Basmati-Reis Test

Lange, lockere Körner und ein blumiges Aroma machen Basmati zu einer der edelsten Reissorten der Welt. Doch im Test fallen 16 von 31 Produkten durch. Sie riechen muffig, verklumpen oder enthalten kein Körn­chen Basmati.

Wenn im Juni die feuchten Luft­massen vom Indischen Ozean auf das Himalaya-Gebirge treffen, ergießt sich der Himmel über Ostpakistan und Nord­indien. Der Monsun­regen lässt die Flüsse anschwellen, tränkt die Böden und füllt die weit­verzweigten Kanäle. Die Basmati-Saison beginnt. Kleinbauern lassen getrock­nete Reiskörner keimen, zu Setzlingen heran­wachsen und pflanzen sie dann auf die gefluteten Felder. Sie hegen und pflegen die Pflanzen. Anfang November wird geerntet.

„Der mit dem Duft“

Schon mehr als tausend Jahre lang kulti­vieren die Bauern am Fuße des Himalaya den einzig­artigen Reis. Er hat besonders lange Körner und ein blumiges Aroma, das von einer Genmutation herrührt. „Der mit dem Duft“ heißt Basmati auf Sans­krit, der altin­dischen Gelehr­tensprache. Seit etwa 20 Jahren macht er in Deutsch­land Karriere. Fast jede fünfte Packung Reis, die Bundes­bürger heute kaufen, ist Basmati. Wir haben 31 Produkte getestet, nur 7 gute, aber 16 mangelhafte gefunden. Tilda Pure Basmati Rice über­flügelte alle im Geschmack.

1 600 Dollar pro Tonne

Basmati-Reis ist nicht nur edel, sondern auch teuer. Händler zahlen auf dem Welt­markt für eine Tonne Premium-Basmati derzeit etwa 1 600 Dollar. Eine Tonne herkömm­licher Lang­korn­reis dagegen ist für bis zu tausend Dollar weniger zu haben. Basmati-Importe sind lukrativ. Für neun Sorten aus Indien und Pakistan entfällt sogar der Zoll, wenn sie ungeschält einge­führt werden. Der Zoll für geschälten Reis beträgt nämlich 175 Euro pro Tonne.

Gar kein Basmati bei Penny und Rewe

Basmati-Reis Test

Koch­hilfe: Wer den Kochbeutelreis nach Anleitung gart, macht keine Fehler. Für losen Reis gibt es leider keine anschaulichen Bilder.

Koch­hilfe: Wer den Kochbeutelreis nach Anleitung gart, macht keine Fehler. Für losen Reis gibt es leider keine anschaulichen Bilder.

Um unerlaubten Vermischungen vorzubeugen, gibt es eine Art Rein­heits­gebot für Basmati-Reis, den Code of Practice on Basmati Rice. Der Leitfaden stammt aus Groß­britannien, der früheren Kolonialmacht von Indien und Pakistan. Er definiert 15 Basmati-Sorten als echt und toleriert bis zu 7 Prozent Fremdreis. Wir haben uns im Test an diesem allgemein anerkannten Code of Practice orientiert. Für Deutsch­land gibt es bislang keine Regelung.

Fünf Produkte enthielten zu viel Fremdreis: von 16 Prozent bei Scheherazade bis zu kompletten 100 Prozent bei Macariso von Penny und Kochbeutel-Basmati von Rewe. Wie Kriminologen sind wir dem Fremdreis per genetischem Finger­abdruck auf die Schliche gekommen. Dazu wurde aus vermahlenem Reis Erbsubstanz (DNA) isoliert und ein DNA-Profil erstellt. Das verglichen wir mit dem anerkannter Basmati-Sorten. Zudem haben wir auf gentech­nisch veränderten Reis geprüft, wurden aber nicht fündig. Nur in wenigen Ländern ist er bisher zugelassen, erst jüngst in China.

