Bauspar-Kombikredite Test

Sie sind billig, sicher und bringen in der Riester-Variante eine hohe Förderung: Die besten Kombikredite der Bausparkassen schlagen selbst die Topangebote der Banken.

Lange galten die Kombikredite der Bausparkassen als undurch­sichtig und teuer. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Angebote einiger Bausparkassen sind klar güns­tiger als vergleich­bare Bank­kredite. Das haben die Unter­suchungen von Finanztest in den vergangenen drei Jahren gezeigt. In der aktuellsten Unter­suchung von Anfang April vergab die Landes­bausparkasse (LBS) West einen 150 000-Euro-Kredit mit 22 Jahren Lauf­zeit zum Effektivzins von fast sensationellen 2,99 Prozent. Ähnlich günstig war die LBS Rhein­land-Pfalz mit 2,95 Prozent Effektivzins bei gut 19 Jahren Lauf­zeit. Der Clou: Die Angebote sind absolut zins­sicher. Zinsen und Raten stehen während der gesamten Lauf­zeit fest. Bausparer können zudem noch hohe Zulagen und Steuer­vorteile aus der Riester-Förde­rung mitnehmen. Und wer kann, darf die Lauf­zeit jeder­zeit durch Sonderzah­lungen abkürzen.

Kombikretdite mit anderem Tilgungs­konzept

Für vergleich­bare Angebote der Banken mussten Kreditnehmer zur gleichen Zeit mindestens mit einem Zins­satz von 3,40 bis 3,50 Prozent rechnen. Ein Bank­kredit unter 3 Prozent war allenfalls mit einer Zins­bindung von zehn Jahren zu haben. Von einem klassischen Bank­darlehen unterscheiden sich die Kombikredite der Bausparkassen durch ein völlig anderes Tilgungs­konzept: Statt sein Darlehen zu tilgen, zahlt ein Bausparer Sparraten auf einen Bauspar­vertrag. Wenn dieser nach beispiels­weise zehn Jahren zugeteilt wird, löst er das Darlehen mit seinem Guthaben und einem zusätzlichen Bauspardarlehen ab „Stichwort: Bauspar-Kombikredite“.

Vertrag mit zwei Abschnitten

Wie so ein Kombikredit konkret funktioniert, zeigt das Angebot der LBS Bayern für ein Darlehen ohne Förderung mit gut 18 Jahren Lauf­zeit (siehe Tabelle). Der Kunde schließt einen Bauspar­vertrag mit einer Bausparsumme von 150 000 Euro ab. Für seine Haus­finanzierung bekommt er ein tilgungs­freies Darlehen in gleicher Höhe, dessen Zins­satz von 2,55 Prozent bis zur Zuteilung des Bauspar­vertrags fest ist. Im ersten Finanzierungs­abschnitt zahlt er monatlich 319 Euro Zinsen und eine Sparrate von 590 Euro, zusammen also 909 Euro. Nach acht Jahren und neun Monaten wird die Bausparsumme zugeteilt. Sie besteht aus dem angesparten Guthaben von 61 594 Euro und einem Bauspardarlehen von 88 406 Euro. Mit der Bausparsumme löst der Sparer das Voraus­darlehen ab. Danach beginnt für ihn der zweite Finanzierungs­abschnitt, die Rück­zahlung des Bauspardarlehens. Dafür muss er bei einem Zins­satz von 2,75 Prozent neun Jahre und vier Monate lang eine Monats­rate von 900 Euro zahlen.

Auf ein paar Besonderheiten achten

Die Konstruktion klingt kompliziert, doch das Ergebnis ist denk­bar einfach: Der Kunde bekommt 150 000 Euro und zahlt dafür gut 18 Jahre lang eine Monats­rate von rund 900 Euro. Danach ist er schuldenfrei. Nicht anders funk­tionieren die Kombi-Kredite in der Riester-Variante. Auf ein paar Besonderheiten sollten Bauherren und Woh­nungs­käufer aber achten: Ehepaare müssen die Kreditsumme auf zwei Verträge auftei­len, um die Förderung voll auszu­schöpfen. Außerdem fließen die staatlichen Zulagen auf das Bauspar­konto. Sie verkürzen die Lauf­zeit des Kredits.

