Basis­konto Test

Seit Mitte 2016 hat jeder das Recht auf ein Giro­konto – auch Obdachlose und Asylbewerber. Das Basis­konto soll ermöglichen, Über­weisungen und Dauer­aufträge zu tätigen und mit der Girocard zu bezahlen. Alle Banken müssen mitmachen – und es geht ohne Schufa. Der Test von 108 Banken und 145 Konto­modellen zeigt aber: Oft langen die Banken beim Basis­konto zu – mehr als 300 Euro kostet das teuerste Konto im Test. In unserer Daten­bank finden Sie auch güns­tige und einige wenige kostenlose Konten.

„Jedermann-Konto“

Nach gut 20 Jahren freiwil­liger Selbst­verpflichtung der Banken hat seit Juni 2016 nun Jedermann das Recht, bei der Bank seiner Wahl ein Konto zu eröffnen. Das gilt auch für Menschen, die kein Gehalt oder kein geregeltes Einkommen haben – wie Sozial­hilfe­empfänger, Wohnungs­lose und Flücht­linge. So steht es im Zahlungs­kontengesetz (ZKG). Es regelt im Detail, was das sogenannte Basis­konto – früher genannt auch als „Giro­konto für Jedermann“ – mindestens können muss und was nicht. Das Konto soll die Teil­nahme am bargeldlosen Zahlungs­verkehr sichern, also Über­weisungen, Dauer­aufträge und Kartenzah­lungen ermöglichen, aber auch Bargeldein- und -auszahlungen. Der Inhaber bekommt eine Girocard, er kann das Konto aber nur auf Guthabenbasis führen, es also nicht über­ziehen. Die Konto­nummer für ein Basis­konto unterscheidet sich nicht von den üblichen Konto­nummern.

Giro­konten mit Über­ziehungs­möglich­keit

Kostenlose Giro­konten, bei denen alle Buchungen inklusive sind, die Girocard nichts kostet und keine Bedingungen zu erfüllen sind, zeigt unser Vergleich Girokonto.

Hohe Preise zur Abschre­ckung?

Nicht fest­gelegt hat sich der Gesetz­geber dagegen, wie teuer ein Basis­konto sein darf. Schwammig heißt es im Gesetz, dass der Preis angemessen sein müsse, sich an den markt­üblichen Entgelten und dem Nutzer­verhalten orientieren sollte. Wir wollten wissen, wie teuer Basis­konten sind und haben mehr als 100 Banken befragt. Fazit: Den Spielraum in Bezug auf den Preis, den das Gesetz Banken bietet, nutzen viele von ihnen auch aus. Sie versuchen offen­bar, Kunden durch hohe Preise abzu­schre­cken.

Preisspanne von 0 bis über 300 Euro

Wir haben die Preise für Basis­konten anhand eines Modell­kunden ohne regel­mäßigen Geld­eingang ermittelt und sind davon ausgegangen, dass er das Konto in der Filiale führt. Im Jahres­preis enthalten sind der monatliche Grund­preis für das Basis­konto, die Girocard und typische Buchungen So haben wir getestet. Unser Test zeigt: Die Preisspanne ist groß und die meisten Basis­konten sind teurer als die üblichen Gehalts- und Renten­konten, insbesondere, wenn sie über die Filiale geführt werden. Es gibt einige wenige Basis­konten, die kostenlos sind. Sonst beträgt der Grund­preis bei den Banken im Test für die Konto­führung zwischen 1 und 12 Euro im Monat, hinzu kommen der Preis für die Girocard und bei Filial­konten die Kosten für Über­weisungen per Papierbeleg. So summiert sich der Jahres­preis bei vielen Banken im Test auf über 100 Euro.

Vier Volks­banken am teuersten

Vier Regional­banken schröpfen unseren weniger zahlungs­kräftigen Modell­kunden stark: Volks­bank Magdeburg mit 204,85 Euro, Hanno­versche Volks­bank mit 214,05 Euro, VR Bank West­thüringen mit 232,18 Euro und Bremische Volks­bank mit 328,30 Euro. Man könnte auch „Abwehr­preis“ dazu sagen.