Alte Sorten meist mit mehr Aroma

Mehr als 60 Prozent des Basmati-Reises im Test bestehen aus den neuen Sorten Pusa aus Indien und Super aus Pakistan. Diese Kreuzungen aus altem Basmati-Saat­gut mit herkömm­lichem Reis steigern die Erträgeums Dreifache. Die Rispen haben mehr Körner, die kürzeren Halme knicken nicht so leicht im Wind, die Ernte beginnt etwa fünf Wochen früher als bei traditionellen Sorten. Dafür gelten diese in punkto Aroma als über­legen. Im Test waren sieben Marken sensorisch gut oder besser, darunter viermal Traditions­reis, der als Taraori, Kernal und Basmati 386 gehandelt wird.

Monsun­regen reicht nicht immer

Auch die drei Bioanbieter Davert, Alnatura und Rapunzel setzten auf Traditions­sorten, weil ihr Anbau die Umwelt schont. Sie kommen mit dem natürlichen Monsun­regen aus. Für den durs­tigen Pusa in Indien muss aber Wasser aus dem Boden gepumpt werden. Experten warnen, dass der Grund­wasser­spiegel von Jahr zu Jahr sinkt.

Die alten Sorten haben sich aber auch an ihren Mikrokosmos angepasst und bieten Pflanzen, Tieren und Insekten einen Lebens­raum. Sie wehren zum Teil Reisschädlinge auf natürliche Art ab. Das spart chemisch-synthetische Pflanzen­schutz­mittel, die Biobauern gar nicht nutzen dürfen.

Bio-Basmati nicht pestizidfrei

Basmati-Reis Test

Doch außer Alnatura war kein Bio-Basmati pestizidfrei: Basic, Gut & Gerne und Green waren deutlich mit Carbendazim belastet, Davert und Rapunzel sehr gering mit Tricyclazol. Beide Pilzpestizide sind für den Ökoland­bau nicht zugelassen. Weil es für Pestizid­rückstände in Bioprodukten aber keine eigenen Grenz­werte gibt, gilt auch für Bio-wie für konventionelle Produkte die EU-Rück­stands­höchst­mengen­ver­ordnung.

Daran ändert auch der freiwil­lige Pestizid-Orientierungs­wert vom Bund für Natur­kost Naturwaren (BNN) von 0,01 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) nichts. Wird er über­schritten, muss der Bioanbieter Ursachen­forschung betreiben. Nur wenn ein Pestizid nicht durch zufäl­lige Verunreinigung, sondern durch bewusste Anwendung in ein Lebens­mittel gelangt, darf es kein Biosiegel mehr tragen.

Hinzu kommt: Heute wird Carbendazim als Erbgut verändernd einge­stuft – der Prozess, es zu verbieten, ist einge­leitet. Auch Tricyclazol gilt inzwischen als gesund­heits­schädlich, ein generelles Anwendungs­verbot gibt es aber noch nicht.

Krebs­erzeugende Schimmelpilzgifte

Wenn Basmati-Reis zu feucht lagert, kann sich Schimmel ausbreiten – nicht gleich­mäßig, sondern in Nestern. Dies geschieht in der Regel schon beim Reisbauern. Die Schimmelpilze bilden dann krebs­er­regende Gifte, die Aflatoxine. Mehr Aflatoxin B1 als erlaubt fanden wir im Green-Reis und in Macariso von Penny. Beide Produkte hätten nicht verkauft werden dürfen.

In begasten Containern trans­portiert

Basmati-Reis Test

Von wegen nur Reis: Der Basmati Minuten-Reis Palatina Fix enthält neben Reis auch weitere Zutaten, darunter sogar Aroma­stoffe.

Von wegen nur Reis: Der Basmati Minuten-Reis Palatina Fix enthält neben Reis auch weitere Zutaten, darunter sogar Aroma­stoffe.

