Basketzertifikate Special

Von Olympischen Spielen profitieren ganze Wirtschaftszweige. Für Peking ist es zu spät. Jetzt wartet die West LB mit einem London-2012-Basketzertifikat auf.

Mit Basketzertifikaten können Anleger gezielt auf Trends, Boomregionen oder Zukunftsbranchen setzen. Im Teil II der Zertifikateserie haben wir interessante Ideen gesammelt.

Banker haben nichts zu lachen. Der Umgang mit Zahlen setzt Nüchternheit voraus, wird gemeinhin angenommen. Von Spaß und Kreativität keine Spur. Das täuscht. Zumindest den Zertifikatebastlern dürfte ihre Arbeit einiges Vergnügen bereiten. Im Haus der Deutschen Bank zum Beispiel kam ein Apple-Freak auf die Idee, ein Zertifikat auf das i-Phone aufzulegen – einfach, weil er selbst so begeistert war von dem neuen Handy.

Das i-Phone-Zertifikat ist ein Basketzertifikat. Es bezieht sich auf einen Korb, englisch Basket, von derzeit 17 Aktien. Die Apple-Aktie selbst ist drin und ansonsten vor allem Zulieferer aus Asien: Taiwan hat an dem Aktienkorb einen Anteil von 42 Prozent. Aus Deutschland ist Halbleiterhersteller Infineon dabei. Steigen die Aktienkurse, steigt im selben Maß der Kurs des Baskets. Herausgegeben hat das Papier die Deutsche-Bank-Tochter DWS Go.

Die DWS Go gibt es seit Oktober 2006. Sie macht der Fondsgesellschaft DWS Konkurrenz beziehungsweise ergänzt deren Geschäft, wie ihr Chef Ferdinand Haas sagt. „Mit Zertifikaten können wir in Märkte investieren, die für Fonds nur zum Teil zugänglich sind“, so Haas. Das sind Länder wie Sri Lanka, Oman oder Kasachstan.

„Außerdem können wir mit unseren Produkten stärker ins Detail gehen als mit einem Fonds“, stellt Haas weitere Unterschiede heraus, „zum Beispiel können wir uns nur auf Chinas Konsumbranche konzentrieren, anstatt in China im Ganzen zu investieren.“

Das machen andere auch: Merrill Lynch zum Beispiel setzt darauf, dass in den Schwellenländern zuallererst die Infrastruktur aufgebaut werden muss.

Mehr oder weniger breit gestreut

Auch für die Bank Goldman Sachs sind Emerging Markets ein Thema, allerdings geht sie mit einem breiteren Ansatz an die Sache heran. Das Zertifikat „Next 11“ versucht die Entwicklung der nächsten Schwellenländergeneration über einen Korb von Länderindizes einzufangen.

Eine Vorschrift über die Mindestzahl von Aktien gibt es bei Zertifikaten, anders als bei Fonds, nicht. Nur fünf Aktien umfasst zum Beispiel das Solarzertifikat der Landesbank Baden-Württemberg. Die Banker wählten gezielt die ihrer Ansicht nach Branchenbesten aus, die von einem Boom am meisten profitieren sollten. Am 31. Oktober 2008 läuft das Zertifikat aus.

Der Lucky Basket der österreichischen Raiffeisen Centrobank spekuliert auf acht aussichtsreiche Unternehmen der Wettbranche. Und das „Afrika Top 10“-Zertifikat der Commerzbank setzt auf zehn Hoffnungsträger Afrikas. Mit einem Anteil von 20 Prozent nimmt der weltgrößte Platinproduzent Anglo Platinum aus Südafrika die stärkste Position im Basket ein. Auch die anderen neun Unternehmen stammen aus Südafrika, zumindest derzeit.

Das Ende ist offen

Für Anleger bringt diese gezielte Spekulation auf wenige große Firmen Afrikas eine tolle Renditechance – wenn die Wette aufgeht. Aber das Risiko ist extrem hoch, zumal Afrikas Kapitalmärkte erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Zumindest zeitlich stehen die Anleger nicht unter Druck, das Papier läuft unbegrenzt.

