Bauabzugsteuer Meldung

Helle Aufregung herrscht im Baugewerbe: Ab Januar 2002 werden viele Rechnungen nur noch zu 85 Prozent bezahlt. Grund ist die neue Bauabzugsteuer, die Vermieter, Selbstständige oder Freiberufler dann einbehalten und ans Finanzamt abführen müssen.

Fast unbeachtet ist die neue Bauabzugsteuer Gesetz geworden. Damit werden Bauherren zum Steuereintreiber für das Finanzamt. Alle Unternehmer, die Bauleistungen in Deutschland in Auftrag geben, müssen bei Zahlungen ab dem 1. Januar 2002 15 Prozent der Rechnung (inklusive Umsatzsteuer) einbehalten und diese so genannte Bauabzugsteuer ans Finanzamt der Baufirma überweisen. Das schreibt das Gesetz zur Eindämmung illegaler Betätigung im Baugewerbe vor.

Unternehmer im Sinne des Gesetzes sind nicht nur gewerblich oder freiberuflich tätige Selbstständige ­ egal, ob es sich um einen Haupt- oder Nebenjob handelt. Auch Vermieter wie eine Familie, die eine Wohnung als Kapitalanlage gekauft hat und daraus Mieteinkünfte erzielt, sollen die Steuer abführen.

Beauftragt ein Unternehmer oder ein Vermieter eine Baufirma, haftet er für die korrekte Zahlung der Bauabzugsteuer. Die überwiesene Bauabzugsteuer rechnet das Finanzamt auf von der Baufirma zu zahlende Steuern an.

Bauherren, die das Gesetz nicht beachten, müssen mit hohem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro rechnen. Und nicht nur das. Sie haften außerdem für die nicht abgeführte Steuer. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine deutsche oder ausländische Firma die Bauarbeiten erledigt. In jedem Fall sind die Auftraggeber in der Pflicht.

Ausnahmenkatalog

Bauabzugsteuer Meldung

Kaum war das Gesetz veröffentlicht, schob das Bundesfinanzministerium einen umfangreichen Ausnahmen- und Erläuterungskatalog nach. Auch die erste Korrektur ist bereits im Steueränderungsgesetz 2001 auf den Weg gebracht: Passiert sie Ende 2001 den Bundesrat, sollen private Vermieter vom neuen Gesetz nur betroffen sein, wenn sie mehr als zwei Wohnungen vermieten. Haben sie jedoch drei Wohnungen in Privatbesitz müssen sie die Bauabzugsteuer schon beachten.

Grundsätzlich soll Bauabzugsteuer nach Auffassung der Finanzverwaltung nur zahlen, wer Bauleistungen für sein Unternehmen in Anspruch nimmt. Deshalb bleibt nach einem Schreiben des Bundesfinanzministerium das Eigenheim außen vor (IV A 5­S 1900­292/01). So muss zum Beispiel ein Unternehmer, Freiberufler oder Vermieter sich nicht um die Bauabzugsteuer kümmern, wenn er in seinem Privathaus bauen lässt.

Was ist aber, wenn der Unternehmer oder Freiberufler sein Haus sowohl privat als auch betrieblich nutzt? Auch hier hat die Finanzverwaltung eine Lösung parat: Lässt sich die Bauleistung nicht den jeweiligen Bereichen genau zuordnen, kommt es auf die überwiegende Nutzung an. Deckt zum Beispiel ein Versicherungsvertreter das Dach seines Einfamilienhauses neu, in dem sich auch sein Büro befindet und das Haus dient überwiegend privaten Wohnzwecken, verlangt das Finanzamt keine Bauabzugsteuer.

Befreiung von der Pflicht

Weder Unternehmen noch Vermieter haben jedoch Zeit, den 24-seitigen Erläuterungskatalog zur Bauabzugsteuer der Finanzverwaltung durchzuarbeiten. Probleme wollen sie sich schon gar nicht aufladen. Deshalb sollten sie sich eine Freistellungsbescheinigung von der Baufirma vorlegen lassen.

Eine solche Bescheinigung stellt das Finanzamt nach formlosem Antrag des Bauunternehmens aus, das seine Steuern pünktlich gezahlt hat. Auch Existenzgründer haben Chancen, das begehrte Papier zu bekommen, wenn sie dem Finanzamt glaubhaft machen, dass die Nachlässigkeiten nur vorübergehender Natur sind. In dem Fall will sich das Finanzamt großzügig zeigen.

Bagatellgrenze befreit

Ebenfalls Ausnahmen gibt es für Kleinaufträge. So sind Vermieter bei Bauleistungen bis zu 15.000 Euro im Jahr von der Bauabzugsteuer befreit. Müssen sie an ein und dieselbe Baufirma maximal 15.000 Euro im Jahr zahlen, entfällt die Bauabzugsteuer.

Stellt dagegen die beauftragte Baufirma im Jahr mehr in Rechnung, muss der Auftraggeber die Bauabzugsteuer für die gesamte Summe, die er der Firma im Jahr zahlt, ans Finanzamt überweisen.

Zum Beispiel lässt ein Vermieter in seine Eigentumswohnung nach Auszug des Mieters neue Fenster einbauen. Das kostet inklusive Umsatzsteuer 10.440 Euro. Weil der Betrag unter der 15.000-Euro-Grenze bleibt, berechnet der Eigentümer keine Bauabzugsteuer. Wenig später tauscht dieselbe Firma die Zimmertüren aus und montiert eine neue Wohnungstür. Das soll 5.800 Euro kosten. Davon bekommt aber der Handwerker nur 3.364 Euro. Denn 15 Prozent von 16.240 Euro (10.440 Euro plus 5.800 Euro), also 2.436 Euro Bauabzugsteuer muss der Vermieter ans Finanzamt überweisen, weil die Gesamtsumme bei einem Auftraggeber die 15.000-Euro-Grenze überschreitet. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, lieber zu viel als zu wenig vom Rechnungsbetrag fürs Finanzamt einzubehalten.

Eine niedrigere Bagatellgrenze von 5.000 Euro pro Jahr und Auftragnehmer gilt für alle anderen Freiberufler und Selbstständigen. Übersteigt die Rechnung der Bauleistung die 5.000-Euro-Bagatellgrenze auch nur um einen Euro, so gehen von der Gesamtsumme 15 Prozent Bauabzugsteuer ans Finanzamt.

Aufwendiges Prozedere

Das Bauabzugsprozedere verlangt dem Auftraggeber einiges ab: Er muss den Steuerbetrag selbst errechnen, das zuständige Finanzamt des Auftragnehmers ermitteln, dort bis zum 10. des Monats, nachdem die Rechnung oder ein Abschlag bezahlt wurde, auf einem amtlichen Vordruck die Steuer anmelden und schließlich überweisen. Der Baufirma hat er darüber eine Abrechnung vorzulegen, die folgende Punkte enthält: Name und Anschrift des Auftragnehmers, Rechnungsbetrag und Zahlungstag, Höhe der abgezogenen Steuer und das Finanzamt, bei dem der Abzugsbetrag angemeldet worden ist.

Das neue Gesetz bringt also mit Sicherheit allen Beteiligten eine Menge Arbeit. Ob es seinen Zweck erfüllt, Schwarzarbeit einzudämmen, wird die Praxis schnell zeigen.

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