Kurs auf Europa: Auf der mehr­wöchigen Schiff­fahrt können Schädlinge wie der Rüsselkäfer den Basmati-Reis ruinieren. Aus Sorge darum werden viele Reiscontainer mit Methylbromid begast. Die Substanz bekämpft Insekten, schädigt aber auch die Ozon­schicht, verstärkt damit den Treib­haus­effekt und gefährdet die Gesundheit der Arbeiter beim Be- und Entladen. Seit 2006 dürfen Industrieländer das Pestizid Methylbromid nur einge­schränkt anwenden, die Frist für Entwick­lungs­länder endet 2015. Bei zwölf Produkten im Test gab es Hinweise – bei vier sogar deutliche – , dass der Reis in begasten Containern trans­portiert wurde. Das flüchtige Methylbromid lässt sich zwar nicht nach­weisen, aber sein Bestand­teil Bromid. Kein Produkt über­schritt den gesetzlichen Höchst­gehalt. Ein gesundheitliches Risiko besteht ohnehin nur im Direkt­kontakt mit Methylbromid.

Muffig, modrig, nach Jutesack

Basmati-Reis muss charakteristisch riechen und schme­cken. Selbst­verständlich ist das aber nicht. Scheherazade etwa roch roh stark muffig und nach Jutesack, Bon-Ri von Aldi (Nord) sehr stark muffig, erdig, schimm­lig. Diese Fehler verschwanden beim Kochen nicht ganz. Unser Urteil: mangelhaft. So bewerteten wir auch gravierende Konsistenz­fehler. Basmati-Reiskörner dürfen weder verkleistern, verklumpen noch zerkochen. Das war aber bei acht Produkten deutlich bis sehr stark ausgeprägt. Wir haben jeden Reis nach Packungs­empfehlung zubereitet, die losen zum Vergleich auch stan­dardisiert im Reiskocher.

Vorgegarter Reis dreimal mangelhaft

Basmati-Reis Test

Verklebt, verkleistert, zerkocht, verklumpt – so wie auf dem Foto darf Basmati-Reis nicht aussehen. Sehr guter Basmati hat lange, schlanke, gleich­mäßige Körner – weiß oder natur­farben. Gekocht sind sie etwa doppelt so lang, bleiben körnig und trocken. Gekochter Basmati duftet intensiv. Sein Aroma erinnert an Blumen, Heu oder milde Gewürze.

Für manche Köche ist Reiskochen eine leichte Übung, andere tun sich schwer. Sie nehmen gern Kochbeutelreis oder neuerdings vorgegarten. Der wird binnen zwei Minuten in der Mikrowelle oder in der Suppe erwärmt. Doch der Verbraucher bekommt nicht nur gegarten Reis, sondern auch noch Fett, Salz und Zusatz­stoffe. Der Name Basmati-Reis führt in die Irre, die Produkte sind eher Basmati-Zubereitungen. Und wie Basmati schmeckte im Test auch keiner. Uncle Ben’s „schonend vorgegarter“ express Basmati-Reis roch zudem leicht chemisch, Palatina fix nach Ingwer. Ebenso wie Sawi waren sie gummi­artig im Biss. Sie sind alle­samt für Basmati untypisch und daher mangelhaft.

Schlanke Körner für die Traumfigur

Basmati-typisch hingegen waren die Maße der Körner: ungekocht mindestens 6,5 Milli­meter lang und schlank. Wer Basmati isst, könnte selbst Traummaße erreichen. Denn eine Basmatiportion (roh: 62,5 Gramm, gegart: 125 Gramm) hat nur etwa 220 Kilokalorien, egal ob weiß oder braun. Doch nur Voll­korn­reis deckt 10 Prozent des täglichen Ballast­stoff­bedarfs und liefert mehr Eisen, Magnesium, Zink und die Vitamine B und E als weißer Reis. Übrigens: Jeder Voll­korn-Basmati im Test war aus Ökoanbau.

Texmati konkurriert jetzt mit Basmati

Die Reisbauern in Indien und Pakistan mussten 1997 um ihr angestammtes Basmati-Mono­pol fürchten. Damals versuchte die texa­nische Firma Rice Tec, sich das Patent für eine neu gezüchtete Basmati-Sorte zu sichern. Sie sollte in den USA angebaut und als Basmati vermarktet werden. Welt­weite Proteste vereitelten den Akt der Biopiraterie, von dem für den US-Handel nur eine kleine Beute übrig blieb: Dort gibt es heute sogenannten Texmati.

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