Seit gut drei Jahren hat jeder das Recht auf ein Giro­konto.

Das Basis­konto soll jedem Menschen ermöglichen, Über­weisungen und Dauer­aufträge zu tätigen und mit der Girocard zu bezahlen. Alle Banken müssen mitmachen – und es geht ohne Schufa. Der Test von 124 Banken und 185 Konto­modellen zeigt: Wer arm ist und kein regel­mäßiges Einkommen hat, zahlt für ein Giro­konto meist viel mehr als Gehalts- und Renten­empfänger – über 200 Euro kostet die Konto­führung bei den teuersten Banken im Test. In unserem Vergleich Basis­konten finden Sie güns­tigere und sogar kostenlose Konten.

Basis­konten – so kräftig langen die Banken zu

Die gute Nach­richt: Alle Menschen, auch die ohne ein geregeltes Einkommen, haben seit Mitte 2016 per Gesetz Anspruch auf ein Giro­konto. Die schlechte Nach­richt: Diese Menschen – zum Beispiel Sozial­hilfe­empfänger, Wohnungs­lose und Geflüchtete – haben nur Anspruch auf ein Basis­konto und zahlen dafür besonders viel und teil­weise mehr als bei unserem ersten Test vor zwei Jahren. Bei den teuersten Banken kostet die Konto­führung für unseren Modell­kunden mehr als 200 Euro im Jahr. Das zeigt unsere aktuelle Unter­suchung der Jahres­preise für Basis­konten bei 124 Banken.

Unser Rat

Auswahl. Gratis-Basis­konten haben PSD Karls­ruhe-Neustadt und Sparda Baden-Württem­berg. Günstig sind auch Sparda München mit 5 Euro (über­regional) und Sparda Südwest mit 12 Euro pro Jahr.

Online. Auch wenn Sie das Basis­konto online führen, ist es nur bei wenigen Banken kostenlos. Meist ist diese Variante aber güns­tiger, als wenn Sie es in der Filiale führen.

Diese Konto-Kosten sind gestiegen

Teurer sind die Konten, weil vor allem die Kosten für den monatlichen Grund­preis oder die Über­weisung per Papier gestiegen sind. Bei manchen Banken verteuerten sich sogar beide Posten. Die PSD Koblenz zum Beispiel erhöhte den monatlichen Grund­preis von 0 Euro auf 3,95 Euro und verdoppelte den Preis pro Papier­über­weisung von 1,50 Euro auf 3 Euro. Wir errechnen einen Jahres­preis von 156,90 Euro. Dabei soll das Basis­konto die Teil­nahme am bargeldlosen Zahlungs­verkehr ermöglichen. Der Inhaber bekommt eine Girocard. In den Jahres­preis für ein Basis­konto haben wir den Grund­preis, die Girocard und typische Buchungen einge­rechnet. Wir haben die Preise anhand eines Modell­kunden ermittelt, der das Konto in der Filiale führt (So haben wir getestet). Nur zwei regionale Banken – PSD Karls­ruhe-Neustadt und Sparda Baden-Württem­berg – führen das Basis­konto für Filial­kunden kostenlos.

Immerhin: Es gibt 47 Banken, bei denen zahlungs­schwache Kunden weniger als 100 Euro pro Jahr zahlen. Welche das sind, zeigt unser Vergleich Basiskonten.

Giro­konten mit Über­ziehungs­möglich­keit

Kostenlose „klassische“ Giro­konten, bei denen alle Buchungen inklusive sind, die Girocard nichts kostet und keine Bedingungen zu erfüllen sind, zeigt unser großer Vergleich Girokonto.

Das sind die teuersten Basis­konten

Das teuerste Basis­konto in unserem Test hat die Salz­land­sparkasse, dicht gefolgt von der Targo­bank. Bei beiden Banken kostet unser Modell­konto rund 250 Euro pro Jahr. Bei der Targo­bank sind das knapp 90 Euro mehr als in der Vorgänger­unter­suchung im Jahr 2017. Hier sind zwar der Grund­preis und der Preis für beleghafte Über­weisungen gleich geblieben, aber die Bank gewährt nur noch zehn beleglose Buchungen im Monat kostenlos, für jede weitere werden 55 Cent fällig. Im Vergleich zur Vorunter­suchung muss unser Modell­kunde nun für 155 Buchungen im Jahr bezahlen. Sehr teuer sind für ihn auch die Sparkasse Holstein mit einem Jahres­preis von rund 235 Euro und die Hanno­versche Volks­bank mit 226 Euro.

