfall ist eine Herabsetzung der Bausparsumme, eine Sonderzahlung, eine Zwischenfinanzierung oder eine Kombination dieser Maßnahmen nötig, um schnell und günstig zugleich an das Geld von der Bausparkasse zu kommen.

Flexibler durch Wahlzuteilung

Die Lösung, die private Bausparkassen wie BHW, Schwäbisch Hall oder Wüstenrot in ihren neuen Tarifen anbieten, heißt Wahlzuteilung. Der Bausparer muss nicht mehr abwarten, bis sein Vertrag die üblichen Zuteilungsvoraus­setzungen erfüllt. Bereits nach einer Mindestlaufzeit von beispielsweise zwei Jahren kann er jederzeit die Zuteilung seines Bausparvertrags verlangen.

Die Wahlzuteilung macht es Bausparern einfacher als bisher, ihren Vertrag an veränderte Ziele anzupassen. Die Leistung der Kasse bleibt allerdings auch bei diesen Tarifen eng an die Sparleistung ­gekoppelt, die der Bausparer vor der ­Zuteilung erbringt.

Je früher sich der Bausparer für die Wahlzuteilung entscheidet und je weniger er bis dahin gespart hat, desto weniger nutzt ihm das Darlehen. Er muss dann je nach Tarif einen höheren Darlehenszinssatz, eine hohe monatliche Rate, ein reduziertes Darlehen oder eine Kombina­tion dieser Nachteile in Kauf nehmen.

Höherer Kredit bei Mehrzuteilung

Leistung und Gegenleistung sind auch bei den neuen Tarifen mit „Mehrzuteilung“ genau austariert. Bei diesen Tarifen kann der Bausparer nach der Zuteilung seines Vertrags wählen, ob er sich die Bausparsumme oder einen 20 bis 30 Prozent höheren Betrag mit entsprechend höherem Darlehen auszahlen lässt.

Die Mehrzuteilung bietet zum Beispiel Testsieger Alte Leipziger im Tarif easy ­finanz an. Für einen geplanten Bau in sieben Jahren empfiehlt die Kasse bei einer monatlichen Sparrate von 250 ­Euro einen Vertrag mit einer Bausparsumme von 51 128 Euro. Nach der Zuteilung kann der Bausparer wählen:

  • Bei der Normalzuteilung bekommt er ein Darlehen in Höhe von 30 677 Euro (60 Prozent der Bausparsumme). Dafür zahlt er elf Jahre lang eine Monatsrate von 287 Euro.
  • Bei der Mehrzuteilung beträgt das Darlehen 46 015 Euro (90 Prozent der Bausparsumme), sodass der Bausparer für die Hausfinanzierung rund 15 300 Euro weniger Geld von einer Bank leihen muss. Dafür muss er das höhere Darlehen in nur 7,5 Jahren zurückzahlen und eine mehr als doppelt so große Rate in Höhe von 595 Euro zahlen.

Im Modellfall ist die Mehrzuteilung rechnerisch die etwas bessere Lösung. Kann der Bausparer die hohe Rate nicht zahlen, fährt er aber auch mit der Normalzuteilung gut: Selbst mit dieser ­Variante wäre die Alte Leipziger noch Testsieger geworden.

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