Baufinanzierung Test

Zu hohe Kreditraten, schlechte Ratschläge, dürftige Informationen und teure Kredite – im Praxis­test zur Baufinanzierung stellte die Stiftung Warentest bei vielen der 21 getesteten Banken und Kredit­vermitt­lern erhebliche Mängel fest. Nur die Frank­furter Volks­bank und die Sparda Baden-Württem­berg über­zeugten mit guter Beratung und zugleich güns­tigen Kredit­angeboten. Die Ostsächsische Sparkasse Dresden, die Post­bank und die Hypo­ver­eins­bank fielen dagegen mit „mangelhaft“ durch.

Einfacher Testfall

Die Tester ließen sich in jeweils sieben Filialen von 21 Banken und Vermitt­lungs­gesell­schaften zur Finanzierung einer Eigentums­wohnung beraten und Kredit­angebote erstellen. Der Testfall hätte versierten Beratern keine Probleme bereiten dürfen: Ein Ehepaar mit einem monatlichen Netto­einkommen von 3 820 Euro will für 260 000 Euro eine Wohnung kaufen. Dazu kommen Maklerprovision, Grund­erwerb­steuer, Notar- und Grund­buch­gebühren. 84 000 Euro hat das Paar bereits gespart und auf verschiedenen Geld­anlagen verteilt. Im Monat konnte das Ehepaar maximal 1 380 Euro für die Immobilie ausgeben.

Kreditraten-Empfehlung oft zu hoch

Viele Bank­berater scheiterten schon daran, die Kreditrate auf das Budget des Ehepaars abzu­stimmen. Jeder fünfte Berater machte einen Vorschlag, bei dem die Monats­belastung aus Kreditraten und Bewirt­schaftungs­kosten das Limit um mehr als 150 Euro im Monat über­stieg. Einige Test­kunden hätten sogar jeden Monat 400 Euro mehr für die Wohnung ausgeben müssen als gewünscht.

Kreditsumme passt nicht

Baufinanzierung: Viele Berater scheitern im Praxistest

Die Tester machten viele schlechte
Erfahrungen, als sie sich ein
Finanzierungs­angebot einholten.

Am Bedarf vorbei ging oft auch die Summe der empfohlenen Kredite. In den meisten Fällen war sie zu hoch. Für den Wohnungs­kauf hätte ein Darlehen von maximal 215 000 Euro bis 230 000 Euro gereicht. Doch fast 40 Prozent der Berater empfahlen Kreditsummen von 240 000 Euro und mehr. Einige rieten sogar, den Kauf­preis von 260 000 Euro voll auf Pump zu finanzieren. Der Kunde muss dann Zinsen auf einen Kredit­anteil zahlen, den er gar nicht benötigt. Oft verlangt die Bank für den aufgeblähten Kredit auch noch einen höheren Zins­satz.

Dürftige Informationen

Fördermöglich­keiten durch Wohn-Riester oder ein Darlehen der staatlichen KfW-Bank waren in vielen Beratungs­gesprächen kein Thema. Auch die Informationen über die angebotenen Kredite ließen zu wünschen übrig: Häufig fehlten zum Beispiel Tilgungs­pläne, Angaben über die Rest­schuld am Ende der Zins­bindung und die voraus­sicht­liche Dauer bis zur Schuldentilgung.

Zins­unterschiede bis zu 30 000 Euro

Schlechte Beratung und über­teuerte Kredite kommen den Kunden teuer zu stehen. Zwischen guten und schlechten Finanzierungs­angeboten lag ein Zins­unterschied bis zu einem Prozent­punkt. Inner­halb einer Zins­bindung von 15 Jahren summiert sich so ein Unterschied im Testfall auf bis zu 30 000 Euro.

Die Beratung zur Baufinanzierung ist schwach. Die Experten von Finanztest zeigen im Test deshalb auch, worauf Kunden achten müssen und bieten Tipps, Hilfe und Check­listen.

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