Verbindliche gesetzliche Definition für Basis­konto nötig

Banken begründen den hohen Preis meist mit einem Mehr­aufwand für Beratung und Eröff­nung im Vergleich zum herkömm­lichen Girokonto. Im Gesetz steht, dass der Preis sich an den markt­üblichen Entgelten orientieren und angemessen sein sollte.

Frank Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundes­verband sagt dazu: „Es ist unklar, welches Entgelt für ein Basis­konto angemessen ist und welches nicht mehr. Eine verbindlichere gesetzliche Definition ist notwendig, um den Erfolg des Basis­kontos zu sichern.“ Das Ober­landes­gericht Frank­furt am Main hat zum Preis für ein Basis­konto gegen die Deutsche Bank geur­teilt: Ein monatlicher Grund­preis von 8,99 Euro sowie 1,50 Euro für eine beleghafte Über­weisung im Rahmen eines Basis­kontos sind unan­gemessen hoch und damit unwirk­sam. Basis­konten müssten zwar nicht als güns­tigstes Konto­modell eines Kredit­instituts angeboten werden. Die Preise sollten aber das durch­schnitt­liche Nutzer­verhalten dieser Konto­inhaber angemessen widerspiegeln, heißt es in der Urteils­begründung (Az. 19 U 104/18, nicht rechts­kräftig).

Die Bremische Volks­bank – der Test­verlierer aus dem Jahr 2017 – hat inzwischen ganz ohne Urteil reagiert und senkte den Grund­preis im Monat von 8,90 Euro auf 3,90 Euro und den Preis für beleghafte Über­weisungen von 3 Euro auf 2 Euro. Damit sank der Jahres­preis um mehr als 200 Euro auf rund 121 Euro.

Konto­eröff­nung wird selten abge­lehnt

Nur in seltenen Fällen darf eine Bank die Eröff­nung eines Basis­kontos ablehnen (siehe Antworten auf häufige Fragen). Zwischen Juni 2016 – der Einführung der Konto­eröff­nungs­pflicht – und Juni 2018 geschah das bei rund 2,7 Prozent der mehr als 566 000 Anträge, heißt es bei der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin).

Tipp: Wenn Ihnen die Bank die Eröff­nung eines Basis­kontos verweigert, wenden Sie sich an den Ombuds­mann des jeweiligen Banken­verbandes (Über­sicht Schlichtungsstellen). Sie können auch vor einem Zivilge­richt klagen oder bei der Bafin ein Verwaltungs­verfahren beantragen (bafin.de).

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Giro­konto, Basis­konto – was ist was?

Steck­brief Basis­konto

  • Gesetzlicher Anspruch auf Konto­eröff­nung, nur eines pro Person
  • Konto­eröff­nung mit Ausweisdokument mit Foto: Personal­ausweis, Reisepass, Aufenthalts­gestattung, Duldungs­papier oder Ankunfts­nach­weis sowie Post­anschrift
  • Umfasst nur grund­legende Leistungen wie Barein- und -auszahlung, Über­weisung, Last­schrift, Dauer­auftrag und Girocard, nicht aber Dispokredit und Kreditkarte
  • Kündigung durch die Bank nur aus wichtigem Grund

Steck­brief Giro­konto

  • Bank entscheidet über die Konto­eröff­nung, mehrere sind möglich
  • Konto­eröff­nung mit: Personal­ausweis oder Reisepass mit ­Melde­bescheinigung
  • Umfasst alle Konto­leistungen, Dispokredit und Kreditkarte sind möglich, Dispohöhe hängt von ­Gehalts- oder Renten­eingang oder Bonität des Kunden ab (Vergleich Girokonten)
  • Bank kann jeder­zeit mit Frist von zwei Monaten kündigen
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FAQ – Schufa, Kreditkarte, Pfändungs­schutz

Wer kann bei welcher Bank ein Basis­konto eröffnen?