Groß­banken verlangen über 100 Euro

Für ein herkömm­liches Giro­konto, auf das regel­mäßig ein Gehalt oder die Rente fließt, sind 60 Euro Jahres­kosten akzeptabel, inklusive aller Buchungen und der Girocard. Diese Grenze unter­schreiten nur wenige Banken im Test – insgesamt neun. Nur bei zwei Banken ist das Basis­konto in der Filiale kostenlos und bei zwei Banken kostet es für den Modell­kunden genau 60 Euro pro Jahr. Vier der fünf Groß­banken liegen im Test mit ihrem Basis­konto bei mehr als 100 Euro pro Jahr: Post­bank 106,44 Euro, Commerz­bank 136,80 Euro, Deutsche Bank 163,38 Euro und die Targo­bank 163,90 Euro.

Banken: Aufwand recht­fertigt höhere Konto­führungs­gebühren

Den teuren Konto­führungs­preis für das Basis­konto begründen die meisten Banken mit einem höheren Aufwand. Beratung und Konto­eröff­nung seien aufwendiger als bei herkömm­lichen Konten, weil die Prüfung der persönlichen Daten länger dauere und die Kunden schlechter zu erreichen seien. Zugegeben: Sie haben mit Kunden, die für ihre Bank­geschäfte den Mitarbeiter in der Filiale benötigen, tatsäch­lich mehr Arbeit. Ob das aber recht­fertigt, gerade von Menschen ohne regel­mäßigem Einkommen höhere Preise zu nehmen, ist zumindest fraglich. Möglich ist es, weil das Gesetz keine Preis­ober­grenze nennt. Nur gut ein Drittel der Banken im Test verlangen weniger als 100 Euro pro Jahr für das Konto.

Unser Rat

Auswahl. Kostenlos ist das Basis­konto bei den Regional­banken PSD Bank Karls­ruhe-Neustadt und der Sparda-Bank Baden-Württem­berg. Günstig sind auch die über­regionalen Angebote von der PSD Bank Rhein­Neckar­Saar und der Sparda-Bank München mit fünf Filialen. Hier kostet nur die Girocard etwas. Basis­konten für unter 100 Euro im Jahr gibt es meist bei den regionalen Banken: Basiskonten unter 100 Euro Jahrespreis.

Online. Wenn Sie sich eine Online­konto­führung zutrauen, bekommen Sie das Basis­konto mindestens bei den Direkt­banken im Internet kostenlos, bei anderen Banken ist die Online­konto­führung meist preisgüns­tiger als in der Filiale: Kostenlose Kontomodelle.

Recht. Selbst wenn Sie kein regel­mäßiges Einkommen haben oder als Asylbewerber neu im Land sind, haben Sie das Recht auf ein Giro­konto auf Guthabenbasis. Damit können Sie am bargeldlosen Zahlungs­verkehr teilnehmen.

Ombuds­mann. Wenn Ihnen das Basis­konto verweigert oder gekündigt wird, wenden Sie sich an den Ombuds­mann des jeweiligen Banken­verbands. Adressen finden Sie in unserem Special Schlichtungsstellen.

Aufsichts­behörde. Bei Ablehnung können Sie auch bei der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) ein Verwaltungs­verfahren beantragen. Das Formular dafür gibt es hier: bafin.de.

Schufa, Kreditkarte, Pfändungs­schutz: Antworten auf häufige Fragen

Wer kann bei welcher Bank ein Basis­konto eröffnen?

