Baufinanzierung Meldung

Diese Grafik soll Kunden der Gerling Versicherung weismachen, dass sie mit dem Abschluss einer Fondspolice Zehntausende Euro bei ihrer Baufinanzierung sparen.

Mit plumpen Rechentricks versucht die Gerling ­Lebens­versicherung, Kunden eine fondsgebundene ­Versicherung für die Baufinanzierung zu ­verkaufen.

Wie kann man 67 200 Euro Zinsen bei der Baufinanzierung sparen? Ganz einfach: Man muss nur die Kapital Fondspolice der Gerling Lebensversicherung rechtzeitig vor dem geplanten Bau des Eigenheims abschließen. Das jedenfalls sagt die Gerling Lebensversicherung im Werbeprospekt für ihren „Wohn-Ansparplan“.

Finanztest hat den Sparplan geprüft ­­– und kommt zu einem anderen Ergebnis: Die Fondspolice birgt hohe Risiken und ist für die Eigenheimfinanzierung ungeeignet. Von einer Zinsersparnis kann keine Rede sein.

Hohe Zinsersparnis versprochen

Die vermeintlichen Vorteile des Angebots zeigt Gerling am Beispiel des 25-jährigen Herrn Mustermann. Er will in zehn Jahren ein Haus für 120 000 Euro kaufen. Nach weiteren 20 Jahren soll die Immobilie schuldenfrei sein.

Gerling macht folgenden Vorschlag: 20 Prozent des Kaufpreises, also 24 000 Euro, spart Mustermann konventionell als Eigenkapital an. Die fehlenden 96 000 Euro leiht er sich in zehn Jahren zu einem Kreditzins von 7 Prozent.

Um dieses Darlehen später zurückzuzahlen, schließt er schon heute eine fondsgebundene Lebensversicherung mit 30 Jahren Laufzeit ab – die Kapital Fondspolice. Während der Laufzeit zahlt er dafür monatliche Beiträge, die zum Großteil für den Kauf von Aktienfondsanteilen verwendet werden.

Wenn er den Vertrag noch dieses Jahr abschließt, bleiben alle Erträge steuerfrei. Bringt der Fonds 8 Prozent Rendite im Jahr, muss Mustermann im Monat nur 86,44 Euro Beitrag zahlen, um den Kredit wie geplant nach 20 Jahren mit dem Fondsvermögen zu tilgen.

Mit dieser Finanzierungsstrategie soll die schon erwähnte Zinsersparnis von 67 200 Euro herausspringen.

Ein plumper Trick

­Zinsen spart der Kunde allerdings nicht im Vergleich zu einer anderen Finan­zierung. Der Vorteil entsteht nur ge­genüber einem Kunden, der dieselbe Fondspolice erst dann abschließt, wenn er auch den Kredit aufnimmt, und nicht schon zehn Jahre zuvor.

Dieser Kunde kann das Darlehen erst zehn Jahre später tilgen und muss 67 200 Euro mehr Kreditzinsen zahlen (96 000 Euro × 7 Prozent × 10 Jahre).

Die Rechnung beweist nur eines: Für künftige Hauskäufer ist es besser, vorher zu sparen als nicht zu sparen. Diese Binsenweisheit gilt genauso für Sparverträge mit Banken und Bausparkassen. Mit der Fondspolice hat sie nichts zu tun.

Gerling-Vermittler können ihren Kun­den am Computer vorrechnen, wie viel Geld sie mit dem frühen Abschluss der Fondspolice sparen. Der Kunde gewinnt dabei immer. Auch wenn ein Vermittler für den Fonds statt der voreingestellten 8 Prozent nur 5 oder gar 0 Prozent Rendite eintippt: Der Zinsgewinn bleibt gleich hoch.

Nur heiße Luft

Tatsächlich ist die fondsgebundene Lebensversicherung eine denkbar schlechte Sparform für künftige Hauseigentümer. Das zeigt der Vergleich mit einer normalen Finanzierung:

Mustermann pfeift auf das Gerling-Angebot und legt monatlich 86,44 Euro bei einer Bank zu 4 Prozent Zinsen an. Nach zehn Jahren hat er ein Guthaben von 12 722 Euro. Er benötigt dann nicht 96 000 Euro, sondern nur 83 278 Euro Kredit.

Verwendet er die 86,44 Euro in den folgenden Jahren direkt zur Tilgung seines Darlehens, ist er seine Schulden bei einem Zinssatz von ebenfalls 7 Prozent für den Kredit nach genau 20 Jahren los ­– genauso schnell und mit der gleichen Monatsrate wie beim Gerling-Sparplan.

Hohes Risiko und hohe Kosten

Obwohl Gerling eine Fondsrendite von 8 Prozent unterstellt, bringt die Fondspolice also keinen Zinsvorteil. Denn in dem Beispiel gehen rund 22 Prozent der Beiträge für Kosten der Versicherungsgesellschaft drauf. Nicht einmal 80 Prozent fließen in den Fonds.

Der entscheidende Nachteil des Gerling-Sparplans ist das hohe Risiko. Wie viel Rendite der Fonds wirklich bringt, ist völlig ungewiss. Sind es „nur“ 6 Prozent, fehlen dem Kunden mehr als 27 000 Euro zur Kredittilgung. Nur 4 Prozent Rendite reißen eine Lücke von mehr als 46 000 Euro, bei 2 Prozent Rendite fehlen ihm fast 60 000 Euro.

Ein kräftiges Minus machen auch Kunden, die vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen, etwa weil sie ihre Baupläne aufgeben. Selbst wenn der Fonds 8 Prozent schafft, bekommen sie nach zehn Jahren wegen der Abschluss- und Stornokosten nicht einmal die gezahlten Beiträge zurück. Und sie müssen die Fondserträge versteuern, wenn sie vor Ablauf von zwölf Jahren kündigen.

Wer sein Haus solide finanzieren will, sollte um Fondspolicen einen Bogen machen – und sich von Gerling nicht für dumm verkaufen lassen.

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