Anspruch auf Abschluss eines Basis­kontenvertrags hat jeder, der sich recht­mäßig in der Europäischen Union aufhält. Das gilt für Menschen ohne festen Wohn­sitz, für Asyl­suchende und Geduldete, aber auch für insolvente Personen und Menschen in einer anderen finanziellen Notlage, für Saison­arbeiter und Austausch­studenten. Der Kunde muss geschäfts­fähig sein, also mindestens 18 Jahre alt. Jede Bank, die Giro­konten für Verbraucher in Deutsch­land führt, ist gesetzlich verpflichtet, ein Basis­konto anzu­bieten – und zwar jedem Menschen unabhängig von seiner sozialen Stellung.

Was muss ich für die Konto­eröff­nung tun und welche Unterlagen sind notwendig?

Es gibt für die Eröff­nung eines Basis­kontos ein zweiseitiges Formular. Das erhalten Sie von der Bank Ihrer Wahl vor Ort, per Post oder können es im Internet herunter­laden. Mit dem Antrag geht das Einrichten des Kontos schneller, er ist aber nicht zwingend vorgeschrieben. Die Bank muss Ihnen bestätigen, dass sie den Antrag bekommen hat. Damit die Bank Ihre Identität prüfen kann, müssen Sie sich mit einem Dokument ausweisen, auf dem ein Foto von Ihnen ist und die wichtigsten Daten zu Ihrer Person stehen, wie Name, Geburts­datum und Geburts­ort. Als Dokument akzeptiert sind:

  • Reisepass,
  • Personal­ausweis,
  • Aufenthalts­gestattung,
  • Duldungs­papier mit Siegel der deutschen Ausländerbehörde,
  • Ankunfts­nach­weis.

Für die Konto­eröff­nung genügt es, wenn Sie eine Post­anschrift angeben, zum Beispiel von Verwandten, Freunden oder einer Beratungs­stelle. Sie müssen an der Adresse nicht gemeldet sein. Wichtig ist aber, dass Sie über diese Adresse erreich­bar sind.

Kann eine Bank die Eröff­nung eines Basis­kontos ablehnen?

Ja, aber nur in seltenen Fällen. Nachdem der Antrag auf Konto­eröff­nung gestellt wurde, hat die Bank für eine Entscheidung zehn Tage Zeit. Wenn sie eine Konto­eröff­nung ablehnt, muss sie das inner­halb von zehn Tagen tun und begründen. Es gibt folgende Ablehnungs­gründe:

  • Sie nutzen bereits ein Konto bei einer anderen Bank in Deutsch­land.
  • Sie wurden in den vergangenen drei Jahren wegen einer Straftat gegen die Bank, einen ihrer Mitarbeiter oder Kunden verurteilt.
  • Sie hatten bereits ein Basis­konto bei derselben Bank, das Ihnen wegen Zahlungs­verzugs oder Nutzung zu verbotenen Zwecken gekündigt wurde.
  • Die Bank verstößt mit der Eröff­nung des Kontos gegen ihre allgemeinen Sorgfalts­pflichten aus dem Geld­wäsche- und Kreditwesengesetz.

Wegen einer schlechten Schufa-Auskunft oder einer laufenden Pfändung darf sie die Konto­eröff­nung nicht ablehnen.

Kann ich mich gegen eine Ablehnung wehren?

Sie können sich an die für die Bank zuständige Schlichtungs­stelle wenden, vor einem Zivilge­richt klagen oder bei der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) ein Verwaltungs­verfahren beantragen. Das Verfahren ist für Sie kostenlos.

Die Bafin hat einen Monat Zeit, Ihren Antrag zu prüfen. Wenn sich heraus­stellt, dass Ihnen das Konto zu Unrecht verwehrt wurde, ordnet sie die Konto­eröff­nung an.