Anspruch auf Abschluss eines Basis­kontenvertrags hat jeder, der sich recht­mäßig in der Europäischen Union aufhält. Das gilt für Menschen ohne festen Wohn­sitz, für Asyl­suchende und Geduldete, aber auch für insolvente Personen und Menschen in einer anderen finanziellen Notlage, für Saison­arbeiter und Austausch­studenten. Der Kunde muss geschäfts­fähig sein, also mindestens 18 Jahre alt sein. Jede Bank, die Giro­konten für Verbraucher in Deutsch­land führt, ist gesetzlich verpflichtet, ein Basis­konto anzu­bieten – und zwar jedem Menschen unabhängig von seiner sozialen Stellung.

Was muss ich für die Konto­eröff­nung tun und welche Unterlagen sind notwendig?

Es gibt für die Eröff­nung eines Basis­kontos ein zweiseitiges Formular. Das erhalten Sie von der Bank Ihrer Wahl vor Ort, per Post oder können es im Internet herunter­laden. Mit dem Antrag geht das Einrichten des Kontos schneller, er ist aber nicht zwingend vorgeschrieben. Die Bank muss Ihnen bestätigen, dass sie den Antrag bekommen hat.

Damit die Bank Ihre Identität prüfen kann, müssen Sie sich mit einem Dokument ausweisen, auf dem ein Foto von Ihnen ist und die wichtigsten Daten zu Ihrer Person stehen, wie Name, Geburts­datum und Geburts­ort. Als Dokument akzeptiert sind:

  • Reisepass,
  • Personal­ausweis,
  • Aufenthalts­gestattung,
  • Duldungs­papier mit Siegel der deutschen Ausländerbehörde,
  • Ankunfts­nach­weis.

Für die Konto­eröff­nung genügt es, wenn Sie eine Post­anschrift angeben, zum Beispiel von Verwandten, Freunden oder einer Beratungs­stelle. Sie müssen an der Adresse nicht gemeldet sein. Wichtig ist aber, dass Sie über diese Adresse erreich­bar sind.

Kann eine Bank die Eröff­nung eines Basis­kontos ablehnen?

Ja, aber nur in seltenen Fällen. Nachdem der Antrag auf Konto­eröff­nung gestellt wurde, hat die Bank für eine Entscheidung zehn Tage Zeit. Wenn sie eine Konto­eröff­nung ablehnt, muss sie das inner­halb von zehn Tagen tun und begründen. Es gibt folgende Ablehnungs­gründe:

  • Sie nutzen bereits ein Konto bei einer anderen Bank in Deutsch­land.
  • Sie wurden in den vergangenen drei Jahren wegen einer Straftat gegen die Bank, einen ihrer Mitarbeiter oder Kunden verurteilt.
  • Sie hatten bereits ein Basis­konto bei derselben Bank, das Ihnen wegen Zahlungs­verzugs oder Nutzung zu verbotenen Zwecken gekündigt wurde.
  • Die Bank verstößt mit der Eröff­nung des Kontos gegen ihre allgemeinen Sorgfalts­pflichten aus dem Geld­wäsche- und Kreditwesengesetz.

Wegen einer schlechten Schufa-Auskunft oder einer laufenden Pfändung darf sie die Konto­eröff­nung nicht ablehnen.

Kann ich mich gegen eine Ablehnung wehren?

Sie können sich an die für die Bank zuständige Schlichtungs­stelle wenden, vor einem Zivilge­richt klagen oder bei der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) ein Verwaltungs­verfahren beantragen. Das Verfahren ist für Sie kostenlos.

Die Bafin hat einen Monat Zeit, Ihren Antrag zu prüfen. Wenn sich heraus­stellt, dass Ihnen das Konto zu Unrecht verwehrt wurde, ordnet sie die Konto­eröff­nung an. 2016 wurde die Bafin nach mehr als 100 Beschwerden zum Basis­konto tätig, aber nur in 17 Fällen musste sie eine Konto­eröff­nung anordnen.

Kann ich das Basis­konto auch ohne Filiale führen – also alles im Internet regeln?

