Bausparen Meldung

„Das Haus“ der LBS.

Kleine ärgerliche Abos: Sie lauern dort, wo sie niemand vermutet, zum Beispiel - im Bausparantrag! Wer einen solchen unterschreibt bestellt meist unbemerkt die Kunden­zeitschrift seiner Bausparkasse mit. Die Kosten dafür gehen vom Bausparguthaben ab. Finanztest hat sich 21 Anträge angesehen, in 14 davon lauerten versteckte Aboklauseln.

Alle drei Monate bekommen Wüstenrot-Kunden die Zeitschrift „Mein EigenHeim“ zugeschickt. Die Kundenzeitschrift mit den vielen Werbeseiten haben sie für 3,80 Euro im Jahr abonniert – oft ohne es zu wissen. Denn die Bausparkasse hat nicht gefragt, ob sie die Zeitschrift haben wollen. Das Abo hat sie ihnen über eine Klausel im Bausparantrag aufgedrängt.

„Sofern ich die Zeitschrift Mein EigenHeim nicht bereits erhalte, bestelle ich sie zu dem Preis und den Bedingungen auf der Rückseite unter Nr. 5“, steht im Antrag kleingedruckt und unauffällig platziert zwischen Informationen zum Tarif und denen zum Datenschutz. Sobald der Kunde den Antrag unterschreibt, hat er nicht nur einen Bausparvertrag, sondern auch ein Zeitschriftenabonnement abgeschlossen.

Ob Wüstenrot, LBS, BHW oder Schwäbisch Hall: Die meisten Bausparkassen koppeln den Bausparantrag mit einem kostenpflichtigen Abo für ihre Hauszeitschrift. Von 21 Anträgen, die sich Finanztest angesehen hat, lauerten in 14 versteckte Aboklauseln. Alle diese Anträge sind so gestaltet, dass der Bausparer die Zeitschrift automatisch erhält und bezahlen muss – es sei denn, er lehnt den Bezug ausdrücklich ab.

Pro Ausgabe bezahlen Kunden 0,74 Euro (BHW) bis 1,35 Euro (Bausparkasse Mainz). Die Landesbausparkassen berechnen jährlich 7,50 bis 9,85 Euro für jeweils zehn Ausgaben der Zeitschrift „Das Haus“.

Das ist nicht viel Geld. Dennoch ist es dreist, dass die Kassen ihren Kunden die Abos einfach unterjubeln.

Zuteilung kann sich verzögern

Bausparen Meldung

„Mein Eigenheim“ von Wüstenrot.

Richtig ärgerlich wird es in Einzelfällen, wenn sich aufgrund der Abokosten die Zuteilung der Bausparsumme verzögert. Die Kassen ziehen die Abogebühren vom Sparguthaben ab. Doch im Sparplan, den sie ­ihren Kunden erstellen, ist die Gebühr für die Zeitschrift meist nicht enthalten.

Hat der Bausparer Pech, wird sein Vertrag erst ein paar Monate später zugeteilt als kalkuliert. Das kann ihn einige hundert Euro Zinsen kosten, wenn er die Summe mit einem Kredit zwischenfinanzieren muss, weil er sie zu einem festen Termin etwa zur Tilgung eines Darlehens benötigt.

Abo-Klauseln rechtlich fragwürdig

Bausparen Meldung

„house and more“ von Schwäbisch Hall.

Jana Brockfeld, Juristin beim Verbraucherzentrale Bundesverband, meint, solche Abo-Klauseln seien rechtlich fragwürdig.

Die Klauseln müssten im Vertragstext zumindest deutlich hervorgehoben werden, damit der Verbraucher sie auch ohne Weiteres erkennen kann. „Dennoch ist diese Form der Abo-Bestellung ganz und gar nicht verbraucherfreundlich. Der Verkauf einer Zeitschrift, deren Kosten dann auch noch vom Bausparguthaben abgezogen werden, hat meiner Ansicht nach nichts in einem Bausparantrag zu suchen.“

Wer kein Heft möchte, muss den Bausparantrag daher sehr genau lesen und die Abo-Klausel im Antrag streichen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 476 Nutzer finden das hilfreich.