Güns­tiger Zwischen­kredit

Das gute Ergebnis vieler Bausparkassen in unserem Test dürfte selbst einige Experten über­raschen. Einen Kredit aufnehmen und gleich­zeitig sparen statt zu tilgen – das lohnt sich normaler­weise nicht. Auf ihr Guthaben bekommen Bausparer meist nur 0,5 oder 1,0 Prozent Zinsen, die noch durch eine Abschluss­gebühr und oft auch Konto­gebühren verringert werden. Zugleich müssen sie viel höhere Zinsen für das Voraus­darlehen zahlen. Diese Zins­differenz treibt die Kredit­kosten nach oben. Die Spitzenreiter im Test gleichen diesen Nachteil jedoch mit besonders nied­rigen Zinsen für das ­Voraus­darlehen mehr als aus. Die LBS West etwa verlangt für ein zehn­jähriges Voraus­darlehen in der Riester-Variante winzige 2,30 Prozent Zinsen, die LBS ­Baden-Württem­berg nur 2,50 Prozent. Auch Schwäbisch Hall ist mit 2,85 Prozent für das Riester-Voraus­darlehen mit gut zwölf Jahren Lauf­zeit noch ungewöhnlich günstig. Solche Zinsen verwandeln das ehemals teure Bauspar­modell in einen Finanzierungs-Hit.

Mehr Eigen­kapital nötig

Von den güns­tigsten Bauspar­angeboten profitieren allerdings nur Bauherren und Wohnungs­käufer mit ausreichend Eigen­kapital. Die meisten Bausparkassen verge­ben ihre Kredite lediglich bis zu 72 oder 80 Prozent des Kauf­preises. Anders als bei Banken ist eine höhere Beleihung nicht einmal gegen einen Zins­aufschlag möglich. 20 bis 28 Prozent des Kauf­preises und dazu noch die Neben­kosten von 5 bis 15 Prozent müssen die Kunden daher selbst aufbrin­gen. Insgesamt ist ein Eigen­kapital von 25 bis über 40 Prozent nötig. Wer nicht so viel hat, muss auf teurere Angebote ausweichen. Oft wird ein Bank­darlehen dann die bessere Alternative sein. Im Test finanzierten nur die Alte Leip­ziger, BHW und Signal Iduna mehr als 80 Prozent des Kauf­preises. Doch ihre Kondi­tio­nen waren weit von den Spitzen­ange­bo­ten entfernt.

Oft weniger flexibel

Wer sich für die Bauspar­variante ent­scheidet, muss außerdem Abstriche an der Flexibilität machen. Während Bank­kunden die Tilgung und damit die Lauf­zeit des Kredits frei wählen können, sind die Lauf­zeiten der Bauspar­angebote meist fest vorgegeben. Sonderzah­lungen sind oft erst nach Zuteilung des Bauspar­vertrags ohne Einschrän­kung möglich. Bis zur Zuteilung sind sie bei einigen Bausparkassen nicht oder allenfalls bis zur Ausschöpfung der Riester-Förderung erlaubt. Andere Bausparkassen akzeptieren zwar beliebig hohe Sonderzah­lungen auf den Bauspar­vertrag. Doch wenn dadurch die Bausparsumme früher zugeteilt wird, nutzt das dem Bausparer oft nichts, weil er das ­Voraus­darlehen nicht vor Ende der Zins­bindung ablösen darf.

Bausparkassen sind groß­zügiger

Erfreulich ist, dass vor allem die güns­tigen Bausparkassen deutlich groß­zügiger sind. So erlaubt Schwäbisch Hall jähr­liche Sonderzah­lungen bis zu 5 Prozent der Bausparsumme. Besonders flexibel sind einige Landesbausparkassen: Bei den Testsiegern LBS West und Rhein­land-Pfalz beispiels­weise kann der Kreditnehmer jeder­zeit Sonderzah­lungen leisten, bis er das für die Zuteilung nötige Mindest­guthaben von 40 Prozent der Bausparsumme erreicht.

Nur der Gesamt­effektivzins zählt

Für einen Vergleich der Bauspar­angebote sollten Kredit­suchende darauf bestehen, dass die Bausparkassen immer den Gesamt­effektivzins des Kombikredits angeben. Er enthält nicht nur die Zinsen für das Voraus­darlehen und den Bauspar­kredit, sondern auch die Sparraten sowie Abschluss- und sons­tige Gebühren für den Bauspar­vertrag. So lassen sich Kombikredite einfach mit Bank­krediten mit einer ähnlich langen Zins­bindung vergleichen.

Vorsicht: Nur bei den Riester-Kombi­krediten sind die Bausparkassen zur Angabe des Gesamt­effektivzinses verpflichtet. Für unge­förderte Kredite gilt das nicht. Für diese Kredite geben die meisten Bausparkassen nur den Effektivzins für das ­Voraus­darlehen und den Effektivzins für das Bauspardarlehen an. Da die Bausparbeiträge ­darin nicht berück­sichtigt sind, täuschen diese Angaben über die tatsäch­lichen Kredit­kosten. Der Gesamt­effektivzins der Kombination ist stets höher als die von den ­Bausparkassen genannten Einzel-Zins­sätze (siehe „Unser Rat“).

Dieser Artikel ist hilfreich. 261 Nutzer finden das hilfreich.