Ja, das ist bei den meisten Banken möglich – verpflichtet sind die Banken dazu nicht. Die 1822direkt als Direkt­bank­tochter der Frank­furter Sparkasse bietet selbst kein eigenes Basis­konto an, sondern verweist die Kunden an die Filialen der Muttergesell­schaft.

In unserem Produktfinder haben wir neben dem Jahres­preis für die Filial-Konto­führung auch den Preis für die Online-Konto­führung berechnet. Er ist oft merk­lich nied­riger als für das Filial­konto. Bei den Direkt­banken im Internet – die auch zu einem Basis­konto verpflichtet sind – sind diese Konten sogar kostenlos. Das sind die

  • Comdirect Bank,
  • Consors­bank,
  • Deutsche Skat­bank,
  • DKB,
  • ING-Diba und
  • Wüstenrot Bank.

Kostenlose Kontomodelle.

Wenn Sie sich die Konto­führung am PC zutrauen, können Sie ein vorhandenes Basis­konto recht einfach auf ein Online­konto umstellen. Unsere Checkliste beschreibt in fünf Schritten, wie das geht.

Darf die Bank mein Basis­konto einfach kündigen?

Ja, im Einzel­fall sind Banken berechtigt, Basis­konten zu kündigen. Sie müssen dies aber schriftlich begründen. Möglich ist das aus folgenden Gründen:

  • Auf Ihrem Basis­konto sind inner­halb von zwei Jahren weder Geld­eingänge noch -ausgänge zu verzeichnen, sodass die Bank sicher sein kann, dass sie die Konto­führungs­kosten nicht bekommt.
  • Sie erfüllen nicht mehr die Voraus­setzungen für das Basis­konto, zum Beispiel weil Ihre Duldung ausläuft.
  • Sie haben bereits ein anderes Konto, das Sie genauso nutzen können.
  • Sie haben eine Straftat zum Nachteil der Bank oder eines ihrer Mitarbeiter begangen.
  • Sie sind mit dem Konto­führungs­entgelt mehr als drei Monate in Verzug und der Betrag über­steigt 100 Euro.

Die Kündigungs­frist beträgt mindestens zwei Monate.

Habe ich einen Anspruch auf eine Kreditkarte zum Basis­konto?

Nein, einen Anspruch auf eine Kreditkarte haben Sie nicht. Die meisten Kreditkarten­umsätze rechnen die Anbieter nur einmal im Monat ab, das ist quasi wie ein vierwöchiger Kredit und den gibt es für das Basis­konto nicht. Einige Banken geben aber Prepaid-Kreditkarten aus. Mit denen können Sie nur so viel Geld ausgeben, wie Sie vorher auf die Karte geladen haben: Kontomodelle mit Prepaid-Kreditkarten.

Was ist der Unterschied zum Pfändungs­schutz­konto?

Ein Pfändungs­schutz­konto („P-Konto“) dient ebenfalls dem normalen Zahlungs­verkehr, sorgt jedoch dafür, dass verschuldeten Menschen genug Geld zum Leben bleibt. Bei Konto­pfändung bleibt ein Teil der Einkünfte vor Gläubigern sicher: Seit 1. Juli 2017 sind das bis zu einem Betrag von 1 133,80 Euro pro Person je Kalendermonat.

Jeder Konto­inhaber hat gegen­über seiner Bank den Anspruch, dass sein Giro­konto – also auch das Basis­konto – als P-Konto geführt wird. Es sind aber zwei unterschiedliche Arten von Konten.

Welches Konto muss ich eröffnen, wenn ich ein Konto ohne Schufa-Eintrag haben will?

Gerade für diesen Fall ist das Basis­konto das richtige. Die Bank muss für Sie das Konto eröffnen, auch wenn Sie eine schlechte Schufa haben. Der Gesetz­geber hat das Basis­konto ja gerade auch für die Menschen geschaffen, die bisher kein Konto wegen einer schlechten Schufa bekommen haben. Da das Konto auf Guthabenbasis geführt wird, ist ein Schufa-Eintrag nicht notwendig.

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