Reich gerechnet

Viele Onlinefinanzierer berechnen gefährlich hohe Darlehenssummen.

„Wie viel Haus kann ich mir leisten?“ Fast alle Internetanbieter berechnen den finanziellen Spielraum für den Bau oder Kauf des Eigenheims. Der Kunde tippt sein Eigenkapital, sein Einkommen oder den Betrag ein, den er monatlich für die Finanzierung übrig hat. Schon spuckt der Rechner aus, wie viel Darlehen ihm die Bank höchstens gibt und wie teuer das Haus sein darf.

Finanztest hat mit den Onlinerechnern das Finanzierungslimit für eine vierköpfige Familie ermittelt. Ihr Nettoeinkommen beträgt 3 000 Euro im Monat plus 308 Euro Kindergeld. 60 000 Euro Eigenkapital sind angespart, maximal 1 200 Euro im Monat hat sie für die Finanzierung übrig.

Laut Hypothekendiscount kann die Familie für ihr Haus bis zu 266 000 Euro ausgeben, 1822direkt liegt mit maximal 276 000 Euro nur knapp drüber. Das sind Größenordnungen, die eine solide Finanzierung ermöglichen.

Damit stehen beide Institute im Vergleich zur Konkurrenz aber geradezu knauserig da (siehe „Utopische Summen“). BF.direkt beispielsweise kommt für die gleiche Familie auf finanzierbare Kosten bis zu 319 000 Euro. Und die Diba macht sogar Hoffnung auf ein Eigenheim für stolze 356 000 Euro.

Mit einer soliden Finanzierung haben solch aufgeblähte Summen nichts mehr zu tun. Die Rate von 1 200 Euro reicht dann gerade für ein Darlehen mit 1 Prozent Tilgung und fünf oder zehn Jahren Zinsbindung. Diese Werte setzen die Onlinerechner automatisch an oder sie bieten sie als Voreinstellung an.

Wer sich darauf einlässt, muss den Kredit selbst bei gleich bleibendem Zinssatz mehr als 35 Jahre lang abzahlen. Und bei dieser knappen Kalkulation kann eine Zinserhöhung zum Ablauf der Zinsbindung schnell das Aus für die eigenen vier Wände bedeuten.

Die Diba und Planethome setzen noch eins drauf: Sie nutzen die Eigenheimzulage von jährlich 2 850 Euro dazu, die Kreditsumme um fast 50 000 Euro aufzustocken. Wenn die Zulage nach acht Jahren wegfällt, fehlen dem Kreditnehmer rund 240 Euro im Monat.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2329 Nutzer finden das hilfreich.