Das wichtige Merkblatt vergessen

Die meisten Banken halten ihre Selbstverpflichtung nicht ein, Kunden besser zu informieren.

Nach Jahren zäher Vorbereitungen war es im März 2001 so weit: Europäische Banken- und Verbraucherverbände verabschiedeten gemeinsam den „Freiwilligen Verhaltenskodex über vorvertragliche Informationen für wohnungswirtschaftliche Kredite“.

Kreditinstitute, die den Kodex unterzeichnen, verpflichten sich, ihre Kunden vor Vertragsabschluss umfassend zu informieren. Kernstück ist das „Europäische standardisierte Merkblatt“ mit detaillierten Angaben über das angebotene Darlehen. Auch einen Tilgungsplan soll der Kunde erhalten.

Die EU-Kommission hatte alle Kreditinstitute in den Mitgliedsländern aufgefordert, den Verhaltenskodex bis September 2002 umzusetzen.

Anders als in Spanien und Frankreich haben in Deutschland die meisten Ins­titute den Kodex unterzeichnet. Im Herbst letzten Jahres meldeten die großen Bankenverbände Vollzug.

Doch offenbar halten sich die meisten nicht dran. Im Finanztest-Beratungstest händigten nur drei der 20 Banken jedem Kunden die Merkblätter aus: Deutsche Bank, Frankfurter Volksbank und Stadtsparkasse Köln. Bei zwölf Banken erhielt keiner der jeweils sieben Testkunden das Merkblatt in die Hand.

Vier Banken im Test hatten den Verhaltenskodex im Testzeitraum noch gar nicht gezeichnet. Die Südwestbank unterschrieb erst im Januar und will den Kodex bis April umsetzen. Die LBBW will bis Ende des Jahres nachziehen. Die Citibank erklärte, dass bereits ihr Kooperationspartner BHW unterzeichnet habe.

Und die BBBank gab auf Nachfrage an, dass für sie der Kodex „momentan nicht notwendig“ sei, weil sie ja sowieso umfassend und gut berate. Das kann FINANZ­test nicht bestätigen. Über die Kreditkonditionen infor­mier­te die BBBank im Test nur dürftig.

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