Heutzutage werden Zertifikate fast nur noch mit offener Laufzeit aufgelegt. Wenn die Bank das Papier nicht mehr weiterlaufen lassen will, kündigt sie es. Das kommt meist nur dann vor, wenn zu wenige Anleger investiert sind. Wer solche Zertifikate verkaufen will, kann sie über die Börse zurückgeben. Das geht jederzeit.

Wer ein Papier kaufen möchte, kann das ebenfalls an der Börse tun. Die Banken führen nahezu alle Zertifikate nach der anfänglichen Zeichnungsphase in den Börsenhandel ein und stellen regelmäßig Kurse. „Auch wenn ein Papier tagelang nicht gehandelt wurde, heißt das nicht, dass man es nicht bekommt“, erklärt Funda Tarhan von ABN Amro. „Wir stehen jederzeit als Handelspartner bereit.“

Bei manchen Zertifikaten ist von vornherein klar, dass sie nur eine begrenzte Zeit laufen können. Dazu gehören zum Beispiel die Baskets der West LB auf große Sportereignisse wie die Fußball-WM 2010 in Südafrika oder die Olympischen Spiele 2012 in London. Beide Papiere werden jeweils kurze Zeit später fällig.

Hinter diesen Zertifikaten steht der Gedanke, dass für diese Massenveranstaltungen einiges gebaut werden muss: Straßen, Stadien, Unterkünfte. Die Tourismusbranche profitiert, ebenso Sportartikelhersteller und der Einzelhandel.

Am Puls der Zeit

Zertifikatebauer gehen mit offenen Augen durch die Welt. Sie spüren Trends auf und bilden sie in ihren Papieren ab. In China, Russland oder Indien leben als Folge der Aufholjagd der Schwellenländer zum Beispiel immer mehr Superreiche. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die über mehr als 1 Million Dollar verfügen, verdoppelt“, sagt Grégoire Toublanc von BNP Paribas. Und sie wollen ihr Geld ausgeben, für Luxusgüter vor allem. BNP Paribas hat deshalb die Deutsche Börse beauftragt, einen Weltluxusindex aufzulegen, auf den die Bank ein Zertifikat herausgegeben hat. Im Index finden sich klangvolle Namen wie Dior, Tiffany oder Bang & Olufsen.

Nicolai Tietze vom X-Markets-Team der Deutschen Bank kam auf die Idee, einen Basket auf Hersteller von Video- und Onlinespielen aufzulegen, das Gaming Universe Zertifikat. „Ich selbst spiele nur selten, bin beim morgendlichen Zeitunglesen aber auf das rasante Wachstum der Branche aufmerksam geworden“, sagt er. Ein anderer Trend ist die wachsende Weltbevölkerung, die es zu ernähren gilt. Darauf setzt DWS Go mit dem Agrikultur Aktiv Basket. Den Trend zur privaten Vorsorge bildet das Altersvorsorge-Gewinner-Zertifikat von ABN Amro ab.

Strategisch und günstig

Nicht zuletzt lassen sich mit den Aktienkörben auch Börsenstrategien nachbilden. Beispielsweise können Anleger auf die Unternehmen Europas mit der höchsten Dividendenrendite setzen. Das Europa Saison Indexzertifikat der Hypovereinsbank streicht die in der Vergangenheit oft schlechten Börsenmonate August und September einfach und zählt nur die zehn guten.

Das Kalkül dahinter: Der ständige Wechsel der Werte in den Strategiedepots lässt sich mit Zertifikaten günstiger darstellen als mit dem Kauf einzelner Aktien.

Aber die Banken rechnen nicht nur zugunsten der Kunden: Selbst wenn sie selbst nicht viel Mühe auf die Verwaltung der Zertifikate verwenden und die Körbe nur ein paar Mal im Jahr auf den neuesten Stand bringen, ihre Arbeit lassen sie sich gut bezahlen. Entweder bitten sie die Anleger mit Verwaltungsgebühren von oft mehr als 1 Prozent zur Kasse. Oder sie behalten die Dividenden. Beim Geldverdienen hört der Spaß eben auf.

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