Kann ich das Basis­konto auch ohne Filiale führen – also alles im Internet regeln?

Ja, das ist bei den meisten Banken möglich – verpflichtet sind die Banken dazu nicht. Die 1822direkt als Direkt­bank­tochter der Frank­furter Sparkasse bietet selbst kein eigenes Basis­konto an, sondern verweist die Kunden an die Filialen der Muttergesell­schaft. In unserem Vergleich Basiskonten haben wir neben dem Jahres­preis für die Filial-Konto­führung auch den Preis für die Online-Konto­führung berechnet. Er ist oft merk­lich nied­riger als für das Filial­konto. Bei den Direkt­banken Consors­bank, DKB und ING – die auch zu einem Basis­konto verpflichtet sind – sowie bei drei Sparda-Banken und der BBBank ist das Basis­konto sogar kostenlos (die kostenlosen Konten im Detail).

Wenn Sie sich die Konto­führung am PC zutrauen, können Sie ein vorhandenes Basis­konto recht einfach auf ein Online­konto umstellen. Unsere Checkliste zur Kontoführung online beschreibt in fünf Schritten, wie das geht.

Darf die Bank mein Basis­konto einfach kündigen?

Ja, im Einzel­fall sind Banken berechtigt, Basis­konten zu kündigen. Sie müssen dies aber schriftlich begründen. Möglich ist das aus folgenden Gründen:

  • Auf Ihrem Basis­konto sind inner­halb von zwei Jahren weder Geld­eingänge noch -ausgänge zu verzeichnen, sodass die Bank sicher sein kann, dass sie die Konto­führungs­kosten nicht bekommt.
  • Sie erfüllen nicht mehr die Voraus­setzungen für das Basis­konto, zum Beispiel weil Ihre Duldung ausläuft.
  • Sie haben bereits ein anderes Konto, das Sie genauso nutzen können.
  • Sie haben eine Straftat zum Nachteil der Bank oder eines ihrer Mitarbeiter begangen.
  • Sie sind mit dem Konto­führungs­entgelt mehr als drei Monate in Verzug und der Betrag über­steigt 100 Euro.

Die Kündigungs­frist beträgt mindestens zwei Monate.

Habe ich einen Anspruch auf eine Kreditkarte zum Basis­konto?

Nein, einen Anspruch auf eine Kreditkarte haben Sie nicht. Die meisten Kreditkarten­umsätze rechnen die Anbieter nur einmal im Monat ab, das ist quasi wie ein vierwöchiger Kredit und den gibt es für das Basis­konto nicht. Einige Banken geben aber Prepaid-Kreditkarten aus. Mit denen können Sie nur so viel Geld ausgeben, wie Sie vorher auf die Karte geladen haben: Kontomodelle mit Prepaid-Kreditkarten.

Was ist der Unterschied zum Pfändungs­schutz­konto?

Ein Pfändungs­schutz­konto („P-Konto“) dient ebenfalls dem normalen Zahlungs­verkehr, sorgt jedoch dafür, dass verschuldeten Menschen genug Geld zum Leben bleibt. Bei Konto­pfändung bleibt ein Teil der Einkünfte vor Gläubigern sicher: Seit 1. Juli 2019 sind das bis zu einem Betrag von 1 178,59 Euro pro Person je Kalendermonat. Jeder Konto­inhaber hat gegen­über seiner Bank den Anspruch, dass sein Giro­konto – also auch das Basis­konto – als P-Konto geführt wird. Es sind aber zwei unterschiedliche Arten von Konten (Special Überschuldung).

Welches Konto muss ich eröffnen, wenn ich ein Konto ohne Schufa-Eintrag haben will?

Gerade für diesen Fall ist das Basis­konto das richtige. Die Bank muss für Sie das Konto eröffnen, auch wenn Sie eine schlechte Schufa haben. Der Gesetz­geber hat das Basis­konto ja gerade auch für die Menschen geschaffen, die bisher kein Konto wegen einer schlechten Schufa bekommen haben. Da das Konto auf Guthabenbasis geführt wird, ist ein Schufa-Eintrag nicht